Zwei Jugendliche ertrinken beim Baden

Im Kanal und in der Ruhr

Tausende zieht es bei der derzeitigen Hitze ins kühle Nass. Dabei sind aber in den vergangenen Tagen mindestens zwei Menschen in den heimischen Gewässern ums Leben gekommen. In der Region gab es mehrere schwere Badeunfälle.

Datteln/Dortmund

, 21.07.2016, 11:16 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der 16-jährige Dattelner wurde von den Feuerwehrtauchern geborgen. Die Todesursache ist noch unklar.

Der 16-jährige Dattelner wurde von den Feuerwehrtauchern geborgen. Die Todesursache ist noch unklar.

Das sommerliche Wetter lockte in den vergangenen Tagen wieder viele Menschen in die Freibäder, Badeseen und auch an die Flüsse und Kanäle. Doch das Baden ist nicht überall erlaubt und teilweise gefährlich.

Drei Badeunfälle an einem Tag

Am Mittwochnachmittag ist ein 16-Jähriger aus Datteln' tag=' im Dortmund-Ems-Kanal ertrunken. Trotz Rettungsversuche seiner Freunde konnte die Feuerwehr  nur noch den leblosen Körper des jungen Mannes bergen.

Ein 20-jähriger Mann ist am Mittwochnachmittag ins Dortmunder Hafenbecken' tag=' gesprungen, kurz geschwommen und dann untergegangen. Er wurde von Unbeteiligten aus dem Becken gezogen und von Rettungskräften reanimiert und ins Krankenhaus gebracht.

In Essen ist am Mittwoch ein 19-jähriger Flüchtling beim Baden in der Ruhr ertrunken. Laut Feuerwehr wurde er von der Strömung erfasst und unter Wasser gerissen. Erst von einem sofort alarmierten Polizeihubschrauber aus konnte der leblos im Wasser treibende Körper entdeckt werden. Nachdem die Rettungskräfte ihn an Land gebracht hatten, konnte eine Notärztin ihn reanimieren - doch in der Nacht zum Donnerstag starb er im Krankenhaus.

Dramatischer Vorfall in Lünen

Auch in Lünen kam es am Mittwoch zu einem dramatischen Vorfall: Dort fielen  zwei Kinder in den Kanal . Die alarmierte Feuerwehr konnte den beiden aber nicht helfen, weil die Retter nicht zum Einsatzort fahren konnten. Grund: Die Zufahrtsstraße war derart zugeparkt, dass die Einsatzfahrzeuge sie nicht passieren konnte. Glück im Unglück: Passanten zogen die Kinder aus dem Wasser. 

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Angesichts tödlicher Badeunfälle in den vergangenen Tagen hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) von den Kommunen eine bessere Sicherung von Badeseen verlangt. „Die Sicherheit muss im Vordergrund stehen und die Kommunen können nicht einfach den Hausmeister schicken und ein „Baden verboten“-Schild aufstellen“, sagte DLRG-Sprecher Achim Wiese in Bad Nenndorf.

Städte und Gemeinden müssten für die Badestellen in ihrem Bereich Gefahrenanalysen vornehmen und im Anschluss über das erforderliche Maß an Sicherung beraten. In überschaubarem Maße könne die DLRG etwa an Wochenenden Rettungsschwimmer stellen.

Binnengewässer besonders gefährlich

Während die Nord- und Ostseeküste von Borkum bis Usedom während der Badesaison täglich von DLRG-Rettungsschwimmern überwacht werde, sei dies bei Binnengewässern nur selten der Fall, kritisierte die DLRG. Dort aber verunglückten im letzten Jahr 80 Prozent der bundesweit 488 Ertrunkenen.

Am Dienstag ertrank ein 15-Jähriger in einem Badesee in Offenbach, am Mittwoch gab es die drei schweren Badeunfälle in Datteln, Dortmund und Essen, im bayerischen Olching wurde ein 14-Jähriger tot aus einem See geborgen. Ein 76-jähriger Surfer wurde in einem Baggersee im hessischen Kirchhain gesucht. Auch an einem Baggersee in Cuxhaven suchten Helfer nach einem möglicherweise Verunglückten, nachdem am Ufer zurückgelassene Kleidung entdeckt worden war.

Kommunen verweisen auf Freibäder

Gefahrenanalysen könnten den Kommunen helfen zu erfassen, wie viele Menschen welche Bereiche von Badeseen nutzen, ob es dort besondere Gefahren wie Strömungen oder Pflanzen gebe und zu welchen Zeiten eine Überwachung sinnvoll sei, sagte DLRG-Sprecher Wiese. Wenn eine Kommune mit der DLRG einen Vertrag schließe, könnten Ehrenamtliche die Überwachung leisten und die Stadt sorge für die Ausrüstung.

„Wir können nicht für jeden Kiesteich eine Badeaufsicht bereitstellen“, sagte hingegen der Sprecher des niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Thorsten Bullerdiek. Dazu fehle schlicht das Geld. Die Menschen sollten stattdessen die Freibäder nutzen, in deren Unterhalt die Kommunen viel Geld steckten. „Alle drängen an die Seen und gucken nicht, ob eine Badeaufsicht da ist, sondern wollen Schwimmen und Spaß haben.“

Aktive Baggerseen meiden

Vor einem kalten Bad in Baggerseen, die noch von der Kies- und Sandindustrie genutzt werden, warnte der Bundesverband Mineralische Rohstoffe (Miro). „Es gibt genügend freigegebene Badeseen, die genutzt werden können“, sagte Miro-Sprecherin Gabriela Schulz. Es sei hochgefährlich, in den noch genutzten Baggerseen zu schwimmen. So seien die Böschungen noch nicht verdichtet und abgeflacht und es könne jederzeit zum Abrutschen des Geländes kommen. Bevor Seen freigegeben werden, würden die Böschungen in einem bestimmten Winkel abgeflacht. „Sie sollten sich selbst zuliebe darauf verzichten, über Zäune zu klettern.“

Mit Material von dpa