Wuchtige Skulpturen und kraftvolle Malerei

Tollmann-Retrospektive

Als Bildhauer wurde er überschätzt, als Maler aber unterschätzt. Dabei hat sich Günter Tollmann zeitlebens zu allererst als Maler verstanden. Den herausragenden Rang seines Spätwerkes verdeutlicht eine Retrospektive des Kunstmuseums Gelsenkirchen.

GELSENKIRCHEN

von Von Bernd Aulich

, 24.11.2011, 14:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Gemälde Günter Tollmanns aus der Serie König, entstanden 1988.

Ein Gemälde Günter Tollmanns aus der Serie König, entstanden 1988.

Mit 150 Arbeiten ist sie weitaus umfangreicher geraten als die Ausstellungen, die es ihm 1986 zum vierzigsten Geburtstag und 1991 - ein Jahr nach seinem Tod - widmete. Das austauschbare informelle Frühwerk spart sie weitgehend aus, um die letzten drei Schaffensjahrzehnte umso nachdrücklicher zu präsentieren.Kunststudium erst mit 30 Erst mit 30 hatte Tollmann, finanziell unterstützt durch die Stadt Gelsenkirchen, ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf begonnen. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde der gebürtige Gelsenkirchener durch wellenförmige bewegliche Monumentalskulpturen. Leichtigkeit und Eleganz gewinnen sie in besonders polierter Edelstahl-Ausführung. Im Wintergarten des Museums sind reizvolle Modelle zu sehen. Den Mitbegründer der legendären Künstlergruppe B 1 drängte es hinaus aus Galerien und Museen. Vieles in Tollmanns bildhauerischem Schaffen wirkt heute indes klobig und allzu schematisch.Formvokabular der Bildhauerei erschöpfte sich In den Achtzigern wandte sich Tollmann von der Bildhauerei, deren schmales Formvokabular sich für ihn erschöpft hatte, so abrupt ab, wie er 1966 mit ihr begonnen hatte. Und nun legte er in der Malerei nach einer vorangegangenen tachistischen Phase und extrem reduzierten Materialbildern erst richtig los. Sein alttestamentarisch motiviertes Königsmotiv inspirierte eine Serie von Köpfen, Königsbrücken und -häusern.Explodierende Farbgestik Lettern und Ziffern bändigen als kompositorisches Gerüst die kraftvolle, explodierende Farbgestik. In der architektonisch orientierten Serie Haus Lüning werden sie zum alleinigen Bildträger. Bei aller expressiven Zuspitzung manifestiert sich in diesen reifen Arbeiten auch ein kontemplativer Zug. Bezeichnenderweise verbrachte Tollmann die letzten 14 Jahre auf einem einsamen Gehöft in der Grafschaft Diepholz.Kunstmuseum Gelsenkirchen: "Retrospektive Günter Tollmann", 27.11. (11 Uhr) bis 22.1.12. Di-So 11-18 Uhr.

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