Wie sieht der Park der Zukunft aus?

Fragen und Antworten

Parks spielen im Stadtleben eine ganz besondere Rolle, sind Ruheoase und Treffpunkt, Sportgelände und Picknickplatz. Doch wo kommt die Idee eines Parks überhaupt her? Und wie sieht der Park der Zukunft aus? Wir haben uns mit einer Park-Expertin unterhalten, die die wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet hat.

NRW

, 24.09.2016, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Welche gesellschaftliche Bedeutung haben Parks?

Grundsätzlich gehören Parks zu den öffentlichen Orten, die jedem zugänglich sind. Es gibt zwar auch Parks, bei denen man Eintritt zahlen muss, aber diese sind zumindest in Deutschland eher in der Unterzahl. "Gesellschaftlich sind Parks sehr wichtig, weil sie Orte der Begegnung sein können. Ein neutraler Boden, auf dem man auch andere Kulturen beobachten und in ein Gespräch eintreten kann", sagt Runrid Fox-Kämper. Die Architektin hat sich bereits im Auftrag des NRW-Bauministeriums in einer Studie mit Parks auseinandergesetzt. 

Was habe ich als Anwohner von einem Park in meiner Nachbarschaft?

Parks bieten den Menschen, die in ihrer Nähe wohnen, praktische Vorteile. Für ein Stadtviertel kann es einen großen Unterschied machen, ob es einen Park besitzt oder nicht. Denn Grünflächen und Parks können Feinstaub und Treibhausgase reduzieren, die Überhitzung einer Stadt ausgleichen, Wohnbereiche von Verkehrs- und Industrielärm abschirmen, aber auch vor Überschwemmungen und verschmutztem Grundwasser schützen. "Gebäude, die in der Nähe eines Parks stehen, werden in der Regel zu einem höheren Wert verkauft", sagt Fox-Kämper. 

Woher kommt die Idee eines Parks?

Die historische Entwicklung der Parks begann vor etwa 3000 Jahren in Persien. Von hohen Mauern umgeben entstanden die ersten künstlich angelegten Gärten. "Damals waren diese Parks aber privat und ein Privileg der Reichen", erklärt Fox-Kämper. Bis sich die Parks in den europäischen Städten durchsetzten, dauerte es noch sehr lange. "Im Mittelalter waren unsere Städte sehr beengt und von einer Stadtmauer geschützt. Da gab es überhaupt keinen Raum für grüne Freiflächen in der Stadt", so die Architektin. 

Wann entstanden die ersten Parks nach heutigen Vorstellungen?

Erst im 17. Jahrhundert begann die Entwicklung der Englischen Landschaftsgärten. "Dort versuchte man erstmals, die Natur in ihrer eigentlichen Form innerhalb einer Stadt nachzubilden", so Fox-Kämper. Die ersten Gärten, die für die Öffentlichkeit entstanden, wurden ab 1800 errichtet, als die Stadtmauern in vielen Regionen abgezogen wurden. Auf den freigewordenen Flächen entstanden Grüngürtel und Parkanlagen. 

Während der Industrialisierung hingegen verschlechterte sich die Situation für die Bevölkerung in den Städten wieder. Der Leipziger Orthopäde Gottfried Schreber erfand deshalb den Schrebergarten, der es Arbeiterkindern ermöglichen sollte, auch innerhalb einer Stadt Platz zum Spielen und mehr Bewegungsfreiheit zu haben.

Wie entwickelten sich die Parks in der Region?

Im Ruhrgebiet entstand 1910 die Grünflächenkommission, die die ungeplante Industrieansiedlung lenken sollte. "Jeder, der Geld hatte, konnte damals noch eine Zeche bauen", so Fox-Kämper. Die Kommission sollte schließlich eine regionale Freiflächenplanung möglich machen. Doch erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam die Park-Idee so richtig in Gang.

Wie änderte sich das Park-Konzept nach dem zweiten Weltkrieg?

Die 68er-Bewegung beschäftigte sich unter anderem auch mit der sogenannten "Rasenfreiheit". "Früher galt auf den meisten Rasenflächen: Betreten verboten!", sagt Fox-Kämper. Seit den frühen 70er-Jahren seien freie Flächen aber zunehmend für Parkbesucher nutzbar gemacht worden.  Ereignisse wie die Internationale Bauausstellung Emscherpark in den 80er-Jahren förderten den ökologischen Stadtanbau noch zusätzlich. Damit wurden Parks vor allem im Ruhrgebiet immer bedeutsamer. 

Wie sehen Parks heute aus?

Sie sind urban gestaltet, das heißt sehr stark angebunden an die Stadt und ihre Wegenetze. "Parks sind heute gar nicht mehr so naturnah, sondern oft nur wenig bewachsen", so Fox-Kämper. Wichtig sei es vor allem, sogenannte Angsträume zu vermeiden. Wichtig ist laut der Park-Expertin auch, dass bei der Nutzung sehr aktiv unterschieden wird: Es gibt also Räume zum Picknicken, Grillen, Spazieren gehen, Sport machen.

Welche Trends bestimmen die Zukunft der Parks?

"Es wird immer wichtiger, dass sich die öffentlichen Grünflächen ihren verschiedenen Nutzergruppen anpassen", meint Fox-Kämper. Zum Beispiel gebe es bereits unterschiedliche Bänke für Jugendliche und für Senioren. Bei der einen Bank kann man sich nur auf die Lehne setzen, die andere bietet eine Hilfe zum Aufstehen. "Ich glaube, die Bedeutung der Parks wird weiter zunehmen", prognostiziert die Wissenschaftlerin.

"In vielen Städten wird jede Baulücke zugebaut, die Bevölkerung nimmt zu. Insofern werden Grünflächen zur Erholung immer wichtiger". So lassen sich wohl auch futuristische Bauprojekte wie "Pier 55" in New York oder die "Garden Bridge" in London erklären, bei denen auf dem Wasser öffentliche Gärten und Grünflächen errichtet werden sollen. 

 

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