Wohnhaus in der Nordstadt erhält auffällige Fassade im Roma-Stil

rnSchleswiger Straße

Das Leben im Ruhrgebiet hat viele Formen. In der Nordstadt zeigt sich die kulturelle Vielfalt jetzt auch im Straßenbild. Zu sehen sein wird ein Zeichen der Roma-Kultur, das viele überrascht.

Nordstadt

, 28.08.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über ein Jahr lang haben Anwohner aus der Roma-Gemeinschaft des Dortmunder Nordmarkts in einer neuen Werkstatt Modelle zur Gestaltung einer Hausfassade entwickelt. Die Fassaden-Variationen sind inspiriert von den kreativen Bauformen, die Roma-Familien seit vielen Jahren in Dörfern und Straßenzügen Rumäniens realisieren. Eine davon soll jetzt zum Hingucker im öffentlichen Straßenraum werden.

Den Entwurf setzen die Akteure noch in diesem Sommer an einem Wohnhaus in der Schleswiger Straße 31 um. Die Fassadenarbeiten sind am 26. August gestartet. Innerhalb einer Woche soll die Front des Wohnhauses in eine farbenfrohe Roma-Fassade verwandelt werden.

Wohnhaus in der Nordstadt erhält auffällige Fassade im Roma-Stil

Die Gestaltung der Fassade hat bereits begonnen. © Interkultur Ruhr

Seinen Anfang nahm das Projekt „Fassade“ von Interkultur Ruhr, der Stadt Dortmund und mehreren Partnern 2016 mit einer Recherche-Reise nach Rumänien. Eine Gruppe von Roma, Akteuren und Künstlern machte sich vor Ort ein Bild.

Auch im eigenen Land werden Roma systematisch diskriminiert, leben abgedrängt, meist in provisorischen Behausungen hinter den Industriezonen. Ein außerhalb Rumäniens nahezu unbekanntes Phänomen ist die spezifische Bauweise der rumänischen Roma, die sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet hat, mit einer originellen architektonischen Farb- und Formensprache.

Selbstbewusstes Zeichen der eigenen Kultur

2017 ging die für das Projekt eingerichtete Werkstatt „Fatada“ (Fassade) am Nordmarkt gemeinsam mit Vertretern der Roma-Gemeinschaften im Ruhrgebiet der Frage nach, wie ein selbstbewusstes Zeichen ihrer Kultur Gestalt im Stadtraum annehmen könnte. Es entstand die Idee, gemeinsam eine Hausfassade in unmittelbarer Nachbarschaft nach dem Vorbild der Häuser in Rumänien umzugestalten.

„Das architektonische Zeichen durchbricht verbreitete Vorstellungen von Wohn- und Lebensformen einer gesellschaftlichen Gruppe, die oft unter extrem prekären Umständen leben muss und stark von Stigmatisierung betroffen ist“, sagt Guido Meincke von Interkultur Ruhr. „Modellhaft stellt die Fassade die Frage nach Mitspracherecht bei der Stadtgestaltung und Möglichkeiten der Teilhabe in einer diversen Stadtgesellschaft.“

Beim Familienfest des Roma Kulturfestivals „Djelem Djelem“ am 12. September (Donnerstag) auf dem Nordmarkt wollen die Akteure der Werkstatt die Fertigstellung der Fassade gemeinsam mit allen Gästen feiern.

Um 15 Uhr gibt es dazu ein Gespräch mit Künstlern, Förderern und Beteiligten in der Werkstatt, Mallinckrodtstraße 57. Dort werden auch die Modelle ausgestellt. Anschließend wird die neue Hausfassade in der Schleswiger Straße besichtigt.

Von 18.30 bis 22.30 Uhr ist Werkstattparty in der Mallinckrodtstraße mit Grillen und Tanz. Der Eintritt ist frei.

Metropole Ruhr

Interkultur Ruhr - Projekt für Gemeinsamkeit

  • Interkultur Ruhr ist ein Projekt des Regionalverbands Ruhr und des Kultur-Ministeriums NRW.
  • Es ist Teil der Nachhaltigkeitsvereinbarung zur Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010 und beschäftigt sich mit der Vielfalt der Kulturen in den 53 Städten der Metropole Ruhr.
  • Das Projekt bespielt kein festes Haus, sondern bewegt sich durch die Region und ist an verschiedenen Orten des Ruhrgebiets aktiv.
  • www.interkultur.ruhr
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