Zukunftsvisionen eines Künstlers

Charles-Wilp-Modul eröffnet

„Ich habe die Zukunft abgeschafft – Die Visionen finden jetzt statt“. Das sagte einmal Charles Wilp. Ingrid Schmidt-Winkeler, Witwe des Pop-Art-Künstlers, eröffnete am Samstag das Modul, das seinen Namen trägt, im Wasserwerk-Gebäude an der Ruhrstraße.

WITTEN

von Von Martin Schreckenschläger

, 16.09.2012, 14:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Halle des Wasserwerks ist ganz auf Space-Art getrimmt. Das Futuro vor der Tür ist nun als Foyer der Ausstellung hergerichtet, steht für Aktionen und Diskussionen bereit.

Die Halle des Wasserwerks ist ganz auf Space-Art getrimmt. Das Futuro vor der Tür ist nun als Foyer der Ausstellung hergerichtet, steht für Aktionen und Diskussionen bereit.

Charles Wilp wäre am 15. September 80 Jahre alt geworden. Neu eingerichtet und verglast, lockte sein Futuro - ein schon vor zwei Jahren hier gelandetes UFO, zu allerlei Space-Art-Abenteuern.

Illustre Gäste fanden den Weg dorthin, verwöhnt mit dem von Wilp in den 70ern beworbenen Cola-Getränk, mischten mit, etwa das Filmteam von Julia Zinnbauer. Die Künstlerin lässt sich inspirieren von außergewöhnlicher Nachkriegsarchitektur, gestaltet passende Kostüme und dreht Filme, die Illusionen lebendig werden lassen. Mit ihrem Copiloten und einem fransigen Wesen aus den Tiefen des Alls entstieg sie, eingehüllt von Bühnennebel, dem Futuro und berichtete von ihrem hier abgedrehten Projekt. Schwerelos schweben Darsteller durch das ovale Raumobjekt. ‚elipsoid episodes‘ heißt denn auch ihr Video-Kunstwerk, das zwischen den Kunst gewordenen Werbespots Wilps im hauseigenen Kino gezeigt wird.

Moderne Werkstoffe und Zukunftsglaube faszinieren die junge Künstlerin ebenso wie Wilp. Der hatte schließlich ebenfalls mit Materialien der Raumfahrt experimentiert, als Exponate in der Ausstellung zu sehen. Der „erste Astronaut der Kunstgeschichte“, so Britta M. Böhmer, stellvertretende Vorsitzende des Wittener Fördervereins Charles Wilp-Modul, habe die Schwerelosigkeit als höchste Kunstform propagiert. Ihm sei es gelungen, „den Zeitgeist überspitzt darzustellen“, seine Ideen zu popularisieren.

Aus Energie entstand bei ihm der Wahnsinn der Kunst. „Einen kleinen Teil seines Wahnsinns haben wir uns zu eigen gemacht für dieses Projekt“, reklamierte Böhmer den künstlerischen Genius Wilps für die Organisatoren. Inmitten von Schalttafeln und Pumpenmotoren stehen und hängen die Kunstobjekte Wilps, reicht man Cola mit Palmdekor vor Pop-Art-Bildern. Im Tiefgeschoss, verborgen hinter altgedienten Hebeln und Anzeigen, liegt der winzige, querformatige Kinoraum. Eine Reihe weißer Sessel steht an der Wand, und an der schrägen Decke aus rauem Beton laufen die Projektionen. Wen wundert’s noch, wenn am Ruhrdeich ein Astronaut im Mondanzug entlangspaziert?