60-Minuten-Schulweg für Grundschüler? Nordkirchen kritisiert Pläne des Kreises

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Mit der Schließung der Förderschule in Lüdinghausen hat der Kreis längst Fakten - und lange Fahrtzeiten für Förderschüler - geschaffen. Für einen Teil der Kinder gibt es jetzt aber eine Lösung.

Nordkirchen, Olfen

, 07.09.2019, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Schulweg von 60 Minuten: Das ist einfach zu lang, findet die Gemeinde Nordkirchen. Dennoch müssen Kinder mit Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung aus Nordkirchen - oder auch aus Olfen - diesen Weg nach der Schließung der Astrid-Lindgren-Schule in Lüdinghausen antreten: Der Kreis Coesfeld hatte beschlossen, den Schulstandort zu schließen.

Die nächste Schule für Schüler mit Förderbedarf aus Nordkirchen und Olfen ist in Nottuln. 60 Minuten fährt der Bus dort hin. Und 60 Minuten wieder zurück.

Weil das für Kinder eigentlich nicht zumutbar ist, haben Kreis Coesfeld und Kreis Unna jetzt eine Vereinbarung geschlossen, die zumindest für die Kinder, die schon in der fünften Klasse sind, eine Erleichterung bedeutet. Das hat Mechtild Kammert von der Gemeinde Nordkirchen am Dienstag im Schulausschuss erklärt.

Kooperation der Kreise Coesfeld und Unna

Eine Kooperation der beiden Kreise macht es möglich, dass Schüler aus Nordkirchen und Olfen eben nicht den weiten Weg nach Nottuln antreten müssen, sondern den Teilstandort des Förderzentrums Nord in Selmer Ortsteil Bork besuchen können. Fahrtzeit hierhin: 15 bis 20 Minuten mit dem Bus.

Eine „Lücke“, so drückt es Mechtild Kammert aus, gibt es aber dennoch, sodass das Problem noch nicht vollständig gelöst ist. Denn: Die Schule in Bork ist eine weiterführende Schule - was wird aus den Nordkirchener Grundschülern mit Förderbedarf?

Noch mal zum Hintergrund: Natürlich gibt es in Nordirchen selbst mit der Maximilian-Kolbe-Schule auch eine Förderschule. Nur hat sie nicht den Förderschwerpunkt, um den es hier geht. Die Maximilian-Kolbe-Schule ist eine Förderschule mit den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung.

Grundschüler aus Nordkirchen mit der Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung (auch ESE genannt) müssten also zwangsläufig in die Stever-Schule nach Nottuln.

Schulentwicklungsplan sorgt für viel Kritik

Der Schulausschuss hat am Dienstag den Schulentwicklungsplan, der diese ganzen Infos enthält, eher zähneknirschend zur Kenntnis genommen. Und eine deutlich formulierte Bemängelung desselben zum Beschluss weiter in den Rat der Gemeinde gegeben.

„Die Fahrtzeiten halten wir für insgesamt zu lang und nicht kindgerecht und fordern daher, dass die Grundschüler der Gemeinde Nordkirchen, die aufgrund ihres Förderbedarfs zukünftig die Stever-Schule in Nottuln besuchen, eine Fahrtzeit von unter 60 Minuten pro Strecke garantiert wird“, heißt es in dem Schreiben an dem Kreis.

Auch wenn nicht viele Kinder davon betroffen sein werden - 4,6 Prozent der Grundschüler aus Nordkirchen hatten Zahlen des Kreises zufolge 2018 einen Förderbedarf - hat die Schlossgemeinde nicht vor, hier locker zu lassen.

Gemeinde fordert Option zur Nachsteuerung

In dem Schreiben, das der Rat noch verabschieden muss, fordert die Gemeinde eine „jährliche Evaluation zu der sonderpädagogischen Förderung im Kreis Coesfeld bezüglich der Beschulung an Förderschulen sowie im gemeinsamen Lernen an Regelschulen und einen Austausch mit einer Option zur Nachsteuerung hierüber mit den kreisangehörigen Städten und Kommunen.“

Deutliche Kritik gibt es von der Gemeinde auch dafür, dass erst jetzt - wo die Fakten durch die Schließung der Förderschule in Lüdinghausen längst geschaffen sind - die Schulentwicklungsplanung in Auftrag gegeben wurde. Der Gutachter habe beschränkte Vorgaben bekommen, die Stadtorte waren längst gesetzt. „Da ist es ja relativ logisch“, so sagte Mechtild Kammert, „dass da nicht viel Neues bei rauskommen kann.“

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