Wittener Großbäcker wegen Erpressung verurteilt

Hohe Geldstrafe

60.000 Euro Strafe muss ein Wittener Großbäcker zahlen: Das Amtsgericht sah es am Freitag als erwiesen an, dass der Bäckermeister, seine Frau und die Personalleiterin Mitarbeiter erpresst haben. Dabei sei eine "Drohkulisse" aufgebaut worden, so der Richter.

WITTEN

von Von Beatrice Haddenhorst

, 22.11.2013, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Amtsgericht Witten an der Bergerstraße

Das Amtsgericht Witten an der Bergerstraße

Dabei waren die Frauen unter einem Vorwand in die Verwaltung geholt und später einzeln direkt zur Unterschrift der Unterlagen zu einem Notar gefahren worden. Zeit, um nachzudenken oder Rat einzuholen, so hatte zuvor der Staatsanwalt in seinem Playdoyer moniert, wurde den Frauen nicht gegeben.Dass der Bäckermeister die Frauen zum Teil angeschrien hätte, bestritt er. Doch der Richter meldete Zweifel an und machte keinen Hehl daraus, dass der Bäcker an den drei Verhandlungstagen, bei ihm keine Sympathie geweckt hatte: „Warum soll ich den Angeklagten für glaubwürdiger halten als die Zeugin? So wie er sich hier aufgeführt hat.“ Letztlich hielt Grewer allen Angeklagten auch „völlige Überheblichkeit und Unbelehrbarkeit“ vor.

Die von einer Zeugin beschriebene Drohung der Personalleiterin „ihr die Hölle heiß“ machen zu wollen, sowie die von einer anderen Zeugin geschilderte Drohung des Bäckereichefs, sie finde „im Bäckerhandwerk keinen Job mehr“, wertete Grewer als erhebliche Überschreitung dessen, was erlaubt ist. Einfacher, so der Richter, wäre es gewesen, den Mitarbeitern zu kündigen. Doch man habe wohl für das Unternehmen kostspielige Arbeitsgerichtsverfahren umgehen wollen.

Der Erklärung der Anwälte, ihre Mandanten hätten junge Mitarbeiter mit Auflösungsverträgen statt Kündigungen schützen und den weiteren Lebensweg nicht erschweren wollen, schenkte er keinen Glauben. Der Personalleiterin hielt Grewer zugute, dass sie keine Chance gehabt habe, einer Einstellung des Verfahrens zuzustimmen: „Dann wären sie wohl ihre Stelle los geworden.“