Zuschauer sind in „Meyoucycle“ gefangen zwischen Wortkaskaden

Ruhrtriennale

In einem Aufzug kann man stecken bleiben. Aber kann man auch in einem Text festsitzen? Das Stück "Meyoucyle" bei der Ruhrtriennale fühlt sich an, als seien wir Zuschauer fast zwei Stunden lag zwischen lauter Gedichten gefangen. Und das ist nur eine halbgute Erfahrung.

ESSEN

, 09.09.2016, 12:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Zuschauer sind in „Meyoucycle“ gefangen zwischen Wortkaskaden

Eleanor Bauer gibt alles in ihrem Stück „Meyoucycle“.

Der Titel "Meyoucycle" ist eines von vielen Wortspielen an diesem Abend. Er besteht aus den Worten "Me", "You" und "Cycle" (Ich/Du/Zyklus). Und er soll, ein bisschen nuschelig ausgesprochen, das Wort Musical ergeben.

Aber eigentlich ist der Abend, der nach Paris und Brüssel nun am Donnerstagabend im Essener Tanzzentrum Pact Zollverein Premiere feierte, eher ein zur Performance aufgehübschtes Konzert.

Schwarze Bühne mit ein paar Palmen

Das Regie-Duo Eleanor Bauer - die Dichterin, Tänzerin und Sängerin steht auch auf der Bühne - und Chris Peck sieht keine Handlung und eine schwarze Bühne vor. Ein paar aufblasbare Palmen recken sich vor dem Mond. Auf einem Ständer warten jede Menge Perücken, mit denen vier Darsteller und die drei Musiker aus dem Ensemble "Ictus" in erstaunlicher Geschwindigkeit ihren Typ wechseln.

Turbogeschwingkeit hat auch Bauers Text. Englische Wortkaskaden brechen über den Zuschauer herein, zum Glück wird alles in deutscher Übersetzung an die Wand projiziert.

Treffsichere Poesie

Diese Gedichte und Lieder sind der große Pluspunkt des Abends - wilde, verblüffende, treffsichere Poesie. Die Zeitnot in der digitalen Gesellschaft geißelt der Song "So much to do" (So viel zu tun), aber auch am Kapitalismus und an der Liebe arbeitet sich das Multitalent Bauer ab. Nur eine gute Choreografin ist sie nicht.

Die Hände unter hochgerissenen Oberschenkeln zusammenklatschen? Das erinnert an den Kindergarten, auch wenn Bauer, Inga Hákonardóttir, Tarek Halaby und Gaël Santisteva sehr gut tanzen. Die Musik reißt manchmal, aber längst nicht immer mit.

Der Abend fällt auseinander

So fällt der Abend auseinander, mit dem Gesamtkunstwerk wird es nichts, und der Zuschauer guckt in der schwach besetzten Halle schon nach einer halben Stunde auf die Uhr. Respektvoller Applaus.

10./11.9. Karten: Tel (0221) 280210.

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