Wie George Major jungen Menschen zum Ruhm verhilft

Dortmunder Musikschule

George Major ist Musiker durch und durch. Seit 20 Jahren ist der 56-Jährige Gesangslehrer an der Dortmunder Musikschule. Hunderte junge Menschen hat er auf ihrem Weg in ein Musikerleben begleitet. Einer von ihnen ist Sandro Brehorst, der aktuell bei Deutschland sucht den Superstar von der ganz großen Karriere träumt.

DORTMUND

, 01.04.2017, 10:24 Uhr / Lesedauer: 4 min
Wie George Major jungen Menschen zum Ruhm verhilft

Die Gitarre hat sich George Major zum 50. Geburtstag gekauft. Vor die hübsche Wand in seinem Rockkeller setzt er sich meistens dann, wenn er ein neues Video für seinen Youtube-Kanal aufnimmt.

George Major sitzt auf der alten Ledercouch unten im Keller der Musikschule. Rockkeller heißt er. Es ist sein Raum, seit vielen Jahren. Er sitzt da, ganz lässig, trägt ein lockersitzendes Hemd, eine ebenso lockersitzende Hose, Turnschuhe, Hut und Brille und erzählt. Er hat viel zu erzählen, denn er hat viel erlebt. Und er mag es zu erzählen.

George Major kommt aus einem kleinen Ort in der Nähe von Newcastle, England. Das hört man. Er spricht perfekt Deutsch, aber diesen hübschen britischen Akzent in der Stimme hat er nie abgelegt. Mit fünf Jahren hat er das erste Mal gesungen. In der Schule, im Chor. Als er elf war, kam ein neuer Lehrer in die Schule.

„Er hatte ein paar Blechblasinstrumente mit dabei, und weil ich der Größte in der Klasse war, hat er mit die Posaune in die Hand gedrückt.“ Also lernte George Major, Posaune zu spielen.

Das Leben als Posaunist

In seiner Familie, da waren sie alle Bergmänner, erzählt er, und Stahlarbeiter, ein paar Schiffbauer. George Major wollte das alles nicht werden. Er bewarb sich bei der Armee. Er war 15, als er seine Posaune nahm und sich dort vorstellte. Ein Jahr später fing seine vierjährige Ausbildung an.

In London war er zwischenzeitlich Solo-Posaunist der Armee, erzählt er. „Dann kam ich nach Deutschland.“ Sein Regiment war in der Nähe von Paderborn stationiert. „‚Amazing Grace‘ war damals unser Hit“, sagt er. „Das hab’ ich 5000-mal gespielt.“ Vier Jahre blieb er dort. „Dann hatte ich die Schnauze voll.“

Zurück nach England habe er nicht mehr gewollt. Also zog er nach Lünen, schlug sich hier und da als Posaunist durch, baute sich ein Netzwerk auf. Bis seine Zähne ihn ausbremsten.

Zwangspause

Der Druck auf sein Gebiss beim Posaunespielen schmerzte sehr, der Arzt verordnete eine sechswöchige Zwangspause. „Das war“, sagt er, „meine erste Lebenskrise.“ Er war 26, er hatte sein Leben lang nur Posaune gespielt und wusste nicht, wie er nun Geld verdienen sollte. „Ich kann doch nix anderes.“

Wobei das nicht ganz stimmte. Denn er konnte ganz passabel singen. Das habe er ohnehin immer nebenbei gemacht, „das war immer drin“, sagt er. Ein befreundeter Posaunist schlug ihm vor, sich an der Gesangsschule Amsterdams Hogeschool voor de Kunsten in Hilversum in den Niederlanden zu bewerben. George Major fiel durch. „Tschüss, Traum“, sagt Major auf dem Sofa im Rockkeller. „Tschüss, Leben.“

Aber er beeindruckte einen Mann, dem er heute sehr viel zu verdanken hat. Jerry van Rooyen, damals Chef der WDR-Big-Band, hörte etwas in George Majors Stimme, das die anderen nicht gehört hatten. Er bot an, ihn umsonst zu unterrichten. Vier Wochen lang habe er sich sammeln müssen, erzählt Major, dann habe er van Rooyen angerufen. Ein Jahr lang nahm er Unterricht bei ihm, dann versuchte er es, es war 1988, erneut in Hilversum – und diesmal bestand er.

Studieren mit Roger Cicero

Mit dem Posaunisten, der ihm damals den Vorschlag gemacht hat, sich dort zu bewerben, teilte er sich die nächsten fünf Jahre ein zwölf Quadratmeter großes Zimmer. Mit Roger Cicero, diesem begnadeten Sänger, studierte er zusammen. „Das war wirklich eine coole Zeit“, sagt er, es schwingt ein wenig Wehmut in seiner Stimme mit. Er denkt an Cicero, der vor einem Jahr gestorben ist.

Der Freund, der Posaunist, war damals bei Starlight Express in Bochum beschäftigt. 1989 fing auch George Major dort an. 1991 bekam er seinen ersten Job als Gesangslehrer in der Musikschule Lünen. 1996 wurde er Teil der Ruhrgebiets-Band Strandjungs. Ein Jahr später fing er an der Musikschule Dortmund an – wo er bis heute als Gesangslehrer tätig ist.

Backgroundsänger 

Als Sänger, meistens als Backgroundsänger, unter anderem für Patrick Lindner, sammelte er im Fernsehen Erfahrungen. 2002 war er Vocal Coach bei der Casting-Show Teenstar. Viele von ihnen waren später bei anderen TV-Shows zu sehen. Kristina Dörfer zum Beispiel gewann 2004 bei Popstars und wurde Mitglied der Band Nu Pagadi. Casting-Shows, sagt George Major, seien eine große Chance für junge Sänger.

„Bessere PR kann man ja gar nicht bekommen“, sagt er. „Es ist gut, um ins Geschäft reinzuschnuppern.“ In ein hartes Geschäft. Aber wer an einer Casting-Show teilnehme, der habe eben auch einen Stempel. „Wenn du irgendwann rausfliegst, bist du uninteressant“, sagt er.

Sandro Brehorst bei DSDS

Einer, der den Weg Casting-Show gewählt hat und den George Major seit Jahren kennt, ist der 17-jährige Sandro Brehorst aus Werne. „Sandro ist mein bestes Pferd im Stall“, sagt George Major, er lacht. „Er ist eine Rampensau.“ Er habe den Jungen mit elf kennengelernt. „Er wollte Freddie Mercury singen“, erzählt Major. „Ich habe zu ihm gesagt: Das kannst du nicht.“ Sandro sang trotzdem. „Er war echt gut“, sagt Major.

Mit 15 habe Sandro ihm gesagt, dass er zu Deutschland sucht den Superstar (DSDS) wolle. Also haben sie dafür geübt. Der Werner ist in der 14. Staffel noch im Rennen. „Er könnte das durchaus gewinnen“, sagt sein Gesangslehrer.

Sandro frage ihn auch während der Show immer wieder um Rat. „Ich unterrichte ihn per SMS“, sagt Major. Gut 20 Schüler hat George Major im Moment und er leitet einen Chor. Manche wollen zu DSDS. Manche wollen Musik studieren. Andere haben nur Spaß am Singen. Wie seine älteste Schülerin, eine 78-Jährige.

Die Sache mit dem Denken

„Ich sage jedem, ob er gut ist oder nicht“, sagt Major. „Man muss ehrlich sein, Musik ist kein einfaches Geschäft. Aber wenn Leute Spaß am Singen haben, bin ich immer dabei.“ Einen guten Sänger, sagt er, mache sicher eine gute Stimme aus, aber vor allem, ob er jemanden berühren könne.

Die Wände im Rockkeller sind mit Graffiti bemalt. Sie zeigen Notenfolgen. An einer Ecke sind darüber Plakate mit Fotos von früher gehängt. Sie zeigen viele glückliche junge Menschen beim Singen.

Posaune hat George Major seit Jahren nicht mehr gespielt. Vor sechs Jahren hat er sich eine Gitarre gekauft. „Mit 50“, sagt er, „kam ich ans Denken. Ich habe angefangen, Golf zu spielen und Gitarrespielen gelernt.“ Er schreibt seine eigenen Songs. „Von Covermusik habe ich genug.“ Einige davon veröffentlicht er bei Youtube.

Er würde lügen, sagt er, wenn er sagen würde, dass er nicht gerne ein berühmter Sänger geworden wäre. Aber er ist zufrieden. „Ich bin“, sagt er, „der glücklichste Mensch der Welt. Ich habe einen tollen Job und ich kann damit Menschen glücklich machen.“

George Major bietet kostenlosen Probe-Gesangsunterricht an: am 7. April (Freitag) ab 17.30 Uhr im Rockkeller in der Musikschule, Steinstraße 35. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen zu den Angeboten der Musikschule gibt es unter Tel. 5 02 32 50 und .