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"Wir bleiben Bochum"

Opel-Belegschaftsversammlung

2500 Opelaner kamen am Samstagmorgen zur Belegschaftsversammlung in den Ruhr-Congress. 2500 Mitarbeiter, die Entscheidungen und langfristige Lösungen fordern und verdienen. Doch an diesem Tag gingen viele mit enttäuschten Gesichtern nach Hause.

BOCHUM

von Von Tim Stobbe

, 01.04.2012 / Lesedauer: 3 min

Niemand konnte der Belegschaft klare Zusagen machen. Doch Opels Betriebsrat ist wild entschlossen, um den Standort Bochum zu kämpfen. „Die Vorschläge aus Detroit, Überkapazitäten durch Entlassungen und Werksschließungen abzubauen, sind dumm und töricht“, so Betriebsratsvorsitzender Rainer Einenkel in der anschließenden Pressekonferenz. Die Bochumer belassen es jedoch nicht bei bloßen Kampfansagen. Mit konkreten Vorschlägen soll die Produktivität des Werkes gesteigert werden. Und zwar nicht zu Lasten der Mitarbeiter.

Es gebe Überkapazitäten in Bochum, erklärte Einenkel. Das leugne niemand. Doch statt stumpf abzubauen, sollten diese doch besser genutzt werden. Dies ließe sich durch eine Öffnung des Marktes für Opel erreichen. Der europäische Automobilmarkt befindet sich weiterhin im Abwärtstrend, daran wird sich wohl auch in naher Zukunft nichts ändern. Opel müsse daher auch weltweit exportieren dürfen - raus aus Standort stärkender aufgezwungenen Käseglocke.

  Eine weitere Forderung zur Stärkung des Standortes lautete, Modelle wie den Antara auch in Bochum und allgemein Deutschland produzieren zu lassen. „Man kann nicht 150 Jahre Opel Deutschland feiern, dann aber diese Modelle in Korea und bald Mexiko herstellen“, stellte Einenkel fest. „Wie passt denn das zusammen?“ Die Überkapazitäten ließen sich zudem auslasten, indem die Konzernleitung zum Beispiel den Chevrolet Orlando als Schwesterfahrzeug des Zafira in Bochum produzieren lasse. „Asiatische Autohersteller haben es vorgemacht“, sagte Einenkel. „Für die Märkte in Europa lassen sie auch vor Ort produzieren und nutzen zugleich die Expertise in Deutschland.“

Und nicht zuletzt fordert Einenkel endlich Ruhe für den Betrieb: „Es ist an der Zeit, dass in Bochum endlich wieder über Autos gesprochen wird. Wir bauen wunderbare Fahrzeuge, doch niemand spricht darüber.“ Die ständigen Spekulationen und Gerüchte um Schließungen und Entlassungen gingen nicht nur zu Lasten der Mitarbeiter. „Es macht inzwischen den Eindruck, als wolle die Konzernleitung die Marke Opel kaputtrechnen“, so Einenkel. „Die Leute, die diese ruf- und verkaufsschädigenden Aussagen äußern, gehören eigentlich auf die Kündigungsliste.“

Die Vorschläge des Betriebrats sind konkret und haben Hand und Fuß. „Sollte GM dennoch das Werk schließen, werden wir dafür sorgen, dass dies die teuerste Werksschließung aller Zeiten wird“, schwört Einenkel die Bochumer Opelaner ein. „Niemand wird freiwillig gehen und auch das Werksgelände wird ein Milliardengrab für die GM-Auktionäre werden.“ Auch seien die Berechnungen rund um die Amortisierung der Auflösungskosten deutlich zu niedrig angesetzt. Es müsse mit 5000 Mitarbeitern gerechnet werden. Ganz abgesehen von dem Imageschaden, den die Marke Opel bei einer Verlagerung der Produktion erleiden würde. V

Unterstützung erhält das Bochumer Werk von allen Seiten. Neben natürlich der IG Metall hat sich das Land NRW geschlossen hinter die Opelaner gestellt. GM werde unter gar keinen Umständen in irgendeiner Weise unterstützt. Insbesondere weil eine Schließung des Werkes auch viele Jobs bei Zulieferern ebenfalls gefährden würde. Einenkel fordert nun Entscheidungen ein: „Wir haben vernünftige und angemessene Vorschläge vorgelegt. Der Ball liegt bei der Geschäftsführung. Sie sind am Zug.“