120. Todestag des letzten Grafen zu Plettenberg

Nordkirchener Schlossherr

Vor genau 120 Jahren, am 7. Mai 1897, starb der Letzte des Geschlechts Plettenberg in Nordkirchen - der Schlossherr Nikolaus von Esterhazy Galantha. Obwohl er in Ungarn geboren wurde, verbrachte er den Großteil seines Lebens im Münsterland, der Heimat seiner mütterlichen Vorfahren. Wir blicken auf sein Leben.

NORDKIRCHEN

von Hildegard Schlutius

, 07.05.2017 / Lesedauer: 4 min
120. Todestag des letzten Grafen zu Plettenberg

Vor 120 Jahren, am 7. Mai 1897, starb der letzte aus dem Geschlecht der Plettenberg in Nordkirchen, der Schlossherr Nikolaus von Esterhazy Galantha.

Nikolaus von Esterhazy Galantha war der Sohn der Maria von Plettenberg und des Grafen Nikolaus von Esterhazy, Graf auf Forchtenstein in Totis in Ungarn. Dort wurde der jüngere Nikolaus auch geboren.

Es ist bekannt, dass Nikolaus von Esterhazy Galantha ein großer Pferdeliebhaber war, und ein ebenso begabter Reiter. Aus dem von ihm gegründeten Gestüt gingen etliche Preisträger hervor, so auch Strontian, der Sieger des großen Deutschen Derbys in Hamburg. 

Graf Nikolaus war ein gütiger und sehr sozial eingestellter Mensch. Er sorgte für eine damals hierzulande noch ungewöhnliche Einrichtung: eine Kinderbewahrschule, für die im Jahr 1892 das neobarocke Gebäude errichtet wurde, das heutige Bürgerhaus. 

Hohes Ansehen bei seinen Dienern

Von seinen Dienern und seinen anderen hilfreichen Geistern wurde er verehrt. Es muss im Jahr 1896 gewesen sein, dass er seinen Rentmeister Odenbreit kommen ließ. Diesem diktierte er eine für diese Zeit besondere Resolution. Dabei handelte es sich um eine Abfindung, die er Franziska Richter, geborene Stuttmann, für langjährige treue Dienste zuerkennen wollte.

Die Verfügung lautete: „Die zeitige Wäscheverwalterin Franziska Richter, welche seit dem 1. August 1846, also demnächst fünfzig Jahre auf dem Schloss Bedienstete ist, wird mit dem 1. August dieses Jahres in den Ruhestand gesetzt.“ Schon der Vater des Grafen hatte ihr eine jährliche Rente von 500 Mark als Ruhegeld in Aussicht gestellt. Diese wurde nun von seinem Sohn im erwähnten Schreiben um weitere 200 Mark erhöht.

Für Abfindung tief ins die Tasche gegriffen

Nachfolgend hieß es in der Verfügung: "Auch bewillige ich der Frau Richter eine freie Wohnung. Als äußeres Zeichen dieser meiner Anerkennung schenke ich der Witwe einmalig 500 Mark, die sie am 31. des Monats aus der Renteikasse empfangen kann."

700 Mark jährliches Altersruhegeld, ein Geschenk von 500 Mark und das Anerbieten einer freien Wohnung scheinen aus heutiger Sicht vielleicht nicht viel. Aber ein Vergleich mit Löhnen und Preisen der damaligen Zeit zeigt die Großzügigkeit des Grafen Nikolaus. 1898 verdiente eine Hausangestellte oder Magd bei einem Arbeitstag von bis zu 15 Stunden etwa 200 Mark im Jahr. Dabei musste sie grobe, schwere Arbeit verrichten.

Ein Knecht erhielt 300 bis 350 Mark. Der Lohn der Frauen war niedriger, weil, wie es hieß, ihre Kraft geringer sei und zu geringeren Leistungen ausreiche. Auch erfordere der männliche Körper ein größeres Quantum an Nahrungsmitteln. Alte Witwen waren trotz der von Bismarck im Rahmen der Sozialgesetze eingeführten „Invaliditäts- und Altersversicherung“ im Allgemeinen die Ärmsten der Armen.

Die wohlhabende Witwe Franziska Richter

Das traf, dank der Großzügigkeit des Grafen, nicht Franziska Richter zu. Sie, die 1829 in Nordkirchen geboren war, ging schon in jungen Jahren mit der Gräfin Maria von Esterhazy Plettenberg auf das Schloss Forchtenstein in Ungarn. Nach dem Tod der Forchtensteins im Jahr 1861 kehrte sie nach Nordkirchen zurück. Dort heiratete sie den in ebenfalls gräflichen Diensten stehenden Hermann Große Richter.

Bemerkenswert ist, dass trotz ihrer Tätigkeit im gräflichen Hause aus ihrer Ehe sieben Kinder hervorgingen, von denen vier in jungen Jahren starben. Es ist nicht bekannt, wie lange Frau Richter gelebt hat und wie lange sie sich an der großzügigen Rente erfreuen konnte.

Ungarische Heimat als Ruhestätte

Graf Nikolaus starb in Ungarn. Kurz vor seinem Tod ließ er seine treuen Diener zu sich kommen. Er bedankte sich bei ihnen für ihre Arbeit und fragte sie einzeln, womit er sich bei ihnen für treue Dienste erkenntlich zeigen könnte. So konnte jeder einen Wunsch äußern.

Der eine zum Beispiel wollte gerne einen kleinen Bauernhof, ein weiterer etwa ein Gasthaus. Auch der treue Franz von der Halben aus Nordkirchen wurde gefragt. Er wünschte sich eine Meerschaumpfeife und ein Fahrrad. „Wat büs Du doch för’n Döskopp,“ sagten die Leute, als er nach Hause kam. Er aber war zufrieden.

Da Graf Nikolaus unvermählt und kinderlos starb, fiel der Besitz Nordkirchen an die Familie Esterhazy in Papa/Ungarn. Für die aber war dieses Schloss hoch im Norden nicht attraktiv und verursachte aus ihrer Sicht nur Kosten. Als sich im Jahre 1903 der Herzog von Arenberg für dieses beeindruckende Gebäude als Familiensitz interessierte, war man gerne bereit, es mit allen Liegenschaften zu veräußern.

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