Winkelmann besingt das „Wir“ im Revier

Filmpremiere "Junges Licht"

Großer Bahnhof gestern Abend an der Essener Lichtburg. Adolf Winkelmanns Film "Junges Licht" feierte Premiere, beide Kinosäle nahezu ausverkauft, viel Prominenz aus Kultur, Film, Politik anwesend, aber auch ein Neubürger des Reviers wie BVB-Trainer Thomas Tuchel.

ESSEN

, 01.05.2016 / Lesedauer: 3 min
Winkelmann besingt das  „Wir“ im Revier

Regisseur Adolf Winkelmann (Mitte) mit den beiden Drehbuchautoren Nils Beckmann (r.) und Till Beckmann (l.) gestern Abend bei der Filmpremiere von „Junges Licht“ in der Essener Lichtburg. Der Film läuft am 12. Mai in den Kinos an.

Der könnte bei diesem Anlass manches über die "Ruhris" und ihre Identität gelernt haben, denn es war ein Abend im Zeichen des Wir-Gefühls. Wir im Revier, wir damals im Revier.

Adolf Winkelmann spricht auf dem roten Teppich von "Wir", als er nach den Chancen seines Films außer- halb des Ruhrgebiets gefragt wird. Kann ein Stoff über Kumpel, Kohle, Kindheit in, sagen wir, Hamburg auf Kinobesucher rechnen?

Ein Film für uns

"Zuerst einmal kommen wir", meint Winkelmann: "Der Film ist zuerst für uns, für unsere Region gemacht. Wenn wir ihn gut finden, spricht sich das herum. Und dann können die anderen ihn gut finden."

Außerdem, so der Regisseur, habe es in den 60ern auch in Hamburg vielerorts ausgesehen wie in "Junges Licht". Ziemlich grau, ein wenig trist und muffig, ergänzen wir.

Ode an die Bergarbeiter

Werner Müller von der RAG-Stiftung (die den Film finanziell unterstützte), knüpft in seiner Rede an das Bild von harter Maloche an, das Winkelmanns Film zeichnet: "Unseren heutigen Wohlstand verdanken wir den Männern, die damals unter Tage schufteten." Wohl wahr.

"Junges Licht" ist zwar auch das Porträt einer Zeit, doch im wesentlichen eine Ode an die Kumpel und ihren Beruf, den man bald nur noch museal wird bestaunen können. So schickt Adolf Winkelmann in "Pütt"-folkloristischer Laune einen Liedgruß an die Bergleute, wenn er mit seinen Schauspielern vorm Kino das "Steigerlied" anstimmt: "Glück auf, Glück auf..."

Viel Prominenz auf dem roten Teppich

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist nach Essen gekommen, hält sich aber vom roten Teppich fern. Frank Hoffmann, Intendant der Ruhrfestspiele, schaut sich ebenfalls den Film an. Unterschlagen wir die sonstige Prominenz, sprechen wir von den Darstellern des Films. Alle mit tragenden Rollen waren in Essen dabei.

Oscar Brose, der den zwölfjährigen Julian spielt, bewegt sich schüchtern vor Mikros und Objektiven. Peter Lohmeyer erzählt, er komme gern an die Orte seiner Jugend, "nicht bloß wegen Schalke".

Nina Petry ist da, Charly Hübner, Ludger Pistor, Lina Beckmann. Vor der Fotowand umarmt Winkelmann die Drehbuchautoren Till und Nils Beckmann. Dann zieht der Tross in den Saal. Der Film beginnt mit einer Spieluhr, die die Melodie des Steigerliedes anstimmt. Wir im Revier...