Wiener Burg bot Theaterspaß mit grandiosen Komödianten

Ruhrfestspiele

Hinter einer Fensterscheibe zieht ein Mann ein letztes Mal an seiner Zigarette, ein Schuss knallt, und er sinkt elegant am Glas zu Boden: Effektvoll beginnt Christian Stückls Inszenierung "Der Diener zweier Herren" von Carlo Goldoni. Die grandiosen Komödianten des Wiener Burgtheaters eröffneten mit diesem heiteren Theaterspaß die 70. Ruhrfestspiele am Dienstag in Recklinghausen.

RECKLINGHAUSEN

04.05.2016, 11:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wiener Burg bot Theaterspaß mit grandiosen Komödianten

Ein Liebespaar: Amme (Mavie Hörbiger) und Diener (Markus Meyer)

In den nächsten zweieinhalb Stunden knallt es noch mächtig - Türen und Schüsse, die meist ins Leere fallen. Und Türen gibt es reichlich in Stefan Hageneiers Bühnenbild: Auf die Drehbühne hat er zwei identische Restaurantfassaden gebaut, nur die Möblierung davor variiert.

Gedreht wird fleißig - nicht nur in der wunderbaren Hauptszene, in der Markus Meyers beflissener und hungriger Diener seine beiden Herren in den zwei Gasträumen zum Vergnügen des Publikums bedient.

Liebes-Verwirrungen

Das überdrehte Spiel um die Verwechslungen und Verwirrungen dreier Liebespaare sowie ein bisschen Betrug ist ein wunderbares Schauspielerfest. Andrea Wenzls Beatrice meistert die Hosenrolle als ihr Dauer qualmender Bruder.

Sebastian Wendelin als ihr Geliebter legt eine tolle Slapstick-Nummer mit Koffer und reichlich Schnaps intus hin. Peter Simonischeks Pantalone hat in Irina Sulaver die eigenwillige Tochter Clarice, ihren Verlobten gibt Christoph Radakovits  als Papa-Söhnchen mit Hang zur Hysterie. Und Mavie Hörbiger glänzt als Clarices Kindermädchen im Grufti-Look.

Anspielungen auf Tarifverträge

Die großartigen Mimen stecken in Kostümen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und auch der Text des Lustspiels von 1745 ist modernisiert, da gibt es schon mal Anspielungen auf Tarifverträge - wir sind schließlich bei den Ruhrfestspielen.

Ein herrliches Spiel um Nichts, das der Gastwirt im Stück (Hans Dieter Knebel) mit einem trockenen "Naja" kommentiert. Sehenswert!

Termine bei den, Ruhrfestspielhaus Recklinghausen: 5.-7.5.; Karten: Tel. (02361) 92180.

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