Zerfall der abendländischen Kultur

Ruhrtriennale

Für die Niederländer, die im 19. Jahrhundert ins kolonisierte Indonesien gingen, um dort mit der Arroganz des "zivilisierten Abendlandes" zu herrschen, muss das auch physisch eine Herausforderung gewesen sein: Dort herrscht Tropenklima mit beständig hoher Luftfeuchtigkeit. Regisseur Ivo van Hove gibt diese Erfahrung in "Die stille Kraft" an die Zuschauer weiter.

ESSEN

, 20.09.2015, 16:29 Uhr / Lesedauer: 1 min
Zerfall der abendländischen Kultur

Szene aus „Die stille Kraft“

Der Regen ist schon im Foyer des Salzlagers der Zeche Zollverein in Essen zu vernehmen - akustisch und als feuchte Luft. Als das Publikum der Ruhrtriennale Platz nimmt, wird er auf der Bühne sichtbar.

Immer wieder setzt der belgische Regisseur, der sich in jedem Jahr von Johan Simons' Intendanz bei der Ruhrtriennale mit einem Werk des niederländischen Autoren Louis Couperus (1863-1923) beschäftigen wird, den Theaterregen ein. Einmal inszeniert er sogar einen Sturm mit Blitz und Donner - große Gongs, die Harry de Wit bedient. Wie ein schwarzer Magier scheint der Bühnenmusiker das Wetter zu steuern.

Große Bilder und Effekte

Es ist ein Abend der großen Bilder und Effekte. Mitten im Regen steht ein Flügel, der am Ende stumpf und verstimmt klingt - ein Symbol für den Verfall der abendländischen Kultur. "Wir sind Idioten, wir Abendländer hier in diesem Land", sagt irgendwann Maria Kraakman als Eva Eldersma, die für den Hauptverwalter Otto van Oudijck (Gijs Scholten van Aschat) Feste veranstaltet.

Wie mit dem physischen auch ein psychischer Zersetzungsprozess einsetzt, wird durch großes Schauspielertheater in einem grandiosen Bühnenbild (Jan Versweyveld) deutlich spürbar. Hier ist eine Regie am Werk, die große Bilder zu einem starken Ganzen zusammenfügen kann.

Termine: 23./24.9.; Karten: Tel. (0211) 280210.

Lesen Sie jetzt