Wütender Protest gegen Vonovia-Pläne in Hombruch

Neubauten im Innenhof

Nicht nur im Kreuzviertel will das Wohnungsbauunternehmen Vonovia bestehende Freiräume in Innenhöfen zubauen - auch einem Wohnblock in der Hombrucher Harkortstraße blüht das gleiche Schicksal. Hier sollen gleich zwei Neubauten entstehen. Die Geschichten gleichen sich: Die Anwohner sind wütend, die Politiker auch. Doch Vonovia hält an den Plänen fest.

HOMBRUCH

, 14.07.2017 / Lesedauer: 4 min

Nachverdichtung heißt das Zauberwort, mit dem Politik und Bauwirtschaft dem Wohnungsmangel in Großstädten wie Dortmund entgegentreten will. Was das heißt: Bestehende Bauten werden aufgestockt und Innenhöfe bebaut. Anwohner sind von solchen Projekten meist weniger begeistert. So auch in Hombruch, wo die Bebauung eines Innenhofs geplant ist.

Zwischen Harkortstraße, Egerstraße, Aussigring und Karlsbader Straße will die Vonovia ein zweiflügeliges Wohngebäude errichten. 35 Wohnungen sollen hier drei- und viergeschossig entstehen.

 

 

„Wir Mieter werden ja immer als Letzte informiert“, ärgert sich ein Anwohner, der nicht namentlich genannt werden möchte. „Seit zwei Jahren werden wir hier mit Baumaßnahmen schikaniert“, wettert er. Zuletzt gab es einen neuen Balkon. Dafür sei aber direkt eine Mieterhöhung von knapp 100 Euro ins Haus geflattert, wegen der Attraktivitätssteigerung.

Der Haken: Von diesem Balkon blickt er, sofern die Pläne umgesetzt werden, künftig auf ein Nachbargebäude statt wie bisher ins Grüne. „Unehrlich“, nennt das Markus Demtröder, der SPD-Fraktionsvorsitzende in der Bezirksvertretung.

Dabei soll der Abstand von Fenster zu Fenster an einigen Stellen nur die gesetzlich vorgeschriebenen sechs Meter betragen. „Dann gucken mir die Nachbarn demnächst direkt ins Wohnzimmer“, schimpft eine andere Anwohnerin.

Die Debatte

Das Bauvorhaben war auch das beherrschende Thema der Bezirksvertretung Hombruch in der vergangenen Woche. Über eine Stunde debattierten die Lokalpolitiker über die Vorlage. Demtröder stellte gleich zu Beginn klar, dass die SPD dem Vorhaben nicht zustimmen werde. Er kritisierte die geplante Umsetzung im beschleunigten Verfahren.

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Dies lehne die Fraktion ab, da es keine ausreichenden Umweltprüfungen beinhalte. Zudem werde für das Projekt eine sehr große Fläche versiegelt und 74 von 83 Bäumen müssten gefällt werden. Für die bisherigen Anwohner befürchte er „eine deutliche Verringerung der Wohn- und Lebensqualität“.

Kritik aus allen Parteien

Weiterhin würden die Architektenbilder einen weitläufigen Eindruck vermitteln, der den Gegebenheiten vor Ort nicht entspreche. All dies sei den Anwohnern nicht zumutbar, auch da an anderer Stelle bereits genügend Wohnraum in Planung oder Bau sei.

„Die Bedenken kann ich nachvollziehen“, erklärte Hans-Jürgen Grotjahn, Sprecher der CDU-Fraktion. Auch er sei bei der Besichtigung vor Ort zu dem Schluss gekommen, dass die geplante Bebauung wesentlich dichter ausfalle, als es die Bilder der Architekten vermittelt hätten. „Da habe ich erhebliche Bauchschmerzen“, fügte er hinzu. Außerdem sei er immer von einer einzelnen Reihe ausgegangen, während nun von einem zweiflügeligen Gebäude die Rede sei.

Auch Anne Lotz von den Grünen äußerte sich kritisch. Die Erhaltung der Grünfläche sei sowohl aus ökologischer Sicht als auch für die Anwohner wichtig. „Vonovia geht es nur ums Geldverdienen“, redete sich der parteilose Klaus-Werner Schröter in Rage. „Die leihen sich Geld zu zwei Prozent und lassen es sich mit elf Prozent verzinsen“.

Nur Bezirksbürgermeister Semmler ist dafür

Bezirksbürgermeister Hans Semmler blieb der einzige Fürsprecher des Bauprojekts. „Wir brauchen die Wohnungen dringend“, erklärte er. Außerdem würden die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten. Sechs Meter Abstand von Haus zu Haus seien für die Anwohner zumutbar, „die habe ich zu Hause auch“. Mit seiner Ansicht stand er am Ende alleine da, denn auch seine Parteikollegen entschieden sich nach einer Sitzungsunterbrechung gegen die Vorlage zu stimmen. Und so ging bei der Abstimmung nur die Hand des Bezirksbürgermeisters in die Höhe.

Während die SPD-Fraktion die Bebauung des Karrees grundsätzlich ablehnt, wünscht sich die CDU Nachbesserungen. Den Wegfall des zweiten Gebäudeflügels mache die Fraktion zur Bedingung für die Zustimmung einer neuen Vorlage, gab Grotjahn bekannt.

Wie geht es weiter?

Rechtsverbindlich ist die Abstimmung nicht, da es sich lediglich um eine Empfehlung handelt. Über die könnte sich der Rat der Stadt hinwegsetzen. Ein deutliches politisches Statement ist sie dennoch.

Bei der Vonovia sieht man trotz der Kritik offenbar keinen Grund zur Kurskorrektur. „Selbstverständlich werden wir, wenn wir die Baugenehmigung erhalten, die Umsetzung in diesem Rahmen durchführen“, erklärte Bettina Benner, Pressesprecherin des Unternehmens. Ob und wann es dazu kommt, ist noch nicht geklärt. Der Umweltausschuss hat das Thema kürzlich auf September vertagt. Erst danach kommt es zu einem Ratsbeschluss.

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