Wladimir Kaminer besticht durch Humor und Tiefsinn

Lesung im Saalbau

WITTEN "Sie kennen mich wahrscheinlich gar nicht", mutmaßt Wladimir Kaminer augenzwinkernd zu Beginn seiner ersten Lesung in Witten. Spätestens nach dem Auftritt kennen die rund 140 Gäste im Saalbau nicht nur ihn, sondern auch seine pointiert vorgetragenen Geschichten.

von Von Michael Volmer

, 08.03.2010, 13:47 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wladimir Kaminer zog Vergleiche zwischen der deutschen und russischen Kultur.

Wladimir Kaminer zog Vergleiche zwischen der deutschen und russischen Kultur.

Kaminer steht. Sein Akzent ist angenehm, er untermalt die Geschichten, die, stets mit trockenem Humor, nüchtern-pointiert bestechen. Was er erzählt wirkt nie konstruiert.   Bilder von "mit Zynismus gefilmten" Menschen, die wie "besoffene Seiltänzer" auf dem Eis herumtorkeln - so werden laut Kaminer unbeträchtliche Schneefälle medial zum "Schneechaos in Deutschland" aufbereitet. Aus Russland sei er ganz andere Witterungsbedingungen gewöhnt.

Zum Verhängnis wurde Kaminer nach eigener Aussage "der deutsche Kletterwald", das Ziel eines von ihm begleiteten Klassenausflugs. Der Parcours sei eine einzige Folterstrecke gewesen, welche ihn als "Schreibtischarbeiter" an seine sportlichen Grenzen führte. "Dass dort oben ein großer Schriftsteller festhing, schien niemanden zu stören", beschwert er sich trocken und selbstironisch. Typisch für Deutschland sei, dass es bei derartigen Unternehmungen vorher einer "Einverständniserklärung" bedürfe. "So ein Wort gibt es gar nicht auf Russisch", stellt er fest und ergänzt: "weil die Russen nie danach fragen würden". Der Autor erhält viel Applaus während seines anderthalbstündigen Vortrags. Immer wieder beantwortet er bereitwillig Publikumsfragen und signiert im Anschluss seine Bücher.