Baumpflege: Was die Gemeinde darf - und muss

Streitthema in Nordkirchen

Es ist ein Dauerthema und auch häufig ein Streitthema: Wann darf die Gemeinde Bäume beschneiden oder gar fällen? Gelten für die Stadt andere Regelungen als für Privatleute? Wir klären mit Bauamtsleiter Josef Klaas die wichtigsten Fragen zu Rechten und Pflichten der Gemeinde bei der Baumpflege - auch im ausführlichen Podcast.

NORDKIRCHEN

, 03.06.2016, 06:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Baumschnitt in Nordkirchen

Baumschnitt in Nordkirchen

In welchen Fällen beschneidet beziehungsweise fällt die Gemeinde überhaupt Bäume? Auf der einen Seite wird die Gemeinde laut Josef Klaas häufig von Bürgern darauf hingewiesen, bestimmte Bäume zu stutzen oder zu fällen, die möglicherweise krank oder störend sein könnten. Grundsätzlich ist die Gemeinde dazu verpflichtet, geschätzt 9000 Bäume zu pflegen und der sogenannten Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Bei der Vielzahl an Bäumen sei das eine zeitintensive und große Aufgabe, sagt Klaas.

Was bedeutet das genau? Die Gärtner des Bauhofs behalten den Überblick über den Baumbestand der Gemeinde. Sie können Schäden einschätzen und beurteilen, welcher Baum gepflegt, das heißt zurückgeschnitten, oder auch gefällt werden muss. Die Gemeinde ist verpflichtet - Stichwort Verkehrssicherungspflicht - dafür zu sorgen, dass durch herabfallende, morsche Äste keine Schäden, zum Beispiel an Häusern oder Autos - entstehen, und noch viel wichtiger: dass niemand zu Schaden kommt. Darunter fällt der Einsatz vor etwa zwei Wochen an den Eichen im Wohngebiet Rosenstraße West.

Privatleute dürfen Bäume und Hecken nur bis Ende März beschneiden. Sind Kommunen von dieser Regelung ausgenommen? Diese Regel gilt grundsätzlich auch für die Gemeinde. Rückschnitte und Fällarbeiten sollten, so Klaas, im Winterhalbjahr gemacht werden, um die Vogelbrut nicht zu stören. Auch hier kommt aber die Verkehrssicherungspflicht wieder zum Tragen: „Wenn wir im Juni feststellen, dass da ein fauler Ast ist, der sich rasant entwickelt hat, dann müssen wir auch in einer Brutperiode zurückschneiden und fällen“, erklärt der Bauamtsleiter. Das solle und müsse aber die Ausnahme bleiben, so Klaas weiter.

Wie versucht man, brütende Vögel zu schützen, bevor man einen Baum fällt oder beschneidet? Das hängt vom Einzelfall ab. Klaas schildert folgenden Fall: Der Ast eines Baums ist angebrochen, müsste abgesägt werden, allerdings brüten gerade Vögel in dem Ast. „Dann würde man den Bereich mit Flatterband absperren, und die zwei bis drei Wochen warten, bis die Vögelchen selbst fliegen können und greift dann zur Säge.“

Ist die Gemeinde verpflichtet nachzuweisen, aus welchem Grund außerhalb der erlaubten Zeit geschnitten wurde? „Ja“, sagt Josef Klaas. Das sei nicht nur erforderlich, die Gemeinde wolle auch selbst nur dann schneiden oder fällen, wenn es einen konkreten Grund dafür gibt. „Wenn - wie in der vergangenen Woche - bemängelt wird, dass wir Ende Mai mit der Säge losziehen, dann gibt es dafür einen Grund“, erklärt der Bauamtsleiter.  

Ausgebildete Spezialisten:
Am Bauhof sind drei Gärtner dazu ausgebildet zu entscheiden, ob und wie Bäume einer Pflege bedürfen oder ob sie gefällt werden müssen.
Die Mitarbeiter machen nicht nur Fortbildungen zu dem Thema, sondern sind auch technisch ausgebildet. Das fängt bei der Bedienung einer Motorsäge an und beinhaltet auch die Arbeit vom Hubsteiger aus.
Ein „Dauerthema“, wie Josef Klaas es nennt ist für die Mitarbeiter die Miniermotte, die vor allem die Kastanien am Schlosspark befällt. Die Schäden an den Bäumen zeigen sich meist über einen längeren Zeitraum.

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