Bauhof fällt Baum und Hecken am Spielplatz. Aber: Darf er das mitten im Frühling?

rnFällarbeiten

Die Gemeinde Nordkirchen hat an der Aspastraße neben dem Spielplatz einen Baum gefällt und vier Schlehen entfernt. Mitten im Frühling. Darf die Gemeinde das eigentlich?

Nordkirchen

, 08.04.2019, 16:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Nordkirchenerin Veronika Scheuer regt sich sehr auf, als sie am Montagvormittag der Aspastraße in Nordkirchen Arbeiter des Bauhofs der Gemeinde Nordkirchen sieht. „Sie haben da eine blühende Hecke herausgerissen“, sagt sie. „Eine blühende Hecke, das geht doch nicht!“ In der Hecke könnten schließlich Vögel nisten, Bienen Nahrung finden oder andere Kleintiere ihr Zuhause haben. „Wir haben in diese Hecke ständig Vögel hineinfliegen sehen“, sagt auch Marita Gödde, die ebenfalls Zeugin der Abrissmaßnahme wurde.

Die beiden Nordkirchenerinnen ärgern sich nicht nur, sie fragen sich auch: Darf die Gemeinde in dieser Jahreszeit - mitten im Frühling - eigentlich solche Fällarbeiten machen lassen? Für Privatleute ist das schließlich ab März verboten - aus den von Veronika Scheuer genannten Gründen.

Rückschnitte und Fällungen eigentlich nur im Winterhalbjahr

Eigentlich, so bestätigt Bauamtsleiter Josef Klaas auf Anfrage der Redaktion, muss sich auch die Gemeinde Nordkirchen an die Fristen halten. Das heißt: Rückschnitte und Fällarbeiten erledigen die Nordkirchener Bauhofmitarbeiter in der Regel im Winterhalbjahr, um die Vogelbrut nicht zu stören.

Aber: „Im vorliegenden Fall bestand eine Unfallgefahr“, so Josef Klaas. Deshalb sei die Fällung außerhalb der Regel notwendig gewesen. Er erklärt: „Unser Bauhof hat einen Baum gefällt, dessen Wurzeln das Pflaster des dort entlang führenden Gehweges und die Einfahrt des daneben liegenden Gewerbebetriebes angehoben haben, was eine Unfallgefahr darstellte. Der Baumstamm wird noch durch Fräsen entfernt, sodass in dieser Pflanzperiode ein Ersatzbaum, etwas weiter weg vom Gehweg, neu gepflanzt werden kann.“

Eltern sorgten sich um Dornen

Neben dem Baum wurden auch gerade blühende Schlehen entfernt. Vier Stück, um genau zu sein. „Auf Wunsch besorgter Eltern von Kindern, die diesen Spiel- und Bolzplatz nutzen. Die Schlehe hat lange Dornen und ist an Spielplätzen nicht die richtige Randpflanzung. Auch hier wird umgehend (anderer) Ersatz gepflanzt“, so Josef Klaas.

Bauhof fällt Baum und Hecken am Spielplatz. Aber: Darf er das mitten im Frühling?

Die Pflanzen standen am Rand des Spielplatzes. © Marie Rademacher

Für Veronika Scheuer sind das keine guten Argumente. Es bestehe ein sehr großer Abstand von Hecke und Spielplatz. Das könne ihrer Meinung nach eigentlich kein Problem für die Kinder sein. Der Zeitpunkt der Fällungen gehe außerdem einfach gar nicht. „Man hätte ja wenigstens warten können, bis die Hecken nicht mehr blühen“, sagt sie. So hätten die Bienen noch eine Chance gehabt. „Ich habe selbst Landwirtschaft und Forstwirtschaft gelernt“, erklärt sie weiter und verweist noch mal auf das Fäll- und Schnittverbot in der Sommerhälfte des Jahres. Dass der Zeitablauf für die Maßnahme „nicht glücklich“ war, räumt auch Josef Klaas am Nachmittag ein. Da sind Baum und vier Schlehen schon Geschichte.

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