Anwohner ärgern sich über Raser in Südkirchen

Politik wirkt verblüfft

Ursula Schöneberg ärgert sich seit Jahren über Raser auf der Oberstraße in Südkirchen. Dass sich die Politik angesichts dieses Problems erstaunt gibt, versteht sie nicht. Doch obwohl Vertreter aus Politik und Verwaltung Verständnis zeigen, werde es wohl keine verstärkten Kontrollen und weitere Tempolimits geben.

SÜDKIRCHEN

, 20.07.2016, 14:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ursula Schöneberg hat es in der Zeitung gelesen: Vor den Augen (und Ohren) der Ausschussmitglieder hatten Motorradfahrer auf der Unterstraße mächtig Gas gegeben. „Und die Politik stand da und staunte“, kommentierte der Autor Tobias Weckenbrock. „Das war der zündende Satz, darum habe ich mich gemeldet“, erklärt Ursula Schöneberg.

Es habe den Anschein erweckt, als seien die Politiker und Verwaltungsmitarbeiter aus allen Wolken gefallen, weil sie zum ersten Mal mit Geschwindigkeitsübertretungen in Südkirchen konfrontiert worden waren. „Und das kann wirklich nicht sein“, sagt Ursula Schöneberg.

Schulkinder nutzen Straße

Seit 18 Jahren wohnt die 74-Jährige mit ihrem Mann am Wierlingsweg. Ihr Hauseingang zeigt zur Oberstraße. 20 Meter weiter ist eine Bushaltestelle. Viele Schulkinder nutzen die Straße, so Schöneberg. Trotzdem seien Autofahrer auf der Straße „wesentlich schneller“ unterwegs als erlaubt. Dabei ist der Hinweis nach der Einfahrt von der Münsterstraße, kurz hinter dem Lebensmittelmarkt, gut sichtbar: Tempo 30.

Mehrfach habe sie Kontakt gesucht und die ständige Raserei angeprangert. Kontakt zum Ordnungsamt, zur Verwaltungsspitze, zur Polizei. Zwar lägen diese Gespräche schon länger zurück, die Situation sei aber immer noch die gleiche. Ein Messgerät zur Geschwindigkeitsanzeige sei bereits einmal aufgestellt worden – ohne spürbare Veränderung. „Da muss es doch andere Möglichkeiten geben“, sagt Ursula Schöneberg. Radarmessungen habe es in der Oberstraße zum Beispiel noch nie gegeben.

Verhalten „rücksichtslos“

Schönebergs Nachbar Michael Plenge bestätigt die Situation. Als „rücksichtslos“ bezeichnet er das Verhalten der Auto- und Motorradfahrer. Nicht nur auf der Oberstraße, sondern auch auf der Münsterstraße. Dort hieße es: „Raus aus dem Kreisverkehr, rauf aufs Gas“. Eine Initiative der Anwohner, auf der Münsterstraße Tempo 50 zu erreichen, sei in der Vergangenheit abgelehnt worden, beschreibt der Familienvater.

Auf der Oberstraße sei die Situation ähnlich, dort würde vor und nach einer baulichen Verengung auf der Höhe des Wierlingswegs „aufs Gas gedrückt“. Diese Verengung der Straße liegt vor der Haustür von Ursula Schöneberg. Sie soll die Geschwindigkeit der Autofahrer eigentlich einbremsen. „Doch direkt nach der Verengung wird richtig Gas gegeben“, bestätigt Schöneberg.

Das sagen Vertreter aus Politik und Verwaltung zu der Raserei:

„Geschwindigkeitsübertretungen sind leider immer wieder ein Thema, in Südkirchen war es eher die überaus deutlich wahrnehmbare Form der Überschreitung, die den ein oder anderen erstaunen ließ“, beschreibt Bauamtsleiter Josef Klaas und bezieht sich damit auf den gleichen Zeitungsartikel. Anhand des Geräuschbildes gehe er davon aus, dass sich die Motorradräder mit hoher Geschwindigkeit bewegt haben, erinnert sich Heiko Theis (SPD).

Deutlich wird dazu CDU-Ratsherr Thomas Quante: „Als Motorradfahrer mit über 30 Jahren Erfahrung gehen mir solche Idioten ziemlich auf den Geist. Sie sorgen dafür, dass mein langjähriges Hobby immer wieder in Verruf gerät.“ Die Möglichkeiten von Kommunalpolitikern sieht Quante „eher begrenzt“. „Wir haben den Landrat bei seinem Besuch in der CDU-Fraktion darum gebeten, mit Geschwindigkeits- und Geräuschkontrollen der Polizei in Nordkirchen mehr Präsenz zu zeigen.“

Kontrollen bringen zu wenig Geld

Kontrolle sei das einzige Mittel, um dieses Problem einzudämmen, so Quante weiter. Dabei würde er Kontrollen an „neuralgischen Punkten“ (Schulen, Kindergärten, Wohngebiete) begrüßen und nicht an Stellen ohne direkte Wohnbebauung, an denen eine Messung aber „einfach mehr Kohle bringt“.

Für Geschwindigkeitskontrollen plädiert auch Heiko Theis (SPD) und wünscht sich dabei, „den gesetzlichen Rahmen auszureizen“. „Nichts tut letztlich mehr weh, als dass der Führerschein sofort eingezogen wird“, sagt Theis. Sein Rat an die Bürger ist, konsequent die Polizei zu benachrichtigen.

Raser der Polizei melden

Und was rät die? Es sei der richtige Weg, sich bei der Polizei zu melden, bestätigt Norbert Voßkühler, Sprecher der Kreispolizeibehörde Coesfeld. Bürger könnten sich auf der Dienststelle melden, aber auch den Bezirksbeamten ansprechen.

„Wir stehen in engem Kontakt mit dem Kreis und dem dortigen Straßenverkehrsamt“, betont Voßkühler. In Zusammenarbeit würden die gemeldeten Punkte ausgewertet, gemeinsam nach Lösungen gesucht – auch bei einem Ortstermin. Maßnahmen, wie Radarmessungen oder mögliche Verbesserungen in Form von Veränderungen an der Straße würden daraus resultieren.

Hinweise geben oder direkt ansprechen

„Wem ein bestimmtes Fahrzeug oder ein bestimmter Auto- oder Motorradfahrer auffällt, kann diesen natürlich auch melden“, sagt Voßkühler. Die Polizei sei über diese Hinweise „dankbar“. Generell nehme aber auch die Gemeinde Hinweise entgegen – und ernst, versichert Josef Klaas.

Thomas Quante berichtet aus eigener Erfahrung, dass es zudem einen Versuch wert sei, einen „Übeltäter“ direkt anzusprechen. Denn diese wohnten oftmals in der direkten oder erweiterten Nachbarschaft. 

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