100 Jahre MGV Harmonie Nordkirchen: Zukunftsfähige Gemeinschaft mit einfachem Erfolgsrezept

rnMännergesangverein Harmonie

Im Jahr des 100-jährigen Bestehens geht es dem Männergesangverein Nordkirchen gut. Zukunftssorgen sind da eher unangebracht. Oder?

Nordkirchen

, 01.02.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Männergesangverein (MGV) Nordkirchen geht gut gerüstet in das Jubiläumsjahr 2020. Vorsitzender Lothar Heidenreich macht das im Gespräch mit der Redaktion an Zahlen fest. Aber nicht nur daran.“Wir sind zurzeit rund 40 Sänger“, erzählt der MGV-Chef. Die Altersspanne gehe von 16 Jahren bis zu Sängern, die weit über 80 seien.

Den Wermutstropfen bei der Betrachtung des eigentlich guten Gesundheitszustands des MGV verschweigt Lothar Heidenreich aber nicht. Es geht um die ganz jungen Sänger. „Die können nicht bei jeder Probe und bei jedem Auftritt dabei sei“, erklärt der MGV-Vorsitzende. „Das hängt mit den Ausbildungsmodalitäten zusammen.“

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Selbst wenn ein junger Sänger in Dortmund wohne und ortsnah studiere, heiße das nicht, dass er „mal eben rüberkommen“ könne. „Das heißt, dass wir die ganz Jungen, also die, die unter oder um die 20 Jahre alt sind, die wir auch gern hätten, nicht so leicht dauerhaft bekommen.“ Sie stehen auf der Liste, aber das Problem sei: „Sind die greifbar?“

Viele Sänger mittleren Alters

Wobei es in Nordkirchen immerhin die Entwicklung gebe, dass aktive Sänger ihre Söhne mit in den Chor bringen. Muss man sich denn angesichts der Situation rund um junge Sänger nun Sorgen um die Zukunft des MGV machen? „Wir haben erfreulicherweise seit einigen Jahren das Mittelalter bekommen“, berichtet Heidenreich. „Nicht nur die Frühpensionäre oder die Pensionäre, sondern auch die 40-Jährigen.“

100 Jahre MGV Harmonie Nordkirchen: Zukunftsfähige Gemeinschaft mit einfachem Erfolgsrezept

Der MGV Harmonie ist auch gern gesehener aktiver Gast bei kirchlichen Anlässen. © MGV

Nun weist Nordkirchen ja einige Neubaugebiete aus beziehungsweise hat das schon getan. Profitiert der MGV beim Zulauf von den jungen Vätern aus den Neubaugebieten? „Das ist eher schwierig“, antwortet der Vorsitzende. „In Einzelfällen ist das vorgekommen, aber die, die wir bekommen, sind häufig der Gemeinde Nordkirchen schon länger verbunden.“ Häufig sei es so, dass die jungen Eltern „natürlich erst mal mit anderen Dingen beschäftigt sind“. Junge Väter würden öfter mal absagen, weil die Betreuung der Kinder vorgehe.

Eigenmarketing durch Präsenz

Da könnte man ja auf die Idee kommen, und Werbung für den MGV zu machen. Ist das eine Strategie des MGV? Geht der Vorstand in die Neubaugebiete und stelllt sich und den MGV vor? „Nein“, sagt Lothar Heidenreich. „Das hat sich auch nicht bewährt.“ Die Strategie des MGV ist stattdessen ganz einfach: „Wir versuchen, präsent zu sein. Wenn die Kirchengemeinde, wie geschehen, zum Beispiel 300-Jähriges feiert, dann sind wir da, auch mit einem kleine Auftritt. Oder beim öffentlichen Singen vor dem Bürgerhaus ist, sind wir dabei. Und so gibt es noch mehr Veranstaltungen, bei denen wir präsent sind.“

Während dieser Veranstaltungen sprechen die Sänger die Leute auch an, sagt Heidenreich. „Das ist unsere Art, für uns zu werben.“

Chor braucht gewisse stimmliche Qualität

Eines sei bei der Diskussion um Mitgliederzulauf jedoch auch zu beachten: „So ein Chor braucht auch Leute, die gewisse stimmliche Qualitäten haben.“ Das bedeute nicht, dass der MGV ein Meisterchor sein wolle. „Aber man kann nur eine bestimmte Anzahl von schwächeren Sängern mitziehen.“ Nicht jeder traue sich eben, beim Auftritt deutlich mitzusingen und seine Stimme - ob Tenor oder Bass- mitzutragen. „Es nutzt also nicht, dass man wirbt und es kommt jeder, weil er denkt, es sei ein nettes Biertrinken. Das ist es ja auch, also eine nette Geselligkeit. Aber letztlich muss man auch ein gewisses Gefühl für den Gesang haben.“

Was heißt das für denjenigen, der interessiert daran ist, im Chor mitzusingen?

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Lässt Chorleiter Tobias Leschke neue Kandidaten einzeln vorsingen? „Ein Interessierter nimmt einfach teil, hört und guckt sich das an, versucht, mitzumachen,so gut wie es geht. Das ist am Anfang eher schwierig, weil kaum jemand an Chorgesang gewöhnt ist.“ In der Regel spreche dann nichts gegen eine Aufnahme in den MGV.

Kompetenter Chorleiter

Mit Tobias Leschke, den ehemaligen Kantor der Kirchengemeinde St. Mauritius, hat der Chor einen kompetenten Leiter. Doch Leschke ist beruflich nach Iserlohn gewechselt. Ist das ein Problem? „Er hat Spaß an uns und der Sache gefunden“, erzählt Heidenreich. Leschke komme gern zu den Proben nach Nordkirchen. „Wir sind sehr froh, dass wir Tobias Leschke haben gewinnen können“, sagt Lothar Heidenreich. Leschke sei im dritten Jahr MGV-Leiter. „Weil er in seiner Art eine angenehme Probenatmosphäre schafft.“ Gleichzeitig aber sei er ausgesprochen kompetent, höre sehr genau, was falsch sei und was besser sein sollte und das auch korrigiere.

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Der Männergesangverein Harmonie hat mit Tobias Leschke eine kompetenten Chorleiter. © Beate Dorn

Nun kommt Tobias Leschke als Kantor aus einer ganz anderen musikalischen Richtung als der, die einen weltlichen Chor, wie der MGV Harmonie ist, ausmacht. „Er ist aber für alles talentiert und unglaublich fix, wenn es darum geht, sich auch in die populäre Musik einzuarbeiten“, berichtet Lothar Heidenreich.

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