Wild gewordene Märchenhelden wuseln durch den Wald

"Into The Woods"

Auf der Bühne soll das ein Erfolg gewesen sein, hört man. Sonst wäre kaum die Filmbranche auf das Musical "Into The Woods" aufmerksam geworden, das auch in Rob Marshalls Kinoversion ein kruder, wild zusammen gewürfelter Märchen-Mischmasch ist.

19.02.2015, 19:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Meryl Streep verkörpert die böse Hexe.

Meryl Streep verkörpert die böse Hexe.

Aschenputtel, Rotkäppchen, Rapunzel, dazu "Hans und die Bohnenranke". Alle wuseln durch den Wald. In Gang gesetzt wird die Reaktion der Märchen-"Moleküle" durch den Fluch einer Hexe (Meryl Streep), die ein Paar (James Corden, Emily Blunt) zur Kinderlosigkeit verdammt. Es sei denn: Man bringe ihr eine weiße Kuh, blonde Haare, einen goldenen Schuh, einen roten Umhang.

Na so was - Rotkäppchen tragt Rot

Donner, so ein Zufall aber auch: Hans soll eine weiße Kuh verkaufen. Rapunzel ist blond. Aschenputtel tanzt in güldenen Tretern, Rotkäppchen trägt Rot! Diese Dinge müssen die Eheleute ergattern, damit ihr Kinderwunsch in Erfüllung geht. Wer schon vorher der Meinung war, dass Musicals mit dünnen Vorwänden für magere Geschichten aufwarten, sieht sich bestätigt. Was nicht heißt, dass aus einer Jonglage mit Märchenfiguren nicht ein flotter Film werden kann.

In diesem Falle leider nicht. Man hat sich kaum daran gewöhnt, dass die Mischpoke aus der Feder der Grimms an ein- und demselben Wald haust, und wartet nun auf den cleveren Twist, der Plot und Personal zum Tanzen brächte. Es kommt aber nichts, was der Geschichte Beine machte. Kein Zwinkern, kein Slapstick-Überschwang, allenfalls Ironie, die bleischwer mit dem Zaunpfahl winkt.

Ein Plapperstrom

Die Handlung ist ein Plapperstrom, der zwischen wenig dramatischem und mäßig amüsantem Fahrwasser laviert. Vor allem will er nicht enden. Nicht nach angetäuschtem Happy end, nicht nach dem Prinzenkuss. Blablabla - bis alles Interesse gründlich abgetötet ist.

Der Gesang (in Englisch, mit Untertiteln) klingt nicht berauschend, doch okay. Ohrwürmer und starke Melodien sind aber Fehlanzeige, langatmig wird Text "weggesungen". Ausstattung und Szenenbild bleiben die einzigen Rosinen in diesem Märchenbrei.

 

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