Wunschkonzert für Gidon Kremer

Klavier-Festival Ruhr

Wenn ein Weltstar wie Gidon Kremer 70 Jahre alt wird, darf er sich alle Wünsche erfüllen. So entstand eine kleine Tour mit der Pianistin Martha Argerich und seinem Kammerorchester Kremerata Baltica, die ihn auch ins neue Bochumer Musikforum führte - und dort Begeisterungsstürme entfachte. Das Konzert war ein Extra-Programmpunkt des Klavier-Festivals Ruhr, das eigentlich erst im Mai startet.

BOCHUM

, 10.03.2017, 15:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wunschkonzert für Gidon Kremer

Gidon Kremer und Martha Argerich.

Bevor die Stars auftraten, überließen sie die Bühne der Kemerata und dem 1990 in Paris geborenen Pianisten Lucas Debargue. Kremer unterstrich damit die Wichtigkeit zweier Anliegen: der Nachwuchsarbeit und der Renaissance des polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg, die er angestoßen hat. 

Dessen Klavierquintett in f-Moll in der Fassung für Streichorchester stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs: Es beginnt mit einem erstarrenden Walzer und erlebt seinen Höhepunkt in einem wuchtigen, emotional aufgeladenen Largo, bei dem Debargue exzessivem Pedaleinsatz nicht abgeneigt war.

Blindes Verständnis

Als ob sie einer Wolke entstiegen, setzten Gidon Kremer und Martha Argerich nach der Pause völlig unvermittelt aus dem Stimmen zu Schumanns Sonate Nr. 1 für Violine und Klavier an. Das Publikum im ausverkauften Saal erlebte Weltstars, die in blindem Verständnis, großer Eleganz und mit feinen erzählerischen Bögen beglückend zusammen musizierten.

Das Konzert für Violine, Klavier und Orchester, das Mozart eigentlich für Flöte, Harfe und Orchester geschrieben hatte, versprühte Leichtigkeit und Unbeschwertheit aus der Hoch-Zeit der Wiener Klassik. Doch Mozart wäre nicht Mozart, hätte er vor das strahlende Finale des Rondeaus nicht noch einen grüblerischen Einschub gesetzt. Das Publikum klatschte Zugabe um Zugabe und bekam Piazzolla, Ravel und - "Happy Birthday".