Wie weit würden wir für die Familie gehen?

Ruhrfestspiele: "Waisen"

Liam taumelt blutüberströmt ins Wohnzimmer. Er erzählt seiner Schwester Helen und ihrem Mann Danny, er habe nur dem schwer verletzten Opfer einer Messerstecherei helfen wollen. Nach und nach stellt sich heraus, dass Liam selbst zugestochen hat. Und in Dennis Kellys Drama "Waisen" kommt es noch viel, viel schlimmer ...

RECKLINGHAUSEN

, 18.05.2014, 14:39 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wie weit würden wir für die Familie gehen?

Uwe Bohm und Judith Rosmair.

Mann unter Strom Das gilt vor allem für Uwe Bohm als Liam. Die Haare verstrubbelt, die Augen finster umflort, die Haltung à la James Dean. Ein Mann unter Strom, viel zu früh als Psychopath erkennbar. Wie ein Fremdkörper tigert er über die Bühne. Judith Rosmair als Helen - von Kostümbildnerin Nini von Selzam übertrieben schick gemacht -, wirkt wie ein weiblicher Machiavelli. Nur Johann von Bülow als Danny erhält sich die Bodenhaftung. Wie er zögert und zurückzuckt, das stellt auch uns die Frage: Wie weit würden wir für die Familie gehen? Kurzer, aber heftiger Applaus.

Um Liam zu helfen, werfen Helen und Danny jede Moral über Bord - Helen aus Bruderliebe ganz fix, Danny aus Liebe zu seiner Frau deutlich langsamer. Das Paar macht sich schuldig. Die miese Gegend vor ihrer Haustür spielt ebenfalls eine Rolle, der Hass auf Fremde, die Jugendbanden.  Diesen Naturalismus hat Regie-Altmeister Wilfried Minks dem Stück leider ausgetrieben. Er zeigt in Kooperation mit dem St. Pauli Theater Hamburg eine Edelversion mit drei Stars, die virtuos aufspielen, aber wenig glaubhaft wirken.

Mann unter Strom Das gilt vor allem für Uwe Bohm als Liam. Die Haare verstrubbelt, die Augen finster umflort, die Haltung à la James Dean. Ein Mann unter Strom, viel zu früh als Psychopath erkennbar. Wie ein Fremdkörper tigert er über die Bühne. Judith Rosmair als Helen - von Kostümbildnerin Nini von Selzam übertrieben schick gemacht -, wirkt wie ein weiblicher Machiavelli. Nur Johann von Bülow als Danny erhält sich die Bodenhaftung. Wie er zögert und zurückzuckt, das stellt auch uns die Frage: Wie weit würden wir für die Familie gehen? Kurzer, aber heftiger Applaus.

Montag, 19.5., 20 Uhr, Restkarten durch zusätzliche Stuhlreihe, Karten: Tel. (02361) 9 21 80.

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