Wegen Corona: Auswärtiges Amt holte Ex-JCS-Schülerin aus Ghana zurück

rnGhana-Rückkehr

Bis Ende August sollte ihr Freiwilligendienst in Ghana dauern. Doch die Corona-Krise machte der ehemaligen Nordkirchener Schülerin Hannah Hoffmann (20) nun einen Strich durch die Rechnung.

Nordkirchen

, 31.03.2020, 10:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Freiwilligendienst, den die ehemalige Schülerin der Johann-Conrad-Schlaun-Schule in Nordkirchen, Hannah Hoffmann, in Ghana absolviert hat, hat ein jähes Ende gefunden. Vier Monate früher als ursprünglich geplant. Das Auswärtige Amt hat wegen der Corona-Krise Tausende deutsche Freiwilligendienstler weltweit zurück nach Deutschland gebracht. Auch Hannah Hoffmann gehört dazu.

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Die 20-Jährige hat im September 2019 nach ihrem Abitur einen Freiwilligendienst an einer Mädchenschule in Cape Coast, einer Stadt im Süden Ghanas, begonnen. Nun ist sie zurück in Deutschland. Sie sagt, sie sei noch „gar nicht richtig angekommen“. Alles fühle sich derzeit an „wie in einem Traum“. Innerhalb von einer Woche habe sie ihr Leben und ihren Alltag in Ghana abbrechen müssen.

Kaum Zeit zum Abschiednehmen

Am Montag (16. März) erhielt sie eine E-Mail vom Auswärtigen Amt, in der sie über die Rückhol-Aktion informiert worden ist. Dann hieß es: Sachen packen. Und schon am Samstag (21. März) saß sie im Flieger von Accra, der Hauptstadt Ghanas, über Paris nach München. Zeit zum Abschiednehmen hatte sie da fast gar nicht mehr.

„Es kam alles sehr abrupt und überraschend“, sagt Hannah Hoffmann. Sie habe immer noch die Hoffnung, dass sich die Lage innerhalb der nächsten Monate beruhige. „Aber wenn ich dann zurück nach Ghana käme, wäre ich nur noch ein Tourist“, sagt sie. Die Wohnung, in der sie in den vergangenen Monaten gewohnt hat, stünde ihr dann nicht mehr zur Verfügung. „Ich würde dann bei einer Lehrerin unterkommen, die inzwischen eine gute Freundin von mir ist“, sagt Hannah Hoffmann.

Hannah Hoffmann mit der Lehrerin Madam Alima (l.), mit der sie sich während ihrer Zeit in Ghana anfreundete.

Hannah Hoffmann mit der Lehrerin Madam Alima (l.), mit der sie sich während ihrer Zeit in Ghana anfreundete. © Hannah Hoffmann

Zunächst „keine großen Sorgen“ gemacht

Von der Corona-Krise in Deutschland hatte sie in den Wochen vor ihrer Abreise nur bedingt etwas mitbekommen. „Ich habe die Nachrichtenlage in Deutschland nicht wirklich verfolgt, habe aber über Telefonate mit meinen Eltern mitbekommen, wie die Situation hier ist.“

Zunächst habe sie sich keine großen Sorgen gemacht. Wie ernst die Lage tatsächlich ist, habe sie erst so richtig gemerkt, als es hieß, dass ihre Eltern sie nicht besuchen kommen können. „Meine Eltern wollten mich eigentlich Anfang April besuchen kommen. Anfang März hieß es dann aber, dass sie große Sorgen haben, dass die Grenzen dicht gemacht werden“, erzählt Hannah Hoffmann rückblickend.

Schulen und Universitäten in Ghana ebenfalls geschlossen

Eine Woche später war es dann soweit: Am Sonntag (15. März) verkündete der ghanaische Präsident, dass die Landesgrenzen geschlossen werden. Tags darauf wurden Schulen und Universitäten - wie in Deutschland - auch in Ghana geschlossen.

An diesem Tag erhielt sie auch die E-Mail des Auswärtigen Amts. „Für manche ging es noch schneller als für mich. Eine Freiwillige saß schon zwei Tage später im Flieger in die Heimat. Ich habe mein Ticket am Donnerstag bekommen und saß samstags im Flugzeug“, erzählt Hannah Hoffmann.

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Im Flugzeug war „alles normal“

Das Flugzeug von Accra nach Paris sei „voll besetzt“ gewesen. Kein Sicherheitsabstand zwischen den Passagieren. „Da war alles normal. Niemand hat eine Atemschutzmaske getragen“, berichtet Hannah Hoffmann von ihrer Rückreise. Von Paris nach München sei es „viel leerer“ im Flugzeug gewesen. Während ihrer Reise war sie „sehr traurig“, wie sie sagt: „Es ist ja nicht so, dass ich eine Urlaubsreise nach Ghana gemacht habe. Das war mein Leben und mein Zuhause dort. Aber als ich meine Eltern dann am Flughafen gesehen habe, war alles wieder gut.“

Fürs erste. Denn als sie und die anderen Freiwilligen am Sonntag (22. März) in München ankamen und erstmals nach langer Zeit wieder deutschen Boden betraten, bekamen sie schnell mit, wie ernst die Lage in Deutschland ist. „Wir haben uns noch kurz zur Verabschiedung umarmt. Da kam auch schon eine Angestellte des Flughafens zu uns und meinte, das sei leichtsinnig von uns, und hat gedroht, die Polizei zu rufen“, schildert sie die Begegnung.

152 Infizierte in Ghana

In Ghana ist die Lage ebenfalls ernst, sagt Hannah Hoffmann. „Dort tragen die Menschen inzwischen auch Handschuhe und Mundschutz und desinfizieren ihre Hände.“ Die meisten Restaurants und Bars haben auch in Ghana geschlossen. Den ersten bestätigten Infizierten mit dem Coronavirus hat es in Ghana am 11. März gegeben. Inzwischen sind es dort 152 Infizierte, fünf sind bereits gestorben (Stand: 30. März).

Hannah Hoffmann musste in ihrer Zeit in Ghana zwar nicht in ärztliche Behandlung. Sie glaubt aber trotzdem, dass das Land mit dem neuartigen Virus schnell überfordert sein wird. „Mit Malaria und Typhus kennen die sich da gut aus. Aber mit dem Coronavirus werden sie, denke ich, Probleme bekommen“, so Hannah Hoffmanns Einschätzung. Das Gesundheitssystem in Ghana sei alles andere als optimal. „Da stehen ein paar Betten in einem Zimmer. Man kann das nicht mit deutschen Krankenhäusern vergleichen“, sagt sie. Wegen dieses Aspekts sei es für sie nun auch besser, wieder in Deutschland zu sein.

Rassismus hautnah erlebt

Von den Einheimischen fühlte sie sich zuletzt auch teilweise feindlich behandelt. „Viele Taxifahrer wollten uns plötzlich nicht mehr mitnehmen. Andere haben uns hinterher gerufen: ‚Geht zurück in euer Land.‘ Das war keine schöne Erfahrung“, sagt Hannah Hoffmann.

Ihren Status als Freiwillige verliert Hannah Hoffmann zunächst indes nicht. Offiziell geht ihr Freiwilligendienst noch bis Ende August. Ihr Gehalt bezieht sie fortan aber nicht mehr.

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