Zeitreise durch 50 Jahre elektronische Musik

Ruhrtriennale

Es gäbe keine Konzertsäle für seine Musik, hat Karlheinz Stockhausen beklagt. Die Zukunft sei so, dass der Klang um die Zuhörer herum sein müsse, und nicht so, dass ein Orchester vorn auf der Bühne spiele. 36 Werke hat Stockhausen bis zu seinem Tod vor neun Jahren mit einem solchen Raumklang komponiert. Die Ruhrtriennale hat einen Raum dafür: In der Bochumer Jahrhunderthalle war "Carré" am Donnerstag- und Freitagabend ein kleines Komponistenporträt für Karlheinz Stockhausen und eine Reise durch 50 Jahre elektronische Musik.

BOCHUM

, 19.08.2016, 17:38 Uhr / Lesedauer: 1 min
Zeitreise durch 50 Jahre elektronische Musik

Zwischen den vier Chor- und Orchesterbühnen saß in Stockhausens „Carré“ das Publikum.

Nun ist ein Werk wie "Carré" aus dem Jahr 1960 für vier Orchester und vier Chöre auch fast 60 Jahre nach der Uraufführung für unsere Ohren immer noch anstrengend zu hören. In vier Blöcken saß das Publikum in einem Carré, in allen vier Ecken war ein Orchester mit Chor und einem Dirigenten platziert.

Raumakkorde

Zweimal spielten die Bochumer Symphoniker das 50-minütige Klangmosaik; aber nicht alle Besucher ließen sich auf das Experiment ein, das Werk nach der Pause noch einmal von einem anderen Sitzplatz aus zu hören.

Dafür ist "Carré" dann wohl auch zu lang, und Stockhausens Spiel mit Raumakkorden und Raumintervallen nutzt sich nach einer halben Stunde auch ab. Trotzdem war es ein spannendes Hörerlebnis und von den Bochumer Symphonikern und dem Chorwerk Ruhr eine Meisterleistung, so präzise über große Distanzen hinweg zu reagieren.

Gesamtkunstwerk

Da zirpte, ächzte, quietschte und schnaufte die Musik, die Sänger schnippten mit den Fingern und raunten. Daraus formten die Dirigenten Rubert Huber, Florian Helgath, Matilda Hofman und Michael Alber ein Gesamtkunstwerk.

Eingerahmt wurde dieses Hauptwerk von Stockhausens Pionierstück der elektronischen Musik, dem "Gesang der Jünglinge" aus dem Jahr 1956, und dem Spätwerk "Cosmic Pulses" aus dem Todesjahr des Komponisten. Im Gesang der Jünglinge stülpten sich auf vier Tonspuren Gesangsfetzen und elektronische Klänge aus den Deckenlautsprechern wie eine Klangkuppel über das Publikum der Ruhrtriennale.

Melodische Schleifen

In den "Cosmic Pulses" mäanderte die Musik in melodischen Schleifen von 24 Tönen durch die Halle. Den klassischen Konzertsaal mit einem Bühnenorchester werden die Architekten aber wohl auch noch in 100 Jahren Stockhausens Raumklang-Sälen vorziehen.