Wie aus ägyptischem Traum ein Trauma wurde

Ruhrfestspiele

Fünf Jahre nach dem arabischen Frühling wundern sich nicht nur die Ägypter, wie ihr Traum zum Trauma werden konnte. Shadi Atefs "Zawaya - Zeugnisse einer Revolution" nähert sich den Ereignissen aus der Sicht von Augenzeugen, die berichten, was sie damals erlebt haben.

RECKLINGHAUSEN

, 08.05.2016, 12:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Szene aus „Zawaya – Zeugnisse einer Revolution“

Szene aus „Zawaya – Zeugnisse einer Revolution“

Erzähltheater in der Regie von Hassan El Geretly, der mit seiner Compagnie El Warsha am Samstag bei den Ruhrfestspielen zu Gast war. Umrahmt werden die Schilderungen von Yasser El Magrabi, der zur Oud vertonte Verse singt: "Ich bin der Schmerz, die Freude, die Menschlichkeit. Ägypten ist mein Name."

Mosaik des Geschehens

Vom Schmerz ist viel die Rede, wenn sich aus den Erlebnissen der Chronisten ein Mosaik des Geschehens zusammensetzt. Ein Fußball-Fan reportiert einen Hinterhalt, den das Militär und gegnerische Fans vorbereiteten. Blutige Rache für Schmählieder, die Kairoer Ultras gegen die Staatsmacht sangen.

Tragische Erinnerungen

Ein Kleinganove berichtet vom Tahrir-Platz, wo gekaufte Schläger auf Demonstranten einprügelten. Eine Krankenschwester erinnert sich an eine Leichenhalle und verzweifelte Familien.

Bewegend ist der Auftritt einer Mutter, deren Sohn Opfer einer verirrten Kugel wurde. Ein Offizier nimmt seine Soldaten in Schutz. Die hätten Beherrschung gezeigt, nicht wild geschossen.

Fünf Monologe gegen das Vergessen, auf arabisch, deutsch übertitelt. Erhellende Streiflichter aus einem Land, in dem eine brüchige Friedhofsruhe herrscht.

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