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Wie eine Dortmunderin sich fast halbierte

95 Kilo weniger

Essen als Trostpflaster: "Ich habe mir 30 Jahre lang mein Leben schön gegessen", sagt Marion Abelmann. Bis sie 202 Kilo wog. Das Atmen fiel ihr schwer, die Füße schmerzten, sie schwitzte bei jedem Schritt. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag fällt die Martenerin eine folgenschwere Entscheidung.

MARTEN

, 07.01.2017 / Lesedauer: 3 min
Wie eine Dortmunderin sich fast halbierte

Marion Abelmann hat sich nach einer Magen-Op fast halbiert.

„Boah, hasse die Dicke gesehen?“ Tuscheleien und schräge Blicke gehörten zum Alltag von Marion Abelmann. Bei vielen Dortmundern ist die 51-Jährige als freche Putzfrau Matta von Schibulsky bekannt. „Ich war immer überall dabei“, sagt Marion Abelmann. „Ich habe mich nicht versteckt. Ich war dick, und das war halt so.“

Doch mit einem Gewicht von 202 Kilo konnte sie nur wenige Schritte am Stück laufen, dann musste sie sich setzen oder gestützt werden. Schweiß im Nacken und auf der Stirn sei ihr Markenzeichen gewesen, sagt die 51-Jährige. „Jede Treppe war zuviel.“

Von allem zu viel

Um sich zu wiegen, musste sie auf die Industriewaage im Supermarkt steigen. Klamotten gab es nur noch maßgeschneidert. Dabei habe sie sich nicht nur von Fast Food und Cola ernährt. „Fleisch, Brötchen, Süßigkeiten – ich aß von allem zu viel und zu den falschen Zeiten.“ Als Kind sei sie noch schlank gewesen, mit dem Umzug in die erste eigene Wohnung mit 21 Jahren änderte sich das. „Ich bin trotzig“, sagt Marion Abelmann. „Wenn drei Mann sagen, iss das nicht, dann esse ich noch mehr.“ Bei ihrer Hochzeit wog sie 150 Kilo – da war die Martenerin 26 Jahre alt. Doch sie aß weiter.

Gute Ratschläge nahm sie nicht an. Ihre ganze Familie hat Gewichtsprobleme. 2015 hörte Marion Abelmann von dem Abnehmerfolg einer Bekannten. „Als alle aufgehört haben, auf mich einzureden, da habe ich ganz alleine einen Termin im Adipositaszentrum ' type='' href='http://www.adipositaszentrum-dortmund.de/gemacht.“ Da hatte sie einen BMI von 69.

Die zweifache Mutter entschied sich für eine Schlauchmagen-Operation im St.-Johannes-Hospital - ein drastischer Eingriff. Bei der OP im September 2015 wurden große Teile des Magens entfernt, statt 1400 passten nur noch 50 Milliliter hinein. „Ein Teelöffel Suppe, ein halber Fruchtzwerg, mehr ging am Anfang nicht“, sagt die Martenerin. Heute schaffe sie ein halbes Brötchen oder ein viertel Schnitzel mit Salat.

Schlaffe Haut

Wo die überschüssigen Pfunde verschwanden, hing die Haut schlaff herunter. „Der Bauch reichte bis zur Hälfte des Oberschenkels.“ Im Mai 2016 entfernten die Ärzte eine 13 Kilo schwere Fettschürze unter ihrem Bauchnabel. „Bei der Kilozahl spricht man schon von Amputation“, sagt Marion Abelmann. Als sie aus der Narkose erwacht sei, habe sie es kaum glauben können. Fünf Monate später ließ sie ihren Bauch wieder aufschneiden, vom Brustbein bis zum Schambein und quer von Hüfte zu Hüfte. Weitere acht Kilo Fett und Haut verschwanden.

Jetzt sei die Leichtigkeit zurück, sagt die 51-Jährige. „Es ist ein ganz anderes Leben“, sagt Marion Abelmann. Wegen der Wunden konnte sie bislang keinen Sport machen, dafür ging sie viel spazieren, jetzt will sie mit Schwimmen anfangen. Sie genieße es, in Läden zu shoppen, und Pommes esse sie immer noch. Heute kann sie sogar ihre Beine übereinanderschlagen. „Die OP hat mir Lebensqualität zurückgegeben.“ Nur der Kopf müsse erst einmal mitwachsen.

Wie ein Traum

Tochter Luisa (18) sagt: „Bei manchen Sachen ist sie noch nicht so weit. Dann sagt sie: Kannst du mir das mal holen?“ Sie erinnere ihre Mutter dann daran, dass sie das jetzt auch selbst könne. „Manchmal wache ich auf und denke, das war nur ein Traum, dass ich jetzt dünn bin“, sagt Marion Abelmann.

Momentan möge sie ihren Bauch am liebsten. „Wenn ich meine Oberschenkel sehe, könnte ich heulen“, sagt Marion Abelmann. Vier Operationen will sie noch über sich ergehen lassen: an den Oberschenkel, den Armen, am Rücken und der Brust. Bis Februar will sie ein „Uhu“ werden – ein Mensch unter hundert Kilo.

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