Wohnbau-Firma speckt Modernisierungen ab - Mieten steigen trotzdem

Godekin-Siedlung in Wellinghofen

Die Firma Wohnbau Berke zieht die Reißleine: Nachdem die Politik eine Entscheidung über die nötige Bebauungsplan-Änderung für eine umfassende Modernisierung der Godekin-Siedlung in Wellinghofen erneut vertagt hat, legt das Familienunternehmen das Vorhaben zu den Akten. Für die betroffenen Häuser gibt es nun lediglich eine klassische Energiesanierung – was ebenfalls für deutlich steigende Mieten sorgen wird.

WELLINGHOFEN

, 12.07.2017, 03:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wohnbau-Firma speckt Modernisierungen ab - Mieten steigen trotzdem

Statt einer umfassenden Modernisierung gibt es für die Häuser an der Godefriedstraße nun nur eine klassische Energiesanierung.

Die Diskussion schwelt schon seit einem guten halben Jahr. 17 Millionen Euro einschließlich Kaufpreis wollte Berke in den Umbau der 2013 gekauften Häuser an der Godefriedstraße mit 128 Wohnungen investieren. Durch die Aufstockung der Häuser mit Staffelgeschossen sollten 30 neue Wohnungen entstehen. 

Das Problem: Die Mieten sollten von jetzt durchschnittlich 5 auf bis zu 13 Euro steigen. Von Luxussanierung war die Rede. Deshalb wurde nach heftiger Kritik der Mieterschutz-Verbände unter Vermittlung der Stadt und eines externen Büros eine mieterverträglichere Lösung gesucht.

Sozialplan war Parteien nicht genug

Am Ende stand ein „Sozialplan“. Mit ihm sollten die neuen Nettomieten auf maximal 9 Euro pro Quadratmeter gedeckelt werden. Berke übernahm die Kosten, die mit den nötigen Umzügen der Mieter verbunden wären. 36 von 48 Mietern im ersten Bauabschnitt nahmen das Angebot bereits an, berichtet Clemens Berke. Außerdem verpflichtete sich der Investor, 30 öffentlich geförderte Wohnungen mit einem Nettomietpreis von 5,25 Euro pro Quadratmeter zu schaffen.

SPD, Grünen und Linken/Piraten im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wohnen war das allerdings nicht genug. Sie forderten weiteres Entgegenkommen von Berke und Gespräche mit Mietern. Die Entscheidung über die Bebauungsplan-Änderung, mit der der Weg für den Umbau freigemacht werden sollte, wurde deshalb erneut vertagt. Der kurzfristig geplante Umbaustart war damit geplatzt.

"Grenzen im Einigungsprozess erreicht" 

Bei Berke ist nun die Geduld am Ende. „Nach den intensiven Bemühungen der letzten Monate sehen wir die Grenzen im Einigungsprozess erreicht“, erklärte Clemens Berke am Dienstag gegenüber unserer Redaktion. „Das Thema ist leider ein Politikum geworden.“ Deshalb rücke man von den ursprünglichen Planungen ab und setze nun eine klassische energetische Sanierung um. 

Das heißt, dass die Fassaden gedämmt, Dächer, Fenster und Heizungen erneuert werden. Die Schaffung neuen Wohnraums und auch die 30 öffentlich geförderten Wohnungen sind passé. „Uns tut das sehr leid“, sagt Berke. Zumal die Mieterhöhungen bei der jetzt geplanten Minimallösung ähnlich hoch ausfallen wie bei der großangelegten Modernisierung – von künftigen Mieten bis zu 8,79 Euro pro Quadratmeter im 1. Bauabschnitt ist die Rede.

Betroffen von der Sanierung sind drei Bauabschnitte: Die Häuser Godefriedstraße 35-45 mit 48 Wohnungen sowie die Godefriedstraße 6-8 und 10-18 mit je 40 Wohnungen. Sie waren in den 1960er Jahren von der „Neuen Heimat“ gebaut worden und hatten zuletzt mehrfach den Eigentümer gewechselt.