Zentralwerkstatt wird Heimat für Tänzer

Ruhrtriennale

Die Ruhrtriennale hat einen neuen Spielort. Zum ersten Mal werden Tänzer des Festivals durch die Zentralwerkstatt der Zeche Lohberg in Dinslaken toben. Die gefeierte Choreografin Meg Stuart hat den Raum für ihr Stück „Projecting Space“ entdeckt. Es wird dort vom 31. August bis 3. September zu sehen sein – und vielleicht trägt das ja ein bisschen zur Rettung der Halle bei.

DINSLAKEN

von Bettina Jäger

, 24.08.2017, 15:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zentralwerkstatt wird Heimat für Tänzer

Die Zentralwerkstatt der Zeche Lohberg in Dinslaken steht unter Denkmalschutz. Restauriert ist sie aber noch nicht, die Fenster sind eingeworfen. Die schöne Halle blickt einer ungewissen Zukunft entgegen. Foto: Ruhrtriennale

Das Gelände an der Hünxer Straße in Dinslaken hat eine stolze Vergangenheit. 1905 wurde hier die „Gewerkschaft Lohberg“ gegründet. Ab 1912 förderte sie Steinkohle. In den 1950er-Jahren avancierte die Zeche zur Großschachtanlage, die 1979 über drei Millionen Tonnen Kohle förderte.

Bergwerk seit 2005 dicht



Dann das Ende: 2005 machte die Zeche dicht, 2007 erfolgte der Abriss bis auf die denkmalgeschützten Bauten – etwa die Fördertürme und die Kohlenmischanlage, in der die Ruhrtriennale 2015 das Stück „Accatone“ spielte. Um die Bauten herum entwickelten die Stadt Dinslaken und die RAG Montan den „Bergpark“ mit moderner Wohnbebauung – und einer roten Hasen-Skulptur von Star-Bildhauer Thomas Schütte.

Unter Denkmalschutz steht auch die Zentralwerkstatt, eine 120 Meter lange und 20 Meter breite dreischiffige Halle mit Emporen, errichtet zwischen 1906 und 1915. Der Wechsel von Zielgelsteinen und Putz war damals der letzte Schrei und erinnerte an die Backsteingotik. Dahinter versteckte sich eine moderne Stahlkonstruktion.

1200 Kohlewagen

In der Halle wurden Reparaturen durchgeführt. Die Kumpel hielten nicht nur 1200 Kohlewagen, sondern auch Materialwagen, Bohrstangen und vieles mehr instand. Die Gewerke – Schlosserei, Schweißerei, Schmiede, Schreinerei und Sattlerei für die „Arschleder“ – arbeiteten dicht an dicht. Höllisch laut muss es gewesen sein, die Verletzungsgefahr war groß.

Die Vergangenheit sei in der Halle noch spürbar, sagt Cathrin Rose, Dramaturgin der Ruhrtriennale. „Dieser leere dunkle Raum hat Patina“, erzählt sie. „Man hat das Gefühl, auf den Emporen könnten noch Arbeiter sein.“ Diese Atmosphäre habe die Choreografin Meg Stuart und den Bühnenbildner Jozef Wouters fasziniert. „Es wird keine Trennung von Bühne und Publikum geben“, sagte Rose. Das Publikum werde sich frei im Raum bewegen (aber auch manchmal sitzen) können. Rose: „Das ermöglicht individuelle Erfahrungen.“

Kontakt zu Anwohnern



Gegenüber der Halle liegt die schmucke Gartenstadt Dinslaken-Lohberg, die vor ein paar Jahren Schlagzeilen als Salafisten-Hochburg machte. Das lässt die Dramaturgin Rose aufseufzen. „Ich erlebe den Stadtteil als unproblematisch“, berichtete sie. „Ich fühle mich dort sehr willkommen.“ Von Anfang an habe Triennale-Intendant Johan Simons den Kontakt zur Bevölkerung gesucht und auch nicht mehr abreißen lassen.

Und die Zukunft der Halle? Die RAG Montan Immobilien als Inhaberin will sie verkaufen, doch bislang fand sich kein Investor. So hat sie das Haus an die Freilicht AG vermietet, die Triennale ist Untermieter.

Ein Herzprojekt

„Die Halle ist für mich ein Herzprojekt“, betont Lea Eickhoff. Sie ist Geschäftsführerin der Freilicht AG, die von Dinslakener Bürgern getragen wird und dort alljährlich das „Fantastival“ veranstaltet. Eickhoff und ihre vielen ehrenamtlichen Mitstreiter bemühen sich seit Anfang 2016, die Halle mit Leben zu füllen – ein Street-Food-Treffen, Trödelmärkte und Messen gab es schon. „Die Bedingungen sind katastrophal, aber die Halle ist wunderschön“, lacht Eickhoff. Weil es kein WC mehr gibt, muss ein Toilettenwagen kommen. Wasser spendet ein Hydrant. Eickhoff: „Wir prüfen, ob wir eine Sanierung mit Fördergeldern hinkriegen.“


Karten für „Projecting Space“ unter Tel. (0221) 280210, an vielen Vorverkaufsstellen ode