Zusammen in Angst und Ungewissheit: "London River" bisher bester Berlinale-Beitrag

BERLIN Am 7. Juli 2005 zünden islamische Extremisten in Londons Innenstadt vier Sprengsätze. Es sterben 56 Menschen, 700 werden verletzt. Bilder von Tod und Verwüstung aber sind in Rachid Boucharebs Drama "London River" nur im Fernsehen präsent.

von Von Patrick Wildermann

, 11.02.2009, 17:46 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Regisseur des bisher besten Films des Berlinale-Wettbewerbs erzählt von zweien, die weit weg wohnen vom Geschehen, und die doch unmittelbar von den Anschlägen getroffen werden. Die Britin Elisabeth Sommers (Brenda Blethyn) und der afrikanische Muslim Ousmane (Sotigui Kouyate) begegnen sich auf der Suche nach ihren vermissten Kindern.

Wie Bouchareb diese beiden grundverschiedenen Menschen zusammenführt in ihrer Angst und Ungewissheit, das trifft mitten ins Herz. Vielleicht ist seit den Londoner Attentaten genug Zeit vergangen, um ihrer filmisch zu gedenken. Wohingegen es Werke über den noch anhaltenden Irakkrieg schwer haben: Die Dänin Annette K. Olesen erzählt in ihrem Drama "Little Soldier" von einer heimkehrenden Soldatin und überführt das Motiv bald in die Geschichte einer ungewöhnlichen Frauenfreundschaft. Der amerikanische Independent-Regisseur Oren Moverman beschreibt in "The Messenger" den Heimatdienst zweier Soldaten, die als Hiobsbotschafter Hinterbliebene informieren. Ein berührender Film, der in den USA aber auf Ablehnung stieß.

Der Brite Stephen Frears hingegen blickt weit in die Historie zurück und erzählt in seinem Film "Chéri", basierend auf dem Roman von Colette, eine Geschichte aus der güldenen Belle Époque. Wie schon in Frears' "Gefährliche Liebschaften" von 1988 gehört die Hauptrolle Michelle Pfeiffer, die sich hier als alternde Kurtisane in einen bedeutend jüngeren Beau verliebt. Natürlich musste die 50-jährige Schauspielerin auf der Pressekonferenz vor allem Fragen zu Fluch und Segen des Alterns beantworten, was sie charmant absolvierte, auch schlagfertig: Wer würde sich die Alternative zum Älterwerden wünschen?, fragte sie zurück.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt