Zwischen Eigensinn und Absturz

Wilhelm Genazino

Das Leben ist nicht einfach zu meistern, und die Liebe ist erst recht keine leichte Sache - eigene Ansprüche treffen auf die des Gegenübers. Das ist das Thema in Wilhelm Genazinos Romanwelt. Im neuen Werk "Bei Regen im Saal" macht Sonja dem Ich-Erzähler Reinhard Druck.

von Von Britta Helmbold

, 28.07.2014, 10:25 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der mittlerweile 43-Jährige beschreibt sich selbst als "Problemmensch". Er will sich nicht so recht ins System integrieren, hat Angst, dass sein Leben dem der anderen ähneln könnte. Als promovierter Philosoph versucht er sich als Barkeeper und langweilt sich später als Lokalredakteur bei einem Provinzblatt.

Eigenbrötler wird verlassen Einzig der Gedanke an Sonja hält ihn aufrecht. Doch sie bittet ihn eines Tages, seine Sachen aus ihrer Wohnung zu holen, und teilt ihm mit, dass sie heiratet. Befürchtet hatte der Eigenbrötler die Trennung schon, geschockt ist er trotzdem. Mit seinem Job bei der Zeitung hofft er auf Rettung durch Normalität und den Rückgewinn von Sonja.

Genazino lässt den Leser in die Gedankenwelt seines Protagonisten eintauchen - und die ist wie immer bei diesem Autor abstrus-komisch und mit treffend humorvollen Beobachtungen gespickt. Der Grat zwischen Absturz und Eigensinn ist ein schmaler.

Wilhelm Genazino: Bei Regen im Saal, Hanser, 17,90 Euro, ISBN 978-3-446-24596-9.

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