Wie die Liebe zur Kunst den Terror erschafft

rnTheater Hagen

Das Theater Hagen begeht das Bauhaus-Jubiläum mit Paul Hindemiths Oper „Cardillac“. Die Handlung ist der reinste Thriller und geht auf einen Stoff von E.T.A. Hoffmann zurück.

22.09.2019, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von Karsten Mark

Hagen. Es war maßgeblich der Hagener Folkwang-Gründer Karl Ernst Osthaus, der seinem Freund und Bauhaus-Gründer Walter Gropius vor 100 Jahren zur Berufung nach Weimar verholfen hat. Darauf sind die Hagener zurecht stolz und begehen das Jubiläum mit einer selten gespielten Oper aus jener Zeit: Paul Hindemiths „Cardillac“. Samstag war die Premiere.

Viel Ruhm brachte sein erstes abendfüllendes Werk seinem Schöpfer zunächst nicht ein: Die Kritiker konnten 1926 keine organische Verbindung erkennen zwischen dem auf den klanglichen Effekt bedachten und als spröde gescholtenen „Bauhaus-Barock“-Stil der Musik und dem schwarz-romantischen Stoff der Handlung, der auf E.T.A. Hoffmann zurückgeht. Es ist der reinste Thriller: Ein Goldschmied namens Cardillac meuchelt im Paris des 17. Jahrhunderts seine eigene Kundschaft dahin. Der Künstler kann sich einfach nicht von seinen Werken trennen.

Reizüberflutung

Regisseur Jochen Biganzoli interessiert sich nicht sonderlich für diesen Krimi. Ihm geht es um den Künstler und die Kunst im Allgemeinen. Den grundlegenden Fragen: „Wozu Kunst?“, und: „Wozu Kunst in einer durchkommerzialisierten Gesellschaft?“ Es sind spannende Fragen, und Biganzolis strenge formale Umsetzung mit klaren Farbcodes und vielen Gedanken zur Kunst, die als Texte auf die Bühne projiziert werden, trifft durchaus den Nerv der Bauhaus-Zeit. Bloß gerät dabei etwas das breite Publikum aus dem Blick.

Hindemiths Musiktheater für alle Sinne und das sprachexperimentelle Libretto von Ferdinand Lion sorgen allein schon über weite Strecken für die reinste Reizüberflutung. Biganzoli stülpt dem nochmals eine Meta-Ebene über. Gerade die jungen Zuschauer, die das Theater in die eher mäßig besuchte Premiere locken konnte, ließ das mit zunehmend ratlosen Gesichtern zurück. Musikalisch allerdings ist diese Aufführung unter Leitung von Joseph Trafton eine Glanzleistung.

Termine: 3. / 18. 10.; 10. / 13. 11., 10. / 16. / 26. 1.; Karten: Tel. (02331) 207 32 18.

www.theaterhagen.deTermine: 3. / 18. 10.; 10. / 13. 11., 10. / 16. / 26. 1.; Karten: Tel. (02331) 207 32 18.

www.theaterhagen.de

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