Winnenden rüttelt auf: Wittener geben Waffen bei Polizei ab

WITTEN Der Schock über den Amoklauf in Winnenden sitzt auch bei den Wittenern tief. Manch einer richtet den Blick mit mulmigem Gefühl Richtung Speicher. Liegt dort nicht noch eine alte Waffe vom Großvater verborgen? Auf der Polizeiwache in der Innenstadt füllt sich seit Tagen der Waffenschrank.

von Von Anne-Kathrin Neumann

, 26.03.2009, 08:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viele Gewehre, die Friedhelm Ernst auf der Wache in Empfang nimmt, haben die beiden Weltkriege miterlebt.

Viele Gewehre, die Friedhelm Ernst auf der Wache in Empfang nimmt, haben die beiden Weltkriege miterlebt.

Neun Langwaffen und 16 Pistolen haben die Beamten in der Casinostraße seit Winnenden entgegengenommen. „Wir leiten sie weiter zur Zentralstelle in Bochum, wo sie eingeschmolzen werden“, erklärt Ernst und hält zwei rostige Gewehre aus dem ersten oder zweiten Weltkrieg in die Höhe. Häufig würden die Waffen nämlich aus Nachlässen stammen. „In manchen Haushalten liegen in den Kellern oder Schränken seit Urzeiten Gewehre von verstorbenen Verwandten“, berichtet der Beamte.

Seit der Schreckensmeldung über den Amoklauf erinnern sich die Nachkommen an die gefährlichen Staubfänger. „Den Leuten wird bewusst, dass sich mit den Waffen leicht Unsinn anstellen lässt“, so Ernst. Wie viele Wittener in Besitz einer Waffe sind, lässt sich nicht genau sagen. Insgesamt 11 452 Halter aus Witten, Bochum und Herne sind bei der Bochumer Polizei registriert. „Das können Sportschützen, Jäger oder Besitzer von Erbstücken sein“, vermutet Ernst und schätzt die Dunkelziffer hoch ein: „Gerade alte Erbstücke sind häufig nicht registriert.“

Laut Waffengesetz müssen die Halter eigentlich eine Waffenbesitzkarte und einen entsprechenden Aufbewahrungsort vorweisen können, wie Ernst betont: „Waffen und Munition müssen getrennt voneinander in einem abschließbaren Behältnis gelagert werden.“ Wer nun einen ängstlichen Blick zu Opas eingestaubtem – aber nicht registrierten – Kaliber wirft, braucht jedoch keine saftige Strafe zu befürchten, wie Ernst hinzufügt: „Wenn sich die Leute zu uns bemühen und angeben, die Waffe im Nachlass entdeckt zu haben, verlassen wir uns auf ihre Ehrlichkeit.“

Über die unbürokratische Abwicklung der Waffenabgabe zeigen sich die meisten Wittener übrigens sehr überrascht, wie Ernst festgestellt hat.   „Viele Leute wären sogar eher gekommen, wenn sie geahnt hätten, dass sie nur ein Formular ausfüllen und sich ausweisen müssen.“ Allerdings rät der Beamte, die heißen Eisen erst mal im Kofferraum zu lassen und die Beamten vorzuwarnen.