Zähe Jobsuche nach Opel-Aus in Bochum

Transfergesellschaft

Den ehemaligen Mitarbeitern bei Opel in Bochum fällt die Jobsuche schwer. Ein Jahr nach der Werksschließung ist erst ein Zehntel wieder fest in Lohn und Brot. Die Transfergesellschaft rechnet aber mit weiteren Vermittlungen im zweiten Jahr. Doch es gibt Probleme mit der Bezahlung ehemaliger Opelaner.

BOCHUM

12.01.2016, 13:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zähe Jobsuche nach Opel-Aus in Bochum

Das alte Opel-Werk in Bochum.

Bisher hätten 260 der 2600 Ex-Beschäftigten aus der vom Autobauer mitfinanzierten Transfergesellschaft des TÜV Nord eine neue feste Stelle bekommen, sagte der Geschäftsführer von TÜV Nord Transfer, Hermann Oecking, am Dienstag in Bochum. Hinzu kämen weitere 220 Opelaner in Qualifizierungen oder Praktika mit erfahrungsgemäß guten Übernahmeaussichten.

Im zweiten Jahr der Transfergesellschaft werde die Vermittlung zulegen, prognostizierte Oecking. Er rechne aber nicht damit, für alle Beschäftigten Vollzeitjobs zu finden. „Wenn wir nicht mehr als ein Drittel bei der Arbeitsagentur anmelden müssen, haben wir einen tollen Job gemacht.“ Im Ruhrgebiet fehlen qualifizierte Industriejobs. Kleinere Handwerksbetriebe zahlen meist deutlich schlechter. Dasselbe gilt für Stellen etwa als Fahrer in Logistikunternehmen, die Personal suchen. Das Entgeltgefälle zu den früheren Opel-Stellen sei mit 300 bis 700 Euro netto erheblich, sagte Oecking.

Das wegen Überkapazitäten Ende 2014 geschlossene Opel-Werk hatte zuletzt rund 3300 Menschen beschäftigt. Davon wechselte ein Teil an andere Opel-Standorte, das personell aufgestockte Opel-Ersatzteillager in Bochum oder zu anderen Arbeitgebern. 2600 Beschäftigte landeten in der Transfergesellschaft.

Gewerkschaft ist unzufrieden

Die Bochum-Herner IG-Metallsprecherin Eva Kerkemeier zeigte sich unzufrieden mit dem bisherigen Ergebnis. Es fehle an Qualifizierungskursen für die Beschäftigten. Außerdem seien die angebotenen Stellen häufig befristet oder wesentlich schlechter bezahlt. „Verständlich, dass die Leute das nach vielen Jahren in guter Beschäftigung nicht annehmen.“ Außerdem habe Opel bei den Verhandlungen vor der Werksschließung versprochen, 100 zusätzliche Industriejobs im Ruhrgebiet zu schaffen. „Das Versprechen ist bisher nicht eingelöst“, sagte sie.

Oecking nannte die Jobsuche für so viele Menschen ein „gewaltiges Projekt, das erst mal Fahrt aufnehmen musste“. Die Beschäftigten, die in dem jahrelangen Abbauprozess bei Opel bis zum Schluss geblieben sind, seien im Schnitt 30 Jahre im Unternehmen und über 50. „Da schüttelt man den Jobverlust nicht in 14 Tagen ab.“ Im ersten Jahr sei es zunächst um Beratung, Qualifizierung und „Trauerarbeit“ gegangen, sagte er. Jetzt starte aber die Vermittlung mit Nachdruck und modernen Instrumenten wie etwa Job-Speed-Datings mit jeweils zehnminütigen Kurzinterviews. Insgesamt hat die Transferstelle laut Oecking bereits 50.000 Beratungsgespräche geführt und 1600 Stellen gefunden, die für die Ex-Opelaner in Frage kommen.

von dpa

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