Zurück ins Homeoffice: Das sollten Beschäftigte jetzt beachten

Homeoffice

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt deutlich. Viele fragen sich, ob sie wieder ins Homeoffice gehen können oder müssen. Eine Übersicht über die Fragen, die für Beschäftigte wichtig sind.

von Christoph Höland

, 24.10.2020, 11:15 Uhr / Lesedauer: 4 min
Die Arbeit in den eigenen vier Wänden ist nicht ganz unkompliziert.

Die Arbeit in den eigenen vier Wänden ist nicht ganz unkompliziert. © picture alliance/dpa

Am heimischen Schreibtisch ist die Ansteckungsgefahr gering – umso verführerischer ist es, sich angesichts steigender Infektionszahlen nicht mehr täglich auf den Weg zur Arbeit zu machen. Bis zu 15 Millionen Beschäftigte haben während der ersten Pandemiewelle in Deutschland vom Homeoffice Gebrauch gemacht. Nun kommt es wieder in Betracht. Doch trotz jüngster Reformbemühungen bleibt das eine komplizierte Angelegenheit. Eine Übersicht über die Fragen, die Beschäftigte am meisten bewegen.

Kann man einfach ins Homeoffice wechseln?

Ein Wechsel ins Homeoffice ist nur möglich, wenn der Arbeitgeber dem zustimmt. Zwar plant das SPD-geführte Arbeitsministerium eine Art Recht auf Homeoffice. „Derzeit gibt es aber noch keinen gesetzlichen Anspruch darauf, von Zuhause aus zu arbeiten“, sagt Doris-Maria Schuster, Arbeitsrechtlerin von der Kanzlei Gleiss Lutz. „Etwas anderes gilt nur dann, wenn die Möglichkeit bzw. der Anspruch, vom Homeoffice aus zu arbeiten, in einer Betriebsvereinbarung oder in einem Tarifvertrag vorgesehen ist“, so Schuster.

Muss man auf Anordnung des Chefs ins Homeoffice wechseln?

Andersrum müssen grundsätzlich auch Beschäftigte zustimmen, wenn der Chef Homeoffice anordnet, wie die Rechtsschutzabteilung des deutschen Gewerkschaftsbundes schreibt. Laut Rechtsanwalt Sebastian Agster kann ein Chef Homeoffice nicht einfach anordnen, wenn er den Verdacht hegt, dass jemand mit dem Coronavirus infiziert ist. Er könne Mitarbeiter dann lediglich zur Genesung und zum Schutz der Kollegen nach Hause schicken. Arbeit aus dem Homeoffice könne er dann aber nicht erwarten, wie Agster kürzlich im Gespräch mit dem ZDF erklärte.

Wann ist das Büro zu gefährlich?

Am Arbeitsplatz gelten seit September zahlreiche neue Arbeitsschutzstandards, zu denen regelmäßiges Lüften, die Abstandsregeln und weitere Präventionsmaßnahmen zählen. Unmittelbar eingeklagt werden können die Vorgaben Schuster zufolge nicht. Aber „sie setzen den Rahmen dessen, was in einem Betrieb an Arbeitsschutzmaßnahmen erforderlich ist“, erklärt Schuster. Stellt sich bei einer Gefährdungsbeurteilung etwa heraus, dass getroffene Maßnahmen nicht ausreichen, und dass sie auch nicht verbessert werden können, ist Homeoffice laut den Arbeitsschutzstandards eine Alternative.

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Welche Regeln gelten für Risikogruppen?

Im Grunde gelten auch für Menschen, die durch das Coronavirus besonders gefährdet sind, die gleichen Regeln. „Auch sie haben grundsätzlich keinen Anspruch darauf, von Zuhause aus zu arbeiten“, sagt Schuster. Allerdings spielt bei Beschäftigten aus der Risikogruppe die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers eine größere Rolle. „Der Arbeitgeber hat daher im besonderen Maße auf die Einhaltung der Corona-Maßnahmen gegenüber Personen aus Risikogruppen zu achten“, meint Schuster.

Wann kann man wieder ins Büro?

Letztendlich können Arbeitgeber selber entscheiden, wie sie mit der Pandemie umgehen – sofern sie die Arbeitsschutzvorgaben erfüllen. In der Praxis sind bislang keine größeren Probleme aus Büros bekannt. Schließlich wollen die meisten Arbeitgeber selber nicht, dass ein Corona-Ausbruch ihren Betrieb lahmlegt. Zuletzt hat sich abgezeichnet, dass viele Unternehmen auf Hybridformen aus Präsenzzeiten und gelegentlicher mobiler Arbeit setzen. Das Modell halten viele Experten in Hinblick auf die Produktivität auch für die derzeit beste Lösung, weil sowohl persönliche Kontakte als auch der Infektionsschutz berücksichtigt werden.

Was passiert mit Arbeitszeiten im Homeoffice?

Wie lange und zu welchen Zeiten gearbeitet werden muss, regeln Arbeitsverträge – und die gelten auch für die Zeit im Homeoffice. Dementsprechend sind Ruhezeiten, Pausenzeiten, Höchstarbeitszeiten auch in den eigenen vier Wänden relevant. Zu Hause muss also nicht mehr gearbeitet werden als im Büro. Eine Erfassung der Arbeitszeit ist etwa möglich, indem protokolliert wird, wer wie lange im Intranet angemeldet ist. Alternativ können Arbeitgeber auch mit Beschäftigten vereinbaren, dass diese ihre Arbeitszeiten selbst protokollieren.

Wie kann man Sozialkontakte trotz Homeoffice pflegen?

