Wieland-Show entzauberte Bayreuther Festspielhaus

Zum 100. Geburtstag

Der Graben im Bayreuther Festspielhaus ist schon eine raffinierte Konstruktion. Denn wenn das Orchester auf der Bühne sitzt, klingt der magische Ort auf dem Grünen Hügel sofort entzaubert. Das Festkonzert zum 100. Geburtstag des Wagner-Enkels Wieland war am Vorabend der Eröffnung der Festspiele ein einmaliges Erlebnis. Und es hatte mit zweieinhalb pausenlosen Stunden "Rheingold"-Format.

BAYREUTH

, 25.07.2017, 12:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wieland-Show entzauberte Bayreuther Festspielhaus

Wolfgang (l.) und Wieland Wagner, die Enkel von Richard. Zum 100. Geburtstag Wielands gab es einen Festakt.

Hartmut Haenchen, Dirigent des "Parsifal", stand am Pult des knapp 100 Musiker starken Festspielorchesters. Schmissig dirigierte er die Ouvertüre zu Wagners früher Oper "Rienzi", bei der die Nähe zum gleichaltrigen Verdi noch hörbar ist. Aber der legendäre, kompakte Klang, den das Orchester im Graben des Festspielhauses hat, stellte sich nicht ein.

Für Bergs Bruchstücke aus "Wozzeck", wunderbar zart gesungen von Claudia Mahnke als Marie, war die durchsichtige, sängerfreundliche Akustik besser geeignet.

Orchester klingt leiser als in Dortmund

Weil das Orchester sehr leise klang - viel leiser als auf den Bühnen im Konzerthaus Dortmund oder der Philharmonie Essen - war auch der (fast komplette) vierte Akte aus Verdis "Otello" für Camilla Nylund als Desdemona ein Geschenk. Ihr anrührend gesungenes Gebet war der Höhepunkt des langen Abends.

Dass an diesem Abend in der Wagner-Pilgerstätte aus Musik von anderen Komponisten gespielt werden durfte, musste sich Festspielleitung vom Stiftungsrat genehmigen lassen. Wielands Kinder Nike, Daphne und Wolf-Siegfried hatten Werke ausgewählt, mit denen ihr Vater, der 1966 mit 49 Jahren gestorben ist, Inszenierungsgeschichte geschrieben hat.

Wagner-Sohn erinnert sich an Vater Wieland

Am Schluss "Parsifal", mit dem Wieland Wagner 1951 als Festspielleiter die Weichen für das "Neue Bayreuth" gelegt hat. Daran erinnerte Sir Peter Jonas, ehemaliger Intendant der Staatsoper München in der Festrede. Er zeigte auf, wie sich Wieland Wagner von seiner Mutter Winifred, einer Hitler-Verehrerin, und dem Reichskanzler, der für den jungen Wieland "Onkel Wolf" war, distanziert hat und ein Theatervisionär wurde.

"Das ist sein Vermächtnis", sagte Wielands Sohn Wolf-Siegfried: "Deshalb dürfen wir nichts vergessen oder unter den Tisch kehren." Das Richard-Wagner-Museum in Bayreuth ehrt Wieland Wagner bis zum 19. November mit einer Ausstellung. In zwei Jahren jährt sich dann der 100. Geburtstag von Wielands vor sieben Jahren verstorbenem Bruder Wolfgang, dem Vater von Festspiel-Chefin Katharina Wagner.