Wiener Philharmoniker begeisterten als Legenden des Klangs

Konzerthaus Dortmund

DORTMUND. Um so einen Sonntag beneiden auch Metropolen Dortmund: Das beste Orchester Europas, die Wiener Philharmoniker, war zu Gast im Konzerthaus Dortmund. Zeitgleich das beste Orchester der USA, das New York Philharmonic, in der Philharmonie Essen. Und in der Dortmunder Oper feierte noch Verdis „Otello“ Premiere. Und die Wiener Philharmoniker wurden euphorisch bejubelt - und das lag auch am Programm.

26.03.2017 / Lesedauer: 2 min
Wiener Philharmoniker begeisterten als Legenden des Klangs

Andris Nelsons dirigierte die Wiener Philharmoniker gestern bei ihrem vierten Auftritt im Konzerthaus Dortmund. Solist war der Cellist Tamás Varga.

Das Konzerthaus war ausverkauft beim vierten Auftritt der Wiener in Dortmund. Exklusivkünstler Andris Nelsons dirigierte den Traditionsklangkörper, der an diesem Dienstag (28.3.) sein 175-jähriges Bestehen feiert.

Schon in Dvoráks Cellokonzert hörte man sofort den legendären Streicherklang dieses Orchesters, der so warm, rund und weich ist wie bei kaum einem anderen Klangkörper. Diese Wohlfühlklänge passten perfekt zum Werk, das von sanftem Trauerflor umgeben ist. Dvorák schrieb es in Gedenken an seine verstorbene Schwägerin.

Sanfter Trauerflor

Der Solist stammte aus den Reihen des Orchesters, ist aber auch als Solist ein Weltstar: Der 47-jährige Ungar Tamás Varga sang die drei Sätze auf seinem Cello wie eine unendliche Melodie und fand den perfekten ruhigen Ton für diese Musik. Die Zugabe, ein Satz aus einer Cello-Solo-Suite von Bach, schloss sich perfekt an.

Nelsons ist längst nicht mehr das Temperamentsbündel von früher. In dem Dvorák-Konzert ließ er Klänge ruhig fließen, stützte sich dabei oft mit der linken Hand auf dem Pult ab, war aber zur Stelle, wenn es darauf ankam, Bläsersoli in den Streicherklang hinein zu modellieren.

Beethoven-Fest 2020

Eine Vorliebe für gemäßigte Tempi hatte der 39-jährige Lette an diesem Tag – auch in Beethovens „Pastorale“. Da war Nelsons dichter bei dem Orchester und fügte Rhythmen noch besser zusammen. Ein romantischer Beethoven war das, in dem das Orchester aber auch zeigte, wie viel Kraft es hat, wenn es – wie in der Gewitterszene – stürmen soll. 2020 plant das Orchester mit Nelsons in Wien einen Zyklus mit allen Sinfonien zu Beethovens 250. Geburtstag.

Riesenjubel – auch bei Nelsons. Der lobte das Publikum und den Saal und dankte mit Beethovens „Prometheus“.