"Wolf of Wall Street" mit Leonardo DiCaprio ist eine Finanzwelt-Satire

Im Kino

Wenn er sich ein Sujet vorknöpft, und der Etat es hergibt, handelt er es erschöpfend ab. In drei Stunden erzählt Martin Scorseses "The Wolf Of Wall Street" von einem windigen Finanzjongleur, es ist ein Epos über Gier und Größenwahn. Am 16. Januar kommt der Film ins Kino.

13.01.2014, 17:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Wolf of Wall Street" mit Leonardo DiCaprio ist eine Finanzwelt-Satire

Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) feiert sich selbst als Verkaufsgenie. Der Film läuft ab Donnerstag im Kino.

Wie er in "Good Fellas" ein Leben als Mafioso, in "Casino" die krummen Touren in Las Vegas schilderte, so geht Scorsese nun dem kriminellen Sumpf im Aktiengeschäft auf den Grund. Wieder basiert die Chronik von Aufstieg und Fall auf einer wahren Biografie, der des Verkaufsgenies Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio).Schwarzer Tag an der Börse

Alles beginnt mit einem schwarzen Tag an der Börse. Belfort verliert den Job im Großraumbüro, wo Händler in Telefone bellen.

Doch er ist ein Stehaufmännchen, eine Silberzunge, die alles verkauft, selbst "Penny Stocks", Schrottpapiere. Belfort gründet eine Firma, die wächst und wächst, weil Kleinvieh auch Mist macht.

Geld ist seine Religion

Bald ist er ein Superstar, ein "Master Of The Universe", dessen kokainbeflügeltes Ego keine Grenzen kennt. Die Belegschaft wird gaga, wenn der Chef zum Meeting bittet. Kollektive Hysterie, Tanz ums Goldene Kalb. Lasst uns Kohle machen! Galoppierender Wahnsinn, wie in der deutschen Doku "Versicherungsvertreter", nur schlimmer.

Rausch und Aberwitz

In den Szenen durchgeknallter Party-Orgien läuft Scorsese zu Hochform auf. Rausch und Aberwitz sind meisterlich in den Erzählrhythmus transportiert. Belfort wird gefeiert wie ein Sektenguru, Geld ist seine Religion. "Dies ist Amerika", sagt DiCaprio in die Kamera: der Kapitalismus der Gauner und Schmierlappen. Bekloppte Kokser, die die Leute über den Tisch ziehen.Drogen und eine Blondine

Kuriere schaffen Belforts Millionen in die Schweiz. Er glaubt sich unangreifbar, doch das FBI hat ein Auge auf ihn. Belforts Ehe mit einer sexy Blondine (Margot Robbie) steht auf der Kippe, nicht zuletzt der Drogen wegen. Der Titan wankt oder kriecht pillenlahm über den Boden, welch ein Anblick! Aber er gibt nicht klein bei.

Qualität eines Thrillers Oliver Stones "Wall Street" ist zahm gegen diesen Trip ins Megalomanische, der im Finale die Qualität eines Thrillers entwickelt. Man kann den Film (mit "Good Fellas" und "Casino") als Teil eines Triptychons sehen: Raffgier ist der Name der amerikanischen Krankheit. Sehenswert.