Widerstand und Solidarität in der Kinderwelt

Im Kino: "Krieg der Knöpfe"

Jahrzehntelang gab's ihn nur in der nostalgischen Schwarzweiß-Fassung von Yves Robert und mit der Patina zeitloser, unbeschwerter Kindheitserinnerungen zu sehen: den "Krieg der Knöpfe". Nostalgie haftet zwar auch der Neuverfilmung des Roman- und Kino-Klassikers an, aber so harmlos wie in der 1962er-Version geht es in "La nouvelle guerre de boutons" (Originaltitel) längst nicht zu.

12.04.2012, 19:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Zum Kampf gerüstet: die Kinder aus Longeverne.

Zum Kampf gerüstet: die Kinder aus Longeverne.

Mit großem Respekt vor der Vorlage und dem zu erwartenden Kinder-Publikum hat Regisseur und Drehbuchautor Christophe Barratier ("Die Kinder des Monsieur Mathieu") die Handlung des Films ins Kriegsjahr 1944 und nach Südfrankreich verlegt, in die sogenannte "freie Zone" unter dem Vichy-Regime. Der Film handelt auch von der Verfolgung der französischen Juden, von Nazi-Kollaborateuren und von der Résistance. Aber nicht zuletzt von dem Widerstand und der Solidarität in der Kinderwelt.Blutige Nasen Zunächst verläuft der kleine Krieg im großen Krieg nach alten, bekannten Regeln. Die Kraftproben der Kinder aus den idyllisch gelegenen Dörfern Longeverne und Velrans werden in wilden Handgemengen und verbalen Scharmützeln abgearbeitet. "Schlappschwanz" ist die schlimmste Beleidigung. Ab und zu drohen die verfeindeten Jungen, sich gegenseitig ihre "Pimmel abzuschneiden". Es gibt blutige Nasen, aufgescheuerte Knie - und als Kriegsbeute jede Menge abgeschnittener Knöpfe. Die Rituale der Rivalität werden mit dem Tag infrage gestellt, an dem die Kinder die Verhaftung und Verschleppung einer jüdischen Familie miterleben und sie selbst mit Violetta alias Myriam eine Jüdin in ihre Reihen aufnehmen.Flotte Inszenierung Tolle Kinderdarsteller und eine flotte Inszenierung sorgen für gute Unterhaltung. Der historische Kontext bleibt angedeutet. Fragen kommen nach dem Film. Und das ist gut so.