Zwei Kinder und wie die Zeit vergeht

"Boyhood" auf der Berlinale

Bald ist Bärenzeit. Doch bevor morgen die Preise verliehen werden, beschert der amerikanische Independent-Filmer Richard Linklater dem Berlinale-Wettbewerb noch ein echtes Highlight. Sein Langzeitprojekt „Boyhood“ verfolgt über zwölf Jahre eine amerikanische Kindheit.

von Patrick Wildermann

, 13.02.2014, 17:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Zwei Kinder und wie die Zeit vergeht

Die Schauspieler Ellar Coltrane (l.) und Lorelei Linklater posieren in Berlin während der 64. Internationalen Filmfestspiele für den Film "Boyhood". Der Film läuft im Wettbewerb der Festspiele.

Wie schwer sich das Wunderheiler-Drama „Aloft“ der peruanischen Regisseurin Claudia Llosa dahinschleppt (Gewinnerin des Goldenen Bären 2009 für „Eine Perle Ewigkeit“). Kein Wunder, dass am Ende der „Boyhood“-Vorführung die internationale Presse geradezu erleichtert jubelt. Im Sommer 2002 ist die erste Klappe für dieses außergewöhnliche Projekt gefallen. Hauptdarsteller Ellar Coltrane war damals sechs Jahre alt. Ebenso jung war Lorelei Linklater, die Tochter des Regisseurs. Die beiden spielen die Geschwister Mason und Samantha, deren junge Eltern (Patricia Arquette und Ethan Hawke) getrennt leben. Den Kids steht einiges bevor: diverse Umzüge, neue Freunde und Schulen, zwei Scheidungen der Mutter (die ein Faible für Alkoholiker hat), die Highschool-Zeit, die erste Liebe, schließlich das College. Alles ganz unspektakulär. Und doch spannend wie das Leben selbst.

Jedes Jahr hat der Regisseur einige Szenen gedreht. Jetzt sitzen Ellar Coltrane und Lorelei Linklater als junge Erwachsene auf der Pressekonferenz in Berlin. Erst kürzlich haben sie den Film selbst das erste Mal gesehen. „Sehr emotional“, hat Coltrane den Blick auf die eigene Kindheit erlebt. „Seltsam und schmerzhaft“ fand Linklater die Begegnung mit dem jungen Leinwand-Ich (was sie aber lachend erzählt). Ob die Jury (immerhin unter amerikanischem Vorsitz) die Begeisterung teilt? Es wäre Richard Linklater zu gönnen. Der hat in Berlin den silbernen Regie-Bären für „Before Sunrise“ gewonnen – 1995 war das. Kinder, wie die Zeit vergeht!