Zwischenfall auf Berliner Autobahn: Ermittler gehen von islamistischem Anschlag aus

Terrorismus

Ein Mann verursacht auf der Berliner Autobahn mehrere Unfälle und verletzt dabei mehrere Menschen. Die Autobahn bleibt stundenlang gesperrt und die Umstände des Vorfalles werfen Fragen auf.

Berlin

19.08.2020, 13:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Staatsschutz ermittelt gegen einen Mann, der für eine stundenlange Sperrung der Stadtautobahn gesorgt hat und eine vermeintliche Munitionskiste bei sich trug.

Der Staatsschutz ermittelt gegen einen Mann, der für eine stundenlange Sperrung der Stadtautobahn gesorgt hat und eine vermeintliche Munitionskiste bei sich trug. © picture alliance/dpa

Bei dem Zwischenfall auf der Berliner Stadtautobahn mit mehreren Verletzten hat es sich nach derzeitigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft in Berlin um einen islamistischen Anschlag gehandelt. „Nach derzeitigen Erkenntnissen ist es ein islamistisch motivierter Anschlag gewesen“, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Es gebe aber auch Hinweise auf psychische Probleme des 30-jährigen Irakers.

Der mutmaßliche Täter von der Berliner Stadtautobahn hat offenbar außerdem im Internet Hinweise auf die geplante Tat veröffentlicht. Auf seiner Facebook-Seite postete der Iraker Fotos des Autos, mit dem er später absichtlich mehrere Fahrzeuge rammte, sowie religiöse Sprüche. Mittlerweile hat die Polizei die Untersuchungen vor Ort zum größeren Teil beendet. Die Sperrungen der Autobahn Richtung Neukölln wurden weitgehend aufgehoben.

Ermittler: Keine Anhaltspunkte für Mitgliedschaft in terroristischer Vereinigung

Die Ermittler sehen aber nach derzeitigem Stand keine Anhaltspunkte für eine Mitgliedschaft des Verdächtigen in einer terroristischen Vereinigung. Das teilten die Generalstaatsanwaltschaft und die Polizei am Mittwoch mit.

Aus Sicherheitskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur dpa, dass der Verdächtige in Kontakt gestanden habe zu einem als Gefährder bekannten Islamisten. Der Berliner „Tagesspiegel“ berichtete, der Gefährder werde dem Spektrum der Terrormiliz Islamischer Staat zugeordnet.

Der Iraker sollte einem Haftrichter zum Erlass eines Haftbefehls wegen versuchten Mordes vorgeführt werden. Es sei eine Ermittlungsgruppe „Motorrad“ gegründet worden. Die Kollisionen des Autofahrers mit anderen Fahrzeugen seien als vorsätzliche Angriffe zu werten, hieß es in der Mitteilung. Sechs Personen wurden demnach verletzt, drei davon schwer.

Mann trug Kiste mit „gefährlichem Gegenstand“ bei sich

Der Staatsschutz hatte zuvor gegen einen Mann ermittelt, der für eine stundenlange Sperrung der Stadtautobahn gesorgt hat und eine vermeintliche Munitionskiste bei sich trug. Der Autofahrer hatte zuvor ersten Erkenntnissen zufolge mehrere Unfälle verursacht und dann angekündigt, in der Kiste befände sich ein „gefährlicher Gegenstand“, sagte eine Polizeisprecherin in der Nacht zum Mittwoch. Kriminaltechniker entdeckten darin ihr zufolge aber nichts Verdächtiges, sondern nur Werkzeug.

Der Mann hatte demnach auf der Autobahn 100 in der Nähe der Ausfahrt Alboinstraße drei Unfälle verursacht. Ein Sprecher der Feuerwehr sagte, dabei seien drei Menschen schwer verletzt worden, drei weitere leicht. Betroffen sei auch ein Motorradfahrer.

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