"Wir haben zu viele Kirchen"

BOCHUM Akten türmen sich auf dem Schreibtisch, neueste (Mobilfunk-)Technik sorgt für schnellste Datenübermittlung: Propst Michael Ludwig ist angetreten, die katholische Kirche in unserer Stadt in eine neue Zeit zu führen. Mit teils sehr schmerzhaften Einschnitten.

von von Thomas Aschwer

, 05.09.2008, 18:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Propst Michael Ludwig hat keine leichte Aufgabe zu erfüllen und muss die Kirche in eine neue Zeit führen.

Propst Michael Ludwig hat keine leichte Aufgabe zu erfüllen und muss die Kirche in eine neue Zeit führen.

"Wir haben zu viele Kirchen", sagt Ludwig Klipp und versucht doch, die Kritiker irgendwie mitzunehmen. Völlig klar sei es, dass es Abschied und auch Trauer gebe. "Wir müssen aber auf eine andere Not reagieren. Wo müssen wir im Stadtteil präsent sein, wo nicht." Als Ansatz darauf richtet Propst Ludwig den Blick zurück. Als Bochum 1866 die größte Pfarrei im Staate Preußen war, teilten sich 50 000 Katholiken eine einzige Kirche. Den seelsorgerischen Dienst übernahmen seinerzeit ein Pfarrer und sechs Kapläne.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet erscheint die Situation der neuen Großpfarreien mit durchschnittlich 33 000 Katholiken geradezu optimal: Ein Pfarrer, fünf bis sieben Pastöre, fünf bis zehn pastoralen MitarbeiterInnen sowie fünf bis neun Kirchen. Das bedeutet aber zugleich, dass entsprechend der Vorgaben des Bistums auf Stadtebene gewaltige Einschnitte erfolgen (müssen). Jeder Großpfarrei stehen im nächsten Jahr 350 000 Euro weniger für nicht pastorales Personal zur Verfügung. In spätestens fünf Jahren muss aus der Personalbestand von 16 auf sieben Vollkräfte reduziert werden. Ob Hausmeister, Sekretärinnen oder Putzfrauen: Ludwig hält Ausschau nach frei werdenden Stellen in anderen kirchlichen Einrichtungen. Dazu kommen verschiedene Instrumente des Bistums wie Altersteilzeit oder Sprinterprämien für die, die innerhalb eines Jahres freiwillig gehen. Nicht ganz so eilig hat es die Kirche bei den Gebäuden. "Es ist noch nichts verkauft worden."

Finanzen im Blick

Gleichwohl zeichnen sich erste Veränderungen ab. Die polnische und die kroatische Gemeinde werden wohl zwei Kirchen übernehmen. Eine Außengruppe des Kinderheims hat ein Pfarrhaus übernommen. Für Propst Ludwig Belege dafür, dass auch in einer finanziell schwierigen Zeit Dinge positiv nach vorne geschoben werden können. Das gelte auch für andere Bereiche. Michael Ludwig nennt u. a. zentrale Anlaufstellen für die Bürger mit langen Öffnungszeiten und Vertretungspläne.