Abgezockt beim Obstkauf? Das gilt es bei Haustürgeschäften zu beachten

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In Capelle waren vermeintlich dubiose Obstverkäufer unterwegs, die bei vornehmlich älteren Leuten klingelten. Worauf es bei Haustürgeschäften zu achten gilt, erklärt die Verbraucherzentrale.

Capelle, Nordkirchen

, 10.04.2019, 18:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vermeintlich faule Geschäfte gingen in der vergangenen Woche in Capelle vonstatten. Eine Capellerin, die ihren Namen lieber nicht veröffentlicht wissen will, erzählt von einem Fall vom Donnerstag, 4. April.

Ihre Mutter (77) wohne auf einem Hof und komme so gut wie gar nicht mehr vor die Tür. Bei ihr klingelten am betreffenden Donnerstag Obstverkäufer, die sie dazu brachten ihnen zwei Kisten Obst – Äpfel und Mandarinen – abzukaufen. Und das für sage und schreibe 120 Euro. „Das waren pro Kiste vielleicht so 10 Kilogramm. Wenn ich an den Obstwagen denke, der früher in Capelle ab und zu unterwegs war, wären mir die beiden Kisten vielleicht so 40 oder 45 Euro wert gewesen“, erklärt die Capellerin im Gespräch mit der Redaktion.

Zumal eine einzelne, ältere Frau wohl kaum etwas mit zwei großen Kisten Obst anfangen könne. „Wir versuchen as schon an die Nachbarn zu verteilen“, erklärt die Tochter. „Erst wollte der Verkäufer ihr kleine Kisten verkaufen und ließ sie auch einen Apfel probieren. Als er sie soweit hatte, holte er die großen Kisten und erklärte, keine kleineren mehr da zu haben“, schildert sie. „Das Obst an sich war ok“, meint die Capellerin. Dennoch keinesfalls 120 Euro wert. „Ich habe das Gefühl, dass die gezielt alte Leute aufgesucht haben.“

„Hauptsache die sind weg“

Die Männer sollen in einem roten Kastenwagen unterwegs gewesen sein. Mit einer abgeklebten Scheibe, sichtbar überlackierten Stellen am Wagen und auswärtigem Nummernschild.

Ein weiterer Capeller, der ebenfalls nicht genannt werden möchte, schildert gegenüber der Redaktion einen solchen Vorfall vom Donnerstag – mit der gleichen Wagenbeschreibung. „Das war ein Klein-Transporter“, sagt er. „Die wollten den alten Herrschaften von nebenan Obst verkaufen und das sehr aufdringlich“, beschreibt er. Die Nachbarn hätten aber eigentlich kein Interesse gehabt.

„Die wollten 75 Euro für eine Kiste Obst haben“, sagt der Capeller, der die Situation selbst miterlebte. Die Nachbarin wollte die Verkäufer „nur los werden“ und kaufte ihnen dann eine halbe Kiste ab. Kostenpunkt: 35 Euro, meint der Capeller. „Hauptsache die sind weg“, hätte seine Nachbarin gesagt. Angeblich sollte die halbe Kiste 10 Kilo Äpfel sein, ob das stimme könne er nicht sagen, da er nicht nachgewogen hätte.

Falls es wirklich 10 Kilogramm gewesen sein sollte, wäre das zumindest ein realistischerer Preis. Einen Kilopreis von drei Euro für Äpfel lässt sich an der Obsttheke durchaus finden. Das Vorgehen der Verkäufer scheint dennoch grenzwertig zu sein.

Wichtig ist, einen Kaufvertrag zu bekommen

„Bei Haustürgeschäften sollte man sich dreimal überlegen, einen Kauf abzuschließen“, rät die Susanne Terwey, Leiterin der Verbraucherzentrale Dülmen. Das Konzept von solchen Verkäufen: „Man wird da im gewohnten Umfeld überrascht und hat da natürlich auch keine Vergleichsmöglichkeiten für die Preise“, erklärt sie.

Und wenn man dann etwas kauft? „Wichtig zu wissen ist, dass der Gesetzgeber einen Schutz eingerichtet hat“, sagt Terwey. Normalerweise gäbe es bei Geschäften einen Vertrag, den man widerrufen könne. „Man muss allerdings vertragliche Unterlagen haben, um das Widerrufsrecht ausüben zu können.“ Schon allein, um die Kontaktdaten des Unternehmens zu haben. Heißt: Ohne Kaufvertrag sollte man an der Tür keine Geschäfte abschließen.

Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage. „Damit die Frist läuft muss man aber nachweislich informiert werden, sprich: einen Vertrag haben“, wiederholt sie ausdrücklich.

„Und auch wenn man die 14 Tage versäumt einzuhalten, sollte man nicht direkt aufgeben“, rät Terwey. In einem solchen Fall könne man sich natürlich auch an die Verbraucherzentrale wenden.

„Mit Obst ist mir das noch nicht untergekommen“

„Ich habe schon das Gefühl, dass mit solchen Methoden gezielt ältere Leute besucht werden“, sagt sie. Mit Obst sei ihr das allerdings neu. „Sonst sind es eher Handwerker, Telefon- oder Energieversorgerverträge“, sagt die Verbraucherberaterin. Zumal es ja auch unwahrscheinlich sei, dass jemand der Obst anbaut um diese Jahreszeit unterwegs sei um seine Restbestände an den Mann oder die Frau zu bringen.

Auf alle Fälle lohne es sich da die Polizei zu benachrichtigen, wenn es Verdacht auf Betrugsversuche gibt, sagt Terwey. Allerdings nur, wenn man das schnell tue, dann gäbe es noch die Chance, dass eine Streife die vermeintlichen Betrüger kontrollieren kann, wenn die es noch bei anderen Adressen versuchen.

Ähnlich äußert sich auch Kreispolizeisprecher Bjoern Korte des Kreises Coesfeld. „Mit Obst ist mir das noch nicht untergekommen. Ich kann da nur raten, so einen vermeintlichen Betrug zur Anzeige zu bringen.“

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