Der Preis ist heiß: Wer will für kleines Geld in einer großen Nordkirchener Villa wohnen?

rnVilla Altendorf

Preiswerter geht es kaum: Eine große Villa auf einem riesigen Grundstück in bester Lage steht in Nordkirchen für gerade einmal 160.000 Euro zum Verkauf. Aber es ist Vorsicht geboten!

Nordkirchen

, 28.10.2019, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das verstehe wer will: Das Land Nordrhein-Westfalen hat in diesem Jahr ganz kurzfristig Privatquartiere anmieten müssen, um alle neuen Studenten der Fachhochschule für Finanzen unterbringen zu können.

Dabei verfügt das Land selbst über nicht genutzten Wohnraum, der zudem deutlich näher am Schloss liegt. Die Villa Altendorf, Altendorf 4. Also mitten im Grünen. Doch das Land will sich von dem Objekt trennen. Interessenten müssen schnell sein.

Interessenten müssen jetzt ganz schnell sein

Die Frist zur Abgabe eines ersten Kaufpreisangebotes läuft am Donnerstag, 31. Oktober ab. Als Mindestkaufpreis hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW 160.000 Euro aufgerufen. Das für diese Summe das Objekt den Besitzer wechselt, erscheint eher unwahrscheinlich.

Stolze 6581 Quadratmeter ist das Grundstück groß. Der großzügige parkähnliche Garten mit altem Baumbestand verspricht zudem Erholung auf höchstem Niveau. Dazu hat das Gebäude eine Wohnfläche von insgesamt 1172 Quadratmeter. Platz genug für verschiedenste Nutzungsformen.

Gebäudesubstanz ist stark sanierungsbedürftig

Aber wo ist der Haken bei der Sache? Bereits seit November 2017 steht die Immobilie leer. „Zwar wurde das Gebäude regelmäßig im notwendigen Umfang gewartet, jedoch entspricht es nicht mehr den heutigen Standards eines Wohngebäudes. Die Gebäudesubstanz ist stark sanierungsbedürftig“, schreibt der BLB. Die Möglichkeit einer Folgenutzung im Bestand sei aus wirtschaftlicher Sicht zu prüfen. Damit nicht genug.

„Eine Folgenutzung ist aufgrund der planungsrechtlichen Situation nur in Ausnahmefällen möglich und sollte im Vorfeld mit der Gemeinde abgestimmt werden“, betont der Bau- und Liegenschaftsbetrieb.

„Die Gemeinde kann nicht alleine entscheiden“

Gerade dieser Satz ist bei der Gemeinde Nordkirchen etwas negativ aufgestoßen. Bauamtsleiter Josef Klaas sagt auf Anfrage, dass sich die Verwaltung ein Gespräch des BLB über dieses Thema vor Start des Bieterverfahrens gewünscht hätte.

Zudem scheint das Land nicht wirklich über die Abläufe vor Ort informiert zu sein. „Die Gemeinde kann gar nicht alleine entscheiden“, sagt Klaas und verweist auf die Zuständigkeit des Kreises Coesfeld. „Aber wir wollen das Verfahren positiv begleiten.“

Obwohl die Verwaltung keine gesicherten Informationen hat, ob es „ernsthafte Kauf-Interessenten gibt“, hat die Gemeinde von sich aus die Initiative ergriffen und das Gespräch mit dem Kreis gesucht. Danach scheint es Möglichkeiten für eine Wohnraumnutzung zu geben.

Eine Bauvoranfrage würde für Interessenten Klarheit schaffen

Wirklich Klarheit würde allerdings eine Bauvoranfrage schaffen. Dann würde sich über die Kreisantwort zeigen, ob die angedachte Nutzung umsetzbar ist oder auch nicht. So viel steht jedenfalls fest: Die Gemeinde wird bei dem Projekt nicht ihren Hut in den Ring werfen und nicht mitbieten. Alle anderen müssen sich genau überlegen, wie viel ihnen das Objekt wert ist.

Das Land verkauft das Gebäude nicht direkt. Vielmehr hat das Land ein mehrstufiges Bieterverfahren gestartet. Das Verfahren besteht in der Regel aus zwei bis drei Runden. Wenn es sich um die letzte Bieterrunde handelt, informiert der BLB NRW alle Bieter über diesen Umstand, sodass sie ein letztes Angebot abgeben können.

Gebäude war Ausbildungszentrum der Wehrmacht

Beantworten muss der neue Eigentümer auch die Frage, wie er mit der Geschichte des Gebäudes umgeht. In den 1930er/40er Jahren war es ein Ausbildungszentrum der Wehrmacht, während sich im Schloss Nordkirchen eine Gauleiterschule befand. Ist über die Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg wenig bekannt, hat die Fachhochschule für Finanzen nach ihrem Start 1957 in Nordkirchen das Gebäude als Studentenwohnheim genutzt. Bis vor zwei Jahren.

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