"Wilder Westen" auf dem Parkplatz an der B235

Provinzialstraße

Auf einem Schild auf dem Parkplatz von Edeka und Aldi an der Provinzialstraße steht: "Hier gilt die StVO." Aber Anwohner Thomas Poschmann sagt: "Hier gilt nicht die Straßenverkehrsordnung, sondern das Faustrecht." Er sei an dieser Ausfahrt als Fußgänger schon mehrfach in brenzlige Situationen geraten - zwei ältere Frauen hatten weniger Glück als er.

BÖVINGHAUSEN

, 19.02.2017, 16:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Wilder Westen" auf dem Parkplatz an der B235

Der Parkplatz von Edeka und Aldi an der Provinzialstraße in Dortmund-Bövinghausen ist ein Ärgernis für Anwohner Thomas Poschmann. Wegen der durchgängigen Asphaltdecke wirkt es, als könnten die Autofahrer ungehindert bis zur Straße vorfahren – dabei müssten sie vor dem Gehweg halten.

Um welche Stelle geht es? Streitpunkt ist der Parkplatz von Edeka und Aldi an der Provinzialstraße in Dortmund-Bövinghausen. Wer vom Einkaufen kommt, muss mit dem Auto zügig in die entstehenden Lücken reinziehen, sonst wartet er lange an der Bundesstraße 235. Dafür fahren die Autofahrer recht schwungvoll vom Parkplatz über den Bürgersteig bis zum Fahrbahnrand. Der ehemalige Feuerwehrmann Thomas Poschmann kommt täglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad an dieser. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet er von mehreren Situationen, in denen Autos kurz vor ihm auf dem Gehweg zum Stehen kamen. Dabei hat der Fußgänger Vorrang. Seit zwei Jahren boykottiere er deshalb die ansässigen Supermärkte.

 

Was sind die Hauptprobleme? Anfang Februar schrieb Thomas Poschmann ans Ordnungsamt: „Seit ich heute Morgen zum zigsten Male auf dem Bürgersteig fast angefahren wurde und auf die Straße ausweichen musste, platzt mir nun der Kragen!“ Er kritisiert die „Wild-West-Manier“ der Autofahrer. Gleichzeitig parkten immer mehr Wagen und LKW auf dem Gehweg, ein Verkaufscontainer versperre zusätzlich die Sicht der Autofahrer, die aus der Ausfahrt hinaus wollen. Thomas Poschmann schlägt eine Haltelinie in der Ausfahrt vom Gelände vor. Zusätzlich solle ein Halteverbotsschild an der Provinzialstraße angebracht werden.

 

Gab es schon Unfälle in diesem Bereich? Im Dezember wurden zwei Fußgängerinnen (85/87 Jahre) beim Überqueren der Straße von einem Auto erfasst, das von diesem Parkplatz nach links auf die B235 abbiegen wollte. Eine Frau erlitt einen Oberschenkelhalsbruch, der anderen musste ein Hämatom operativ entfernt werden. Sie kamen gerade aus der Kirche. Anwalt Klaus Kaufmann aus Bövinghausen will für die 85-Jährige Schmerzensgeld geltend machen, das Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung läuft.

Was sagt das Ordnungsamt? Das Dortmunder Ordnungsamt antwortet Thomas Poschmann auf dessen Brief: Der Außendienst habe die Straße kontrolliert und einen Fahrer verwarnt, der auf dem Gehweg parkte. In den fließenden Verkehr könne man jedoch nicht eingreifen. Und eine Beschilderung des Halteverbots sei nicht möglich, weil das Halten auf Rad- und Gehwegen eh verboten sei. Zuständig ist also die Dortmunder Polizei.

 

Und was sagt die Polizei? Sven Schönberg von der Pressestelle erklärt: „Wir ahnden Verstöße im öffentlichen Verkehrsraum, und sollte es vermehrt zu gefährlichen Situationen kommen, ist unser Verkehrskommissariat involviert.“ Das entscheide über das weitere Vorgehen, für bauliche Veränderungen schalte es das Tiefbauamt ein. 2016 gab es jedoch an genau dieser Stelle nur neun Unfälle, davon sieben beim Parken. Für eine Bundesstraße sei das wenig. Die Statistik spiegele oft nicht das subjektive Empfinden wieder. Trotzdem könne die Polizei den Verkehr in Bövinghausen gezielt überwachen: „Wir sind auf Bürgerwissen angewiesen“, sagt Sven Schönberg. „Es hilft immer, die Polizei zu informieren.“ 

 

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