Die gemeinsame Kaffeepause sollte auch im Homeoffice nicht flachfallen, meint Ole Wintermann vom Zukunft-der-Arbeit-Projekt der Bertelsmann Stiftung. „Es muss die technische Möglichkeit geschaffen werden, virtuelle Kaffeeküchengespräche zu führen“, ist der Homeoffice-Experte überzeugt. Weil informelle Gespräche durchaus die Produktivität fördern können, rät er, ruhig einige Minuten vor dem virtuellen Meeting schon mit Kollegen zu plaudern. Auch sind aus seiner Sicht dienstliche Treffen in Außenbereichen eine Option. „Nehmen Sie eine Decke und den Laptop mit, um nebenher dienstliche Dinge klären zu können. Seien sie aber vor allem Mensch bei diesen Treffen“, empfiehlt Wintermann als Ausgleich zu sonst raren persönlichen Treffen.

Wie sollte ein schonender Arbeitsplatz im Homeoffice aussehen?

Um Gesundheitsproblemen wie Rückenschmerzen vorzubeugen, gibt die AOK-Krankenkasse zahlreiche Empfehlungen: Ein fester Arbeitsplatz zu Hause sollte eine ungestörte Erledigung der Aufgaben ermöglichen. Möglichst viel Tageslicht und wenig Lärm seien ebenfalls empfehlenswert. Schreibtisch, Stuhl und Monitor sollten so ausgerichtet sein, dass man den Blick frontal auf den Monitor richten kann. „Unter- und Oberschenkel sollten beim Sitzen einen 90- bis 100-Grad-Winkel bilden. Die Füße stehen fest auf dem Boden“, rät die AOK. Auch empfiehlt sie die Nutzung ergonomisch geformter Mäuse.

Gibt es rechtliche Vorgaben für den Arbeitsplatz zu Hause?

„Hier streitet sich die Literatur extrem“, sagt Rechtsanwalt Agster. Denn konkrete Vorgaben zu gesundheitsverträglichen Arbeitsmitteln macht die entscheidende Arbeitsstättenverordnung eigentlich nur für sogenannte Telearbeit mit einem festen Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden. Die derzeit oft angewandte „mobile Arbeit“, die eigentlich gelegentliches Arbeiten am Laptop zu Hause vorsieht, ist weit unkonkreter. Auch an dieser Stelle soll die geplante Homeoffice-Reform für mehr Klarheit sorgen. Allerdings enthalten einzelne Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder Arbeitsverträge bereits detaillierte Regelungen.

Wer zahlt, wenn neue Möbel angeschafft werden?

Anders als bei sogenannter Telearbeit seien Arbeitgeber bei mobiler Arbeit nicht grundsätzlich zur Bereitstellung etwa von Schreibtischen und Stühlen verpflichtet, erklärt die VBG. Allerdings gelte zugleich das Arbeitsschutzgesetz, weshalb Arbeitsmittel durchaus auf Eignung und Funktionsfähigkeit überprüft und je nach Bedarf bereitgestellt werden sollten, meint die VBG. Ein gesetzlicher Anspruch darauf bestehe aber nicht, betont Arbeitsrechtlerin Schuster. Ihr zufolge kann ein Anspruch auf Arbeitsmittel für zu Hause aber in Arbeitsverträgen, Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträgen geregelt sein.

Wer trägt die Strom- und Heizkosten im Homeoffice?

„Mitarbeiter können die Mehrkosten, die sie durch das Homeoffice beziehungsweise mobile Arbeit haben, als Aufwendungsersatz erstattet verlangen“, sagt Rechtsanwältin Schuster. Den Anspruch gerichtlich durchzusetzen, kann nach ihren Angaben schwierig werden, weil die exakte Höhe der Mehrkosten schwerlich nachgewiesen werden kann. „Viele Arbeitgeber gewähren deshalb eine Pauschale zur Abgeltung dieser Kosten“, sagt Schuster.

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Was kann man von der Steuer absetzen?

Schreibtische, Stühle, Computer – wer auf eigene Faust Arbeitsmittel anschafft, kann diese als Werbungskosten bei der nächsten Steuererklärung geltend machen – und so die Zahlung an das Finanzamt nach unten drücken. Ein Maximum für diese Werbekosten gibt es nicht. Wer einen Schreibtisch auch privat nutzt, kann nur einen Teil der Anschaffungskosten absetzen – verbringt man etwa die Hälfte der Zeit privat am Schreibtisch, kann nur der halbe Anschaffungswert geltend gemacht werden. Kosten einzelne Anschaffungen mehr als 800 Euro, beziehungsweise 952 Euro mit Mehrwertsteuer, müssen sie über mehrere Jahre verteilt abgeschrieben werden. Dann wird pro Jahr nur ein Teil des Werts bei den Werbungskosten berücksichtigt.

Kann man das Arbeitszimmer von der Steuer absetzen?

Ein ganzes Arbeitszimmer von der Steuer abzusetzen ist recht kompliziert. Grundsätzlich ist es nur möglich, wenn man einen separaten Raum zu mindestens 90 Prozent beruflich nutzt. Steuerexperten raten deshalb dazu, Grundrisse und Fotos des Arbeitszimmers beim Finanzamt einzureichen – und mittels schriftlicher Bestätigungen nachzuweisen, dass das Homeoffice seitens des Arbeitgebers gefordert wurde. Ist all das erfüllt, können laut dem Verbraucherportal Finanztip bis zu 1250 Euro Werbungskosten geltend gemacht werden, bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren sind es 2500 Euro.

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