Mit dem Fahrrad kommt man normalerweise gut von einem Ort zum anderen. Nicht aber am Cappenberger Damm in Richtung Südkirchen.

Südkirchen, Cappenberg

, 15.08.2018, 18:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn man mit dem Fahrrad auf der Cappenberger Straße Richtung Cappenberg fährt steht man – sobald man den Kreis Coesfeld verlässt –schnell vor einem Problem. Wie aus dem nichts endet dort der Radweg. Ein Schild zeigt ganz klar: Hier ist kein Weiterkommen nach Cappenberg möglich, außer man fährt auf der Straße weiter.

Dies jedoch ist lebensgefährlich, finden nicht nur viele Selmer, Cappenberger und Südkirchener. Schließlich dürfen die Autos ausgerechnet an dieser Stelle 70 km/h fahren. Auch Christian Jänsch, Vorsitzender des ADFC in Selm ist gleicher Meinung: „Als Radfahrer fühlt man sich da auf der Straße an den Rand gedrückt. Viele trauen sich auch gar nicht, dort zu fahren, weil sie sich den Autos schutzlos ausgeliefert fühlen.“ Er selbst fahre auch nicht über diese Straße nach Südkirchen. „Das kann man keinem Radfahrer zumuten“, so Jänsch, der eigentlich immer begeisterte Fahrradfahrer. Wie viele andere nimmt er lieber Umwege in Kauf.

Vollständiges Radnetz

Dabei steht diese „Lücke“ im Radweg schon seit Längerem in dem Radverkehrskonzept des Kreises Unna. Ziel ist, ein vollständig und vor allem zusammenhängendes Radnetz zu errichten. Allerdings ist der Cappenberger Damm – die L8 10 – eine Landesstraße. Zuständig hierfür ist also nicht der Kreis, sondern Straßen.NRW.

Auch ihnen ist das Radwegproblem längst bekannt, doch die Lage sei komplizierter, so der Projektleiter und Ausschreiber der Niederlassungsstelle Coesfeld, Christian Kahlau. Die gute Nachricht: „Die Erweiterung des Radweges ist auf jeden Fall geplant“, so Kahlau. Doch wie auch schon beim Brauereiknapp kooperieren hier die Straßen.NRW-Niederlassungen und Coesfeld und Bochum: Bochum übernimmt die Planung, ausgeschrieben und geleitet wird es allerdings von Coesfeld. „Wir sind da aber in reger Absprache“, so Kahlau.

Letzte Abstimmungen

Und noch eine Sache spielt eine wichtige Rolle: Am Knotenpunkt Werner Straße/Selmer Landweg/Cappenberger Damm soll ein Kreisverkehr entstehen. Mit dem Radweg also zwei große Bauprojekte, die dort umgesetzt werden müssen. Ziel sei laut Projektleiter Joachim Kaminski der Niederlassung Bochum aber, beide Projekte in einem Durchlauf durchzuführen. Erste Voraussetzung dafür sei aber der Abschluss der Bauarbeiten an der Werner Straße, die planmäßig erst 2019 abgeschlossen werden sollen. „In der zweiten Jahreshälfte können dann theoretisch die Bauarbeiten losgehen“, so der Experte.

Doch der Weg bis dahin ist im Moment noch nicht geebnet. Joachim Kaminski erklärt: „Momentan finden die Abstimmungen mit den Landesbehörden statt, wobei geguckt wird, ob an den jetzigen Plänen noch etwas geändert werden muss.“ Die Grundstruktur für den Radweg ist aber schon fertig: Insgesamt einen Kilometer weit soll dieser auf der östlichen Fahrbahnseite gebaut werden, bis er dann auf den schon vorhandenen Radweg in Südkirchen trifft. 1,75 Meter Abstand zur Fahrbahn solle er haben, so Kaminski.

Der nächste Schritt sind dann die Gespräche um den Grunderwerb mit den Landwirten. „Da hoffen wir aber auch auf schnelles Einvernehmen“, sieht es Kaminski positiv. Der Radweg liege ja jedem am Herzen.

Bisher aufgeschoben

Bislang war die Lückenschließung des Radwegs immer weiter aufgeschoben worden. Zunächst kam ein Standortwechsel von Hagen nach Bochum den Straßen.NRW. in die Quere. Danach waren erst einmal andere Sanierungen, beispielsweise an Autobahnen, wichtiger. Jetzt aber hat der Radweg schon seit Längerem eine sehr hohe Priorität. „Umgesetzt wird er auf jeden Fall“, sagt Kaminski.

Denn hier sind sich alle Parteien einig: An dem Einfallstor zum Münsterland, wie eine Leserin diese Stelle beschreibt, soll so schnell wie möglich etwas passieren. Wann genau das aber sein wird, wird sich dann spätestens Ende 2019 zeigen. Bis dahin werden Cappenberger und Südkirchener auch weiterhin auf Umwege zurückgreifen müssen.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass an der betroffenen Stelle 100 Km/h gefahren werden dürfe. Richtig sind allerdings 70 Km/h. Wir haben das korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen.

Lesen Sie jetzt