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Appell: Hunde an die "lange Leine"

WERNE Anleinpflicht im Stadtwald ja oder nein: Darüber hat sich eine heftige Diskussion entsponnen. Um die Wogen zu glätten, stellte sich Michael Alfermann (51) aus Werne, Hundetrainer beim Hundevereein Selm, im Interview den Fragen unserer Zeitung.

29.11.2007
Appell: Hunde an die "lange Leine"

Michael Alfermann und sein Briard Samson.

Hallo Herr Alfermann, haben Sie eigentlich persönliche Erfahrungen im Stadtwald gemacht, die zu diesem Thema passen?

Alfermann: Seit zwölf Jahren gehe ich fast täglich mit meinem Hund Samson in den Stadtwald. Läufer und Spaziergänger sind für ihn schon viele Jahre uninteressant und werden ignoriert. Von Läufern stark frequentierte Wege meiden wir, bzw. passieren diese meistens angeleint. Wenn wir mit mehren Hunden unterwegs sind, stehen wir dann brav Spalier. Es soll ja auch keiner über sie stolpern und sich verletzen. Außerdem gibt es ja auch Mitmenschen, die grundsätzlich Angst vor Hunden haben.

Nun ist ja im Stadtwald unterschiedlich viel los...

Alfermann: ... am Sonntagmorgen, Montagabend oder bei Veranstaltungen, wenn der Läuferandrang groß ist, meiden wir den Stadtwald. Es gibt aber auch Zeiten, an denen man fast allein im Wald unterwegs ist, wie zum Beispiel bei Regen oder morgens bis zum frühen Vormittag.

Und es ist noch nie zu Zwischenfällen gekommen?

Alfermann: Viele Läufer und Spaziergänger, insbesondere die, die mehrmals wöchentlich laufen, kennen uns. Wir grüßen uns und es herrscht insgesamt ein freundliches Klima. In den ganzen Jahren ist mir kein einziger Fall untergekommen, in dem Spaziergänger oder Läufer gefährdet bzw. sogar verletzt worden wäre.

Aber der Läufer oder Spaziergänger weiß letzten Endes nicht, ob der Hund auch wirklich friedlich ist...

Alfermann: Wenn jemand grundsätzlich Angst vor Hunden hat, sollte derjenige den Besitzer ansprechen und ihn bitten, den Hund bei Seite zu nehmen und anzuleinen. Ein verantwortungsvoller Hundebesitzer hat Verständnis und reagiert prompt auf diese Bitte.

Das klingt ein bisschen zu harmonisch, nicht alle Hundehalter und auch nicht alle Hunde sind so friedfertig.

Alfermann: Allen verantwortungsbewussten Hundebesitzern ist klar: Nur ein gut erzogener Hund stellt sicher, dass sich das Zusammenleben von Mensch und Hund möglichst problemlos gestaltet. Ein gut erzogener Hund lässt sich jeder Zeit unter Kontrolle bringen und toleriert fremde Menschen bzw. Hunde.

Es sind aber vielleicht nicht alle Hunde so gut erzogen...

Alfermann: Sind diese Punkte nicht gewährleistet, gehört der Hund an die Leine. Denn die Güte der Erziehung bestimmt letztendlich das Maß der zugebilligten Freiheiten für den Hund.

Wie viel Freiheit braucht ein Hund?

Alfermann: Zu einer natürlichen artgerechten Verhalten (Schnüffeln, Laufen, Suchen, Kontaktaufnahme mit Artgenossen) gehört auch entsprechender Freilauf. Verschiedene Aspekte der Hunderziehung können nur "an langer Leine" bzw. im Freilauf "eingeübt" werden, weil nur dann der Hund die Möglichkeit hat, hundetypische Verhaltensweisen zu zeigen - zum Beispiel auszuweichen oder sich wegzudrehen, um bestimmte Situationen zu bewältigen. Gutes Sozialverhalten ist nicht angeboren.

Kann man das denn immer antrainieren?

Alfermann: Große Bedenken für das Sozialverhalten hätte ich bei einem Hund, der den Großteil seines Lebens an der kurzen Leine geführt worden ist, ganz davon abgesehen, dass ein an der Leine tobender Hund natürlich auch ein großes Gefahrenpotenzial darstellen kann.

Wie bekommen denn Befürworter und Gegner einer Anleinpflicht die "Kuh vom Eis"?

Alfermann: Der Stadtwald ist ein Erholungsbereich, der allen Bürgern zugute kommen sollte. Die Hundebesitzer, die ihren Hund frei laufen lassen wollen, in die Randbereiche und in die Bauerschaften abzudrängen, scheint mir nicht angemessen. Es besteht aus meiner Sicht kein Grund, an der bestehenden Situation etwas zu ändern. Die Stadt sollte weiterhin mit Augenmaß reagieren. Denn mit einer weiteren Verschärfung der Situation ist niemanden gedient. Ich möchte an alle Mitmenschen, ob mit oder ohne Hund, appellieren, aufeinander zuzugehen. Der Stadtwald ist bei entsprechender Rücksicht für alle nutzbar.