Zalando-Entwickler sitzen seit fünf Jahren in Dortmund

Inzwischen am Phoenix-See

Wer Schuhe bei Zalando bestellt und sie auch bezahlt, was sich ja gehört, der nutzt in Dortmund gebaute Software. Seit fünf Jahren arbeitet hier eine IT-Einheit des Online-Versandhändlers. Sie kümmert sich vor allem um die Bezahlprozesse bei Zalando. Dortmund war für das Unternehmen auch "die Wiege der Internationalisierung".

DORTMUND

, 06.07.2017, 12:32 Uhr / Lesedauer: 3 min
Seit 2015 befindet sich der Zalando-Technologiestandort Dortmund am Phoenix-See. Rund 80 Entwickler und Produkt-Manager arbeiten dort.

Seit 2015 befindet sich der Zalando-Technologiestandort Dortmund am Phoenix-See. Rund 80 Entwickler und Produkt-Manager arbeiten dort.

2012 eröffnete Zalando seinen Technologiestandort Dortmund. Der Grund war ein praktischer: Weil Programmierer am Zalando-Hauptsitz in Berlin schon damals so stark gefragt waren wie in Dortmund BVB-Dauerkarten, siedelte das Start-up einen Standort im Ruhrgebiet an, um Entwickler hierher zu locken. Sie programmieren in Dortmund seither unter anderem alles für die Zalando-Website programmiert, was mit Bezahlung und Rabatten zu tun hat.

Mitarbeiter feiern das fünfjährige Bestehen von Zalando in Dortmund

Programmierer bei Zalando, die ein Stück Software fertig geschrieben haben, das der Website hilft, feiern das regelmäßig. Mit einem „Fun Friday“: Sie präsentieren die neue Software und stoßen am späten Freitagnachmittag mit Bier im Büro an. Am Dienstag (4. Juli) war kein Freitag, bei Zalando in Dortmund wurde dennoch gefeiert: das fünfjährige Bestehen des hiesigen Technologiestandortes. Diesmal gab‘s schon am frühen Nachmittag (Dortmunder) Bier und Geburtstagskuchen für gut gelaunt wirkende Mitarbeiter.

80 von ihnen, Durchschnittsalter 35, arbeiten inzwischen in Dortmund, sie sitzen seit zwei Jahren im Gebäude „Dock 1“ an der Hörder Hafenstraße – also direkt am Phoenix-See. Gestartet war Zalando 2012 zunächst an der Löwenstraße in der Innenstadt, fünf Leute bauten den neuen Standort auf.

Die Teams nennen sich Schotter, Zaster, Mammon

Das Unternehmen wuchs und wuchs, Zalando verkaufte nach Schuhen auch Sport- und sonstige Bekleidung und inzwischen zudem Accessoires – also rüstete der Online-Händler auch seine IT-Einheiten personell auf. Die Entwickler und Produkt-Manager in Dortmund zogen zum Phoenix-See um, wo sie hauptsächlich für die Software hinter den Bezahlsystemen auf zalando.de und für die Anbindung beispielsweise an Kreditkartenunternehmen zuständig sind.

Weil es ums Geld geht, geben sich die einzelnen Teams Namen wie Schotter, Zaster und Mammon. Andere Teams arbeiten an der IT hinter der Logistik von Zalando. Und wie wird bei Zalando gearbeitet?

Man duzt sich und spricht „default“, also standardmäßig Englisch, sagt Standortleiter Danilo Topalovic, 35. Wie bei Zalando generell ist auch der Dortmunder Standort international: Mitarbeiter aus dem Ruhrgebiet, aber auch aus Düsseldorf arbeiten mit Kollegen aus Ägypten, Russland und der Ukraine. Viele haben an der TU Dortmund oder in Bochum studiert.

Dortmund war für Zalando "die Wiege der Internationalisierung"

In hellen Großraumbüros sitzen sie an ihren Computern, große Bildschirme zeigen Website-Statistiken an. Schuhe und Kleidung, die Zalando verkauft, sind (außer an den Mitarbeitern) nicht zu sehen; lediglich zu Trennwänden gestapelte, leere Zalando-Pakete zeigen, für welche Firma sie hier arbeiten.

„Harte“ Arbeitszeiten, neun bis fünf, gibt es nicht, einige arbeiten auch mal im Home-Office: „Wir sind kein Unternehmen, wo man seinen Arbeitstag absitzt“, sagt Topalovic. Die einzelnen Teams bauen nicht nur Software, sondern sind auch dafür zuständig, dass sie ständig läuft – in Dortmund wie überall sei eine „starke Eigenverantwortung“ der Mitarbeiter entscheidend, sagt Philipp Erler, der den Titel Senior Vice President Digital Experience trägt. Soll heißen: Er ist für alles verantwortlich, was Zalando-Nutzer sehen.

Erler ist aus Berlin zum Standort-Geburtstag gekommen. Dortmund, sagt er, sei damals, 2012, der erste Schritt von Zalando aus Berlin heraus gewesen. Hier hätten die Mitarbeiter gelernt, ohne die räumliche Nähe zur Zentrale zu arbeiten. Auf diesen wichtigen Erfahrungen hätte Zalando danach bei seinen Technologiestandorten Dublin und Helsinki aufbauen können. Dortmund sei sozusagen die „Wiege der Internationalisierung“ gewesen.

Neben den Büros gibt es einen Playstation-Raum

Neben der Eigenverantwortung haben die Mitarbeiter bei Zalando aber die Freiheiten, wie sie bei Start-ups üblich sind – auch wenn Zalando, an der Börse notiert, kein Start-up mehr ist: Zur Entspannung dient im Büro in Hörde der mit Sitzkissen ausgestattete Playstation-Raum; ein Duschraum ist für alle da, die am Phoenix-See Sport treiben.

Und neben Konferenzräumen, die mit Namen wie „Thomasbirne“ und „Stahlwerk IV“ an die Hörder Vergangenheit erinnern, liegt der „Event Space“: ein großzügiger Raum mit Kicker- und Billard-Tisch, Küche und Sofa-Ecken. „Bei uns ist die Wohlfühl-Quote sehr hoch“, sagt Danilo Topalovic.

Im „Event Space“ mischte sich zur Geburtstagsfeier auch Dortmunds Wirtschaftsförderer Thomas Westphal unter die Feiernden. Er zitierte eine islamische Weisheit („Vertraue Allah, aber binde dein Kamel an“), um auszudrücken: Spaßige Arbeiten solle Zalando ruhig in Berlin erledigen – wenn‘s um Geld, also die Bezahlsysteme geht, vertraue das Unternehmen aber richtigerweise den bodenständigen Westfalen.

Zalando will in Dortmund weiter wachsen

Westphal sagte, Zalando könne in Dortmund „gerne weiter wachsen“. Das will das Unternehmen auch tun. Am Phoenix-See ist für 120 Mitarbeiter Platz, die Marke von 100 könnte 2017 erreicht werden, sagt Danilo Topalovic. Wenn man genug Leute finde – denn längst sind Programmierer ja auch in Dortmund stark gefragt.

Und wenn Zalando weiter so stark wächst. Ein Konkurrent ist zunehmend der US-Händler Amazon, der zuletzt in den USA einen neuen Dienst vorstellte, bei dem Kunden Kleidung bestellen und anprobieren können, ohne vorab zu zahlen. Der kostenlose Versand und Rückversand hat auch Zalando zu großem Erfolg verholfen.

Zalando ist inzwischen in 15 europäischen Märkten vertreten. Der Umsatz ist kontinuierlich und kräftig angestiegen, lag 2016 bei 3,6 Milliarden Euro. Europaweit beschäftigt Zalando rund 12 000 Mitarbeiter, mehr als 5500 davon in Berlin. Das Unternehmen stand in den vergangenen Jahren mehrfach wegen der Arbeitsbedingungen in seinen Warenlagern .

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