Anlieger des geplanten Baugebietes in Capelle machen mobil und lehnen jede Erschließung ab

rnBürgerprotest

Rund 40 mehr oder minder direkt betroffene Anlieger des geplanten Baugebietes in Capelle haben ihre Ablehnung wortgewaltig im Fachausschuss deutlich gemacht. Eine Partei ist auf ihrer Seite.

Capelle, Nordkirchen

, 08.12.2018, 06:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vier Seiten, eng bedruckt mit vielen Fragen: Intensiv hatten sich die Anwohner von Steinstraße, Vogelruthe und angrenzenden Straßen auf die Sitzung des Bauausschusses vorbereitet. Doch mit jeder weiteren Frage wird am Donnerstagabend, 6. Dezember, im Nordkirchener Bürgerhaus deutlicher, worum es den Menschen vor allem geht. Die Gruppe eint die zumeist freie Sicht auf Feld und Flur, die großzügigen Grundstücke und die ohne Zweifel hohe Lebensqualität. So soll es nach ihrem Willen auch bleiben.

Emotionen kochen hoch

Deshalb nennen die engagierten Bürger viele Argumente, die gegen eine Erschließung des Gebietes sprechen. Bevor es dazu kommt, kochen die Emotionen hoch. Meinhard Tegeler, selbst drei Jahrzehnte Mitglied des Bau- und Umweltausschusses, hat „kein Verständnis dafür“, dass der Plan so schnell durchgedrückt werden soll, obwohl der Bürgermeister nicht vor Ort sei. Ein Vorwurf, den Bergmanns Stellvertreter Josef Klaas mit Verweis auf die Erkrankung des Bürgermeisters und den langen Vorlauf vehement zurückweist. In der Folgezeit geht es um Details wie die neue Linksabbiegerspur auf der Landstraße, den Hochwasserschutz, das neue Regenrückhaltebecken und vor allem die künftige Entwicklung Capelles.

Lösungsvorschlag: Kein Baugebiet mehr

Während Josef Klaas von einem Baugebietchen mit entsprechend geringem zusätzlichen Verkehrsaufkommen auf der Landstraße spricht, formulieren die Anwohner ihre Befürchtung einer stückweiten Erweiterung des Baugebietes. Und sie haben eine „ganz einfache Lösung“ des Problems. In Capelle sollte, so die einhellige Meinung der Anlieger an diesem Abend, überhaupt kein neues Baugebiet mehr erschlossen werden. Siedlungsschwerpunkte sollen nach ihrer Ansicht ausschließlich Südkirchen und vor allem Nordkirchen sein.

Kein Anspruch auf dauerhaft freien Blick

Während es aus Sicht der Grünen dafür gute Gründe gibt, sehen das CDU und SPD deutlich anders. Sprecher beider Fraktionen betonen, wie wichtig die Entwicklung neuer Baugebiete in Capelle ist, um die Infrastruktur mit insbesondere Kindergarten und Grundschule zu erhalten. Zugleich machen sie deutlich, dass es keinen Anspruch auf einen dauerhaft freien Blick in die Landschaft gibt.

Kein Verständnis für die Befürworter

Anlieger des geplanten Baugebietes in Capelle machen mobil und lehnen jede Erschließung ab

Die Fläche für das geplante Neubaugebiet Wohr © Günther Goldstein (A)

In weiten Teilen verliert sich die Diskussion in der Folgezeit im Grundsätzlichen. Es geht es in einigen Wortbeiträgen aber bereits um Detailfragen wie Größe der Grundstücke oder Anzahl der Mehrfamilienhäuser. Verständnis für die Befürworter aus SPD und CDU sowie für die Argumente der Verwaltung ist auf den Zuschauerreihen kaum zu hören. Dafür die ein oder andere negative bis abfällige Meinung. Nach einer ungewöhnlich langen „Fragestunde für Anwohner“ beraten die Kommunalpolitiker später den ersten Schritt zum neuen Baugebiet in Capelle. Gegen die Stimmen der Grünen spricht sich der Ausschuss für eine Änderung des Flächennutzungsplanes aus. Beschlossene Sache ist die Erschließung deshalb nicht. Bis dahin stehen noch einige Planungsfortschritte und Beratungen in den politischen Gremien an. Dazu kündigt Josef Klaas eine Vorstellung der konkretisierten Pläne vor Ort in Capelle an.

So kommentiert Redakteur Thomas Aschwer das Thema:

Die Meinung der kritischen Bürger scheint zementiert: Kein neues Baugebiet für Capelle. Nicht jetzt. Und nicht in den nächsten Jahren. Während CDU und SPD andere Pläne für die Ortschaft haben und die Ausweisung eines neuen Baugebietes für richtig und notwendig halten, sind die Grünen nah bei den Kritikern. Neubaugebiete in der kleinen Ortschaft würden zusätzliche Pendlerströme produzieren, weil aus ihrer Sicht viele Fragen des täglichen Lebens nur in Nordkirchen zu lösen seien. Das ist ein richtiger Ansatz. Aber doch nur die halbe Wahrheit. In Capelle gibt es (noch) eine funktionierende Infrastruktur mit Kindergarten, Grundschule, engagierten Vereinen und mehr. Mit dem Dorfgemeinschaftshaus ist dazu ein neues wichtiges Element in Vorbereitung. Doch Capelle steht am Scheideweg. Setzen sich die privilegierten Bürger durch, die weiter schön ihren freien Blick in die Landschaft und größtmögliche Ruhe genießen wollen oder gibt es aus der bislang noch schweigenden Mehrheit der Bürger einen deutlich vernehmbaren Impuls für eine langfristige Perspektive Capelles. Wohin will der Ort und damit die Mehrheit der Bürger?

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