Womit Konditorei-Cafés zu kämpfen haben

rnCafés und Ladenverkauf

In Münster, Dortmund und anderen Städten der Region haben in den letzten Jahren mehrere Traditionscafés ihre Türen geschlossen. Ist das Modell Konditorei-Café nicht mehr zeitgemäß?

NRW

, 09.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Die offiziellen Zahlen zeigen ein differenziertes Bild. Ein Rückgang bei der Anzahl der Betriebe ist demnach nicht zu sehen. Laut dem Bundesinnungsverband, dem Deutschem Konditorenbund (BIV), ist die Zahl der Konditoreibetriebe, die bei der Handwerkskammer eingetragen sind, über einen Zeitraum von fünf Jahren sogar gewachsen. Deutschlandweit gibt es 3.184 Fachbetriebe mit 70.049 Beschäftigten. Nordrhein-Westfalen liegt mit 578 Betrieben auf Platz 2 hinter Bayern (784) und vor Baden-Württemberg (530).

Der Anstieg sei jedoch nur hauchdünn, sagt Jörg Becher, Betriebsberater beim Deutschen Konditorenbund. Der Diplom-Kaufmann kennt die Probleme, mit denen Konditoren zu kämpfen haben, die ein eigenes Geschäft unterhalten. Verschiedene Faktoren würden dazu beitragen, dass heutzutage weniger Menschen die Selbstständigkeit wählten, so Becher. „Die administrativen Aufgaben und gesetzlichen Auflagen sind mittlerweile so gewachsen, dass die Konditoren oft mehr Zeit im Büro verbringen als in der Backstube“, erklärt er. Als Beispiel nennt er das neue Verpackungsgesetz. „Das sollte eigentlich kleine Betriebe entlasten“, sagt Becher. Das Gegenteil sei nun der Fall. Zutatenlisten, Allergenkennzeichnung und viele weitere Vorgaben kämen dazu. Existenzgründer würden durch die Vielzahl an Bürokratie abgeschreckt.

Zudem seien die Mieten in 1a-Innenstadtlagen kaum mehr zu bezahlen. Liege ein Café dennoch in der Fußgängerzone, sei das zwar attraktiv, um dort einzukehren, aber für den Außer-Haus-Verkauf „tödlich“. „Die Kunden sind bequemer geworden, sie wollen ihre gekauften Kuchenplatten nicht weit tragen.“ Wenn man erst eine Weile um den Block fahren müsse, bis man in der Nähe der Konditorei einen Parkplatz finde, halte das viele vom Besuch ab. Er macht die Parkraumpolitik der Städte mitverantwortlich.

Darüberhinaus trifft der Fachkräftemangel auch die Konditorbranche, wie Becher berichtet. Besonders im Verkauf sei das zu beobachten. „Der Personalmangel zwingt dazu, über restriktivere Öffnungszeiten nachzudenken“, sagt Jörg Becher. Zur Not müsse man einen Tag schließen. Umsatzrückgang sei zu befürchten.

Laut dem Deutschen Konditorenbund erzielte das Konditorenhandwerk 2018 ein Umsatzplus von 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bei einem Gesamtumsatz von 1,850 Milliarden Euro.

Große Konkurrenz durch Back-Cafés sieht Becher indes nicht: „Die haben zwar andere Preise, aber auch eine andere Zielgruppe mit anderen Verzehrgewohnheiten“, sagt der Experte.

„Moderne Interpretationen von Kaffee und Kuchen funktionieren noch gut“, sagt auch Thorsten Hellwig vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) NRW. Nur die, die mit ihrer Klientel alt geworden seien, hätten es schwerer